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Fuchsrichter Logo Bergos AG, TOPS 2022, Beratungsgespräch und Vorauswahl

Bergos ist dem nächsten großen Ding verpflichtet – hat es aber noch nicht

Die Bergos AG im Private Banking Test. Grafik: Verlag Fuchsbriefe mit Canvas
Aus einer ursprünglich deutschen Bank in der Schweiz ist vor Kurzem eine rein schweizerische Privatbank geworden: Bergos. Wie wirkt sich der Wandel aus?

"Wir sind Bergos – Private Wealth ist unser Focus." Der Namensbestandteil "Berg" bestimmt die Optik auf der Website. Doch Berenberg – Gossler hat die Namensbestandteile geliefert und so ist der Name die letzte (dauerhafte) Brücke zur einstigen Mutter: 2018 erwarb eine Gruppe von Unternehmern zusammen mit dem Management 80,1% der Anteile der Berenberg Bank (Schweiz) AG und etablierten damit die Burgos Berenberg AG. 2020 gingen auch die verbleibenden 19,9% an Unternehmer, womit Bergos AG zur gänzlich unabhängigen Schweizer Privatbank wurde.

Bergos liebt Denglisch

Schon immer hatten die Schweizer eine besondere Nähe zu den pragmatischen und handelsorientierten Angelsachsen. Das führt regelmäßig zum intensiven Gebrauch des Denglischen. Ein unschöner Marketing-Mischmasch, wie man ihn auch auf dieser Webseite antrifft: Man gibt sich gerne traditionsbewusst und formuliert dann dennoch so: „BERGOS NEXT: We think & create. Committed to the next big thing.” Oder: „BERGOS AIR: Unser neues Artists in Residence Programm zur Unterstützung junger Künstler.“ Da schüttelt sich nicht nur die Rechtschreibhilfe von Word. Oh, unheiliger Schwurbel-Dämon, entweiche dieser Seite.

Kommen wir zum wirklich Wesentlichen: der Beratungsqualität. Hier erleben wir durchaus viel Gutes. Darum geht es dem Kunden:

Der Kunde und sein Anliegen

  • 3,5 Mio. Euro Anlagevermögen aus Immobilien-Verkauf
  • die aktuellen und noch kommenden wirtschaftlichen Schäden der Corona-Pandemie, die gestiegene Staatsverschuldung, künftige Pleiten von Unternehmen und kleinen Geschäften etc., die anziehende Inflation beunruhigen
  • Wunsch, das Geld möglichst nachhaltig mit Fokus auf das Klima anzulegen
  • Kein Verlust innerhalb  den nächsten 5 Jahre
  • Kunde hat die Hälfte seines Lebens in der Schweiz verbracht
  • Die Bank ist ihm ein Begriff 
  • Möchte Geld nicht nur bei Großunternehmen anlegen

Stärken von Bergos

Die Berater sind interessiert am Kunden, serviceorientiert, verbindlich und verlässlich und freundlich ohnehin, die Gesprächsatmosphäre ist angenehm. Die Beratung im Team überzeugt an vielen Stellen. Der Berater ist sattelfest in der Markt-Diskussion und setzt sich mit den Befürchtungen des Kunden ernsthaft auseinander – auch wenn er sie nicht teilt. Aber immerhin: Er erkennt das zentrale Kundenanliegen. Eine Brandschutzmauer ums Vermögen hält er offenbar nicht für nötig. Die Kommunikation erfolgt über Secure Mail, die Möglichkeit zur Online-Konferenz via Skype ist kein Problem für das Haus. Klasse auch, dass der Berater die Nachhaltigkeitsexpertin des Hauses heranzieht.

Schwächen von Bergos

Man hat sich redlich bemüht – ist aber auf dem Feld der nachhaltigen Anlage noch nicht so weit, eine entsprechende Vermögensverwaltung anbieten zu können. Und neben einem ganzheitlich ausgerichteten Portfolio (es gebe aber bereits eine Vermögensverwaltungs-Strategie, die mit nachhaltigen ETFs arbeite; die Bank setzt auf Megatrends, dazu gehört auch der Klimawandel) vermisst der Kunde noch weiteres: ein Gesprächsprotokoll, einen Anlagevorschlag, eine ganzheitliche Erfassung seiner Kundensituation, eine Risikodiskussion, die diesen Namen verdient, ein Preisangebot und – Individualität. Offenbar bietet Bergos nur standardisierte Mandate an. Private Wealth ist unser Focus? Wer hat da etwas missverstanden? Auch unsere redaktionellen Fragen will man in diesem Jahr nicht beantworten. Fehlt es etwa auch an Personal?

Fazit: Bergos überzeugt in vielen Punkten, in etlichen wiederum nicht. Es ist eine sehr schweizerische Bank, die bis heute nicht in der ganzheitlichen Vermögensverwaltung angekommen ist und vielfach ihren „alten Stiefel“ putzt. Erfolgreich sind die Schweizer Banken damit. Vielleicht ist das internationale Publikum diesbezüglich nicht so anspruchsvoll. Manchem Anleger soll es ja genügen, sein Geld „sicher“ verwahrt zu wissen.

Was Bergos fehlt – und da ist man weit hinter dem Markt Standard Schweiz zurück, die auf dem Gebiet Vorreiterin ist – ist ein Angebot an nachhaltigen Vermögensverwaltungen. Aber dies ist im Aufbau. Empfehlung: Noch reicht es nicht zur Teilnahme an der Endrunde.

Hinweis: Dieses Bankenporträt beruht auf den Eindrücken aus einem individuellen Erstberatungsgespräch, das ein zuvor geschulter Testkunde durchgeführt hat. Die wiedergegebenen Eindrücke wurden während des Gesprächs oder unmittelbar danach schriftlich protokolliert. Subjektive Wahrnehmungen lassen sich nicht ausschließen. Der Testkunde hat sich zur Neutralität gegenüber dem getesteten Institut verpflichtet. Die Bewertung wurde nach einem festen Schema vorgenommen, das die FUCHS|RICHTER Prüfinstanz  erstellt hat. Es beruht auf der jahrelangen – wissenschaftlich untermauerten – Beschäftigung mit dem Thema Beratungsqualität im Private Banking durch die FUCHS|RICHTER Prüfinstanz, Dr. Richter | IQF und Ralf Vielhaber | Verlag FUCHSBRIEFE.

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