Ruhe im Markt, Risiko im Handel: Projekt 7 im Wochenfokus
Die Märkte zeigen in Kalenderwoche 10 anhand der Daten von Infront ein erstaunlich ruhiges Gesicht – und genau dieses Marktumfeld macht Projekt 7 so lehrreich. Während viele Anleger darauf warten, dass Volatilität Chancen schafft oder Risiken verschärft, passiert in dieser Woche genau das Gegenteil: Nichts. Die Kurse bewegen sich seitwärts, die großen Indizes schlagen kaum aus, und die Private‑Banking‑Depots reagieren überwiegend mit Gelassenheit.
Doch die Ruhe täuscht nicht darüber hinweg, dass die Entscheidungen der Vermögensverwalter in KW 10 große Unterschiede produzieren. Ein Großteil der Teilnehmer verzichtet bewusst auf jede Umschichtung. Diese Zurückhaltung bestimmt das Bild: ICFB GmbH, M.M. Warburg & CO, Neue Bank AG und zahlreiche andere Depots bleiben vollständig passiv und überlassen dem Markt das Spielfeld. Auch das Benchmarkdepot verhält sich stoisch und führt keine einzige Transaktion aus. Diese Ruhe bildet die Referenz für alles, was folgt.
Drei Häuser brechen die Stille
Die vermeintliche Ruhe endet, sobald man den Blick auf die wenigen aktiven Verwalter richtet. Genau drei Institute durchbrechen die Stille: Bankhaus Carl Spängler & Co., Volksbank Kraichgau Family Office und Berliner Sparkasse. Und sie tun dies mit bemerkenswerter Energie. Die Handelsdaten zeigen Transaktionen im Gesamtvolumen von weit über einer Million Euro, wobei allein die umfangreichen ETF‑Umschichtungen beim Bankhaus Spängler rund 647.000 Euro bewegen.
Bankhaus Spängler verkauft Anteile am SPDR Bloomberg Euro Government Bond 1–3yr ETF und baut eine Position im Xtrackers Eurozone Government Bond 5–7yr ETF auf. Die Strategie ist klar: längere Laufzeiten, mehr Renditepotenzial – allerdings auch mehr Zinsrisiko. Die Volksbank Kraichgau agiert fokussierter und setzt vollständig auf einen einzigen Wert: den VanEck Rare Earth UCITS ETF, ein Produkt aus dem Bereich kritischer Rohstoffe. Der Schritt wirkt mutig, aber die Marktlage honoriert ihn nicht. Die Berliner Sparkasse setzt dagegen eher auf Breite und handelt quer durch das Depot – verkauft AbbVie, verkauft diverse Staatsanleihen, verkauft einen EM‑ETF und steigert ihre Position bei UPS. Diese drei Häuser stehen damit stellvertretend für unterschiedliche Handelsphilosophien: breite Rotation, fokussierter Themenschwerpunkt oder taktische Reallokation. Doch wie sich zeigt, führt in KW 10 keine dieser Strategien zu einem Vorteil.
Vermögensentwicklung – Aktivität wird bestraft
Die Vermögensentwicklung fällt in aller Deutlichkeit aus. Bankhaus Carl Spängler verliert in einer Woche –53.328,77 Euro, die Volksbank Kraichgau verbucht –44.837,99 Euro, und die Berliner Sparkasse rutscht um –34.227,48 Euro ab. Damit bilden sie die drei schwächsten Ergebnisse aller Projekt‑7‑Verwalter. Kein einziges aktives Depot erzielt auch nur annähernd eine stabile oder gar positive Wochenentwicklung.
Das Benchmarkdepot dagegen zeigt ein vergleichsweise robustes Ergebnis: –14.979,20 Euro. Dieser Verlust liegt deutlich unter den Rückgängen der aktiven Verwalter und sogar im oberen Drittel aller Depots der Woche. Bemerkenswert ist zudem, dass die Neue Bank AG als einziges Institut im Projekt eine positive Veränderung erzielt – ein unerwarteter Lichtblick in einer ansonsten leicht schwächeren Woche. Dieses Ergebnis entsteht ohne jeglichen Handel.
Drawdowns – Risiko zeigt sich ungefiltert
Der Drawdown verdeutlicht, warum die Performance so auseinanderläuft. Das Benchmarkdepot weist mit 1,27 % einen moderaten Risikowert auf, der zeigt: Die Schwankungen sind gering, die Struktur ist defensiv. Die aktiven Depots liegen jedoch weit darüber. Bankhaus Spängler erreicht mit 3,96 % den höchsten Wert der Woche. Auch andere aktive Verwalter verzeichnen Drawdowns zwischen 1,7 % und 3,0 %.
Dieses Muster ist eindeutig: Wer in ruhigen Märkten handelt, erhöht das Risiko – oft ohne Mehrwert. Die passiven Depots verhalten sich deutlich stabiler. Mehrere Häuser weisen Drawdowns unterhalb des Benchmarkniveaus aus, darunter die Neue Bank AG und einige weitere passive Teilnehmer, die keinerlei Schwankung von Bedeutung hinnehmen müssen.
Handelsmuster offenbaren Marktgefühl
Die Handelsaktivitäten lassen Rückschlüsse auf das Marktgefühl der aktiven Verwalter zu. Der Fokus auf europäische Staatsanleihen zeigt eine Erwartung sinkender Renditen oder steigender Liquidität im Bondmarkt. Die ETF‑Rotation bei Bankhaus Spängler wirkt wie ein Versuch, längere Laufzeiten antizyklisch zu spielen. Die Berliner Sparkasse zeigt dagegen einen klaren Abbau von Risiken in Aktien und Emerging Markets und stärkt mit UPS eine Einzeltitelposition, die als Qualitätswert gilt.
Doch der Markt straft diese Ansätze in KW 10 ab. Die internationale Zinsstruktur bleibt stabil, die Aktienmärkte bewegen sich kaum, und risikoreduzierende Taktiken bringen keinen kurzfristigen Vorteil. Damit offenbart die Woche ein lehrreiches Muster: In Phasen niedriger Volatilität werden gut positionierte, breit gestreute Depots belohnt – hektische Anpassungen hingegen verursachen zusätzliche Verluste.
Was Anleger aus KW 10 lernen
Die KW 10 zeigt eindrucksvoll, wie sehr Timing und Risikobeherrschung zusammenhängen. Die aktiven Verwalter versuchen, Impulse zu setzen, Rotationen zu nutzen oder geopolitische Risiken einzupreisen. Doch der Markt bleibt unbeeindruckt – und belohnt diejenigen, die auf ruhiger See nicht unnötig manövrieren. Das Benchmarkdepot dient in dieser Woche als Orientierungspunkt für Stabilität: kein Handel, moderates Risiko, überschaubarer Verlust. Einfache, aber effektive Prinzipien.
Passives Verhalten dominiert daher die Gewinnerseite. Wer nicht gehandelt hat, steht am Ende der Woche besser da – und zeigt damit, wie wichtig es ist, Marktbewegungen nicht mit unnötigen Aktionen zu nivellieren. Projekt 7 wird in KW 10 somit zum Lehrbuchbeispiel dafür, dass „Nichts tun“ eine aktive Entscheidung sein kann.
Tabelle: Alle Transaktionen (KW 10)
| Vermögensverwalter | Gesamtvolumen (€) | Netto (Käufe/Verkäufe) | Aktivität |
|---|---|---|---|
| Bankhaus Carl Spängler & Co. AG | ~647.000 | leichter Netto‑Abfluss | 2 Transaktionen |
| Volksbank Kraichgau Family Office | ~37.000 | ausschließlich Zukauf | 1 Transaktion |
| Berliner Sparkasse – BSK 1818 | >250.000 | gemischte Verkäufe & Käufe | 12 Transaktionen |
| Benchmarkdepot | 0 | keine Aktivität | passiv |
- Insgesamt wurden deutlich über 1 Million Euro bewegt.
- Schwerpunkte: ETFs und europäische Staatsanleihen.
- Benchmark blieb vollständig passiv.