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Fuchsrichter Logo Nachhaltigkeit in der Beratung – Rating 2022/23 - FUCHS-RICHTER-Score: 77,4 - Status: Geselle

BW-Bank: Nachhaltigkeit im Fokus – aber noch nicht ausgereift

Nachhaltigkeit Geselle. ©Verlag Fuchsbriefe
„Wer als Unternehmen auf dem Markt bestehen will, kommt um das Thema Nachhaltigkeit nicht herum“, lässt sich Cara Schulze, Leiterin Nachhaltigkeit bei der LBBW zitieren. Die BW-Bank ist Teil des LBBW-Konzerns. Nachhaltigkeit werde zum neuen Standard in der Wirtschaft. Unternehmen wie Investoren nähmen sich in die Pflicht, verantwortungsbewusst zu handeln. „Damit stehen wir am Beginn einer Zeitenwende“. Wird die BW-Bank dem schon voll gerecht?

Nachhaltigkeit ist eine der vier strategischen Stoßrichtungen des LBBW-Konzerns. Auch daraus resultiert das hohe Engagement der Bank in der Gesellschaft. Die Bank verfolgt zahlreiche soziale Projekte, vorwiegend in der Region, die sich dem nachhaltigen Feld zuordnen lassen. Frauenförderung, Förderung musikalischer Institutionen und sportlicher Events gehören zum hauseigenen Engagement ebenso dazu wie verschiedene Bildungsprojekte und Kunstförderung. Mitarbeiter der BW-Bank unterrichten regelmäßig in Schulen und stehen Lehrkräften sowie Schülern mit ihrem Fachwissen zur Seite (BW-Bank Schulservice).

Die LBBW ist seit 2009 Unterzeichnerin der UN PRI (Prinzipien nachhaltigen Investierens). „Entsprechend der hohen Bedeutung des Themas Nachhaltigkeit im LBBW Konzern, ist das Thema schon lange im Beratungsprozess verankert. Es gewinnt natürlich in den letzten Monaten (auch regulatorisch getrieben) zunehmen an Fahrt“. Das ist eine passende Beschreibung dessen, was wir als FUCHS | RICHTER Prüfinstanz in der Beratungspraxis der Bank erleben. Es ist regelmäßig ein passabler bis solider Grundwissensbestand vorhanden, der für einen Kunden ohne intensivere Vorkenntnisse zum Thema ausreicht. Doch der Lößboden an der Oberfläche weicht schnell sandigen Schichten. Das gilt für die Evaluation der Kundenvorstellungen zu Nachhaltigkeit ebenso, wie bei der Diskussion des Themas mit dem Kunden und der Umsetzung im Anlagevorschlag.

Aus- und Fortbildung der Mitarbeiter hat hohen Stellenwert

Auf die Aus- und Fortbildung der Mitarbeiter zum Thema legt die BW Bank allerdings inzwischen großen Wert. Mehrmals jährlich erfolgen umfangreichere ESG-Schulungen für alle Berater. Zusätzlich wird im Rahmen eines wöchentlichen Informationsformats im Schnitt alle 4 Wochen explizit auf das Thema Nachhaltigkeit in der Vermögensverwaltung eingegangen (Pflichtveranstaltung für alle Berater). 10% der Berater bezeichnet die Bank als Spezialisten zum Thema. Es gibt in jedem größeren Team einen sogenannten "Nachhaltigkeits-Multiplikator". Er ist speziell für das Thema ausgewählt und hat die Aufgabe u.a. die Kollegen zu coachen und das Thema ESG weiter zu treiben.

Die erheblichen Kosten, die für Ausbildung, Research und Produktportfolio entstehen, werden nicht unmittelbar an die Kunden weitergegeben. Jedoch beobachten wir bei der BW Bank wie bei etlichen anderen Häusern den Zug zu höheren Gebühren auch im Private Banking und Wealth Management – was auch einen Grund in den hohen internen Aufwendungen für Nachhaltigkeit einen Grund haben dürfte.

Solide Verankerung von Nachhaltigkeit im Investmentprozess

Im Investmentprozess des Hauses ist Nachhaltigkeit solide verankert und sauber dokumentiert und definiert. Die Bank favorisiert die Kombination aus Ausschlusskriterien mit einem Best-in-class Ansatz. Hierbei müssen alle Unternehmen ein definiertes Mindestnachhaltigkeitsrating aufweisen. Zusätzlich hat die Bank strikte Ausschlusskriterien hinsichtlich spezifischer Branchen (z.B. Rüstung oder Tabak) in Abhängigkeit des entsprechenden Umsatzanteils der Unternehmen aber auch hinsichtlich kontroverser Geschäftspraktiken (z.B. Korruption, Kinderarbeit) und des Verstoß gegen internationale Normen (z.B. UN Global Compact) definiert.

Die BW-Bank hat einen vergleichsweise breiten Kanon an Ausschlüssen fürs Portfolio – abgestuft nach dem Schweregrad von „Verstößen“ gegen das nachhaltige Regelwerk. Das schränkt allerdings auch Kunden dabei ein, ihr persönliches Wertesystem ganz zur Geltung zu bringen. Gerade im Falle der Nachhaltigkeit lassen sich einzelne Themen sehr kontrovers diskutieren und bewerten (Kernenergie / EU-Taxonomie, selbst Rüstung).

Bekannte Ratingagentur liefert ESG-Daten

Die Implementierung des ESG-Regelwerks im Investmentprozess der Vermögensverwaltung der BW-Bank basiert u. a. auf der Verwendung von Daten des Nachhaltigkeitsspezialisten MSCI ESG Research LLC. Eine Kontrolle findet regelmäßig, mindestens einmal wöchentlich, statt. Nachhaltigkeit in den Portfolien der Vermögensverwaltung ist optional – der Kunde hat die Wahl. Knappe 40% der Portfolien sind nach Auskunft der Bank im Frühjahr 2022 nachhaltig ausgerichtet (Anlagevolumen > 4 Mrd. Euro). Allerdings gälten für alle in der Vermögensverwaltung gemanagte und durch die Vermögensverwaltung beratene Mandate die ESG Policy der Vermögensverwaltung. Entsprechend gälten viele Anforderungen / Ausschlüsse auch für "nicht nachhaltige" Mandate wie z.B. Verzicht auf Engagement in Einzelwerte mit Tätigkeiten in kontroversen Geschäftsfeldern, Engagement in Agrarrohstoffe.

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Fazit: In der Theorie – bei den internen Prozessen und dem Prozessmanagement – ist die BW-Bank schon weiter als in der Qualifizierung des Mitarbeiterbestandes. Auch wenn diese rasch vorangetrieben wird, muss sich zeigen, ob im Arbeitsalltag genügend Zeit eingeräumt wird, um das Thema auf Beraterebene ausreichend zu durchdringen und sich fortlaufend fit zu halten. Davon wird abhängen, wann die Bank vom Gesellen im nachhaltigen Private Banking zum Meister in dieser Disziplin aufsteigt.

Hinweis: Das Rating «Nachhaltigkeit im Private Banking» der FUCHS | RICHTER Prüfinstanz wurde auf Basis einer Frageboge-Umfrage und diverser Markttest erstellt, die geschulte Tester durchgeführt haben. Das Rating bewertet insbesondere die Berücksichtigung und Umsetzung von Nachhaltigkeit im Gesamtunternehmen, die Mitarbeiterschulung, die Berücksichtigung und Umsetzung in der Kundenberatung sowie die Akzeptanz des individuellen Wertesystems des Kunden im Beratungsgespräch und Portfolio.

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