Neukundentest: Wie die Berliner Volksbank im Private Banking abschneidet
Was sich der Kunde wünscht
Im Februar 2025 sucht ein vermögender Privatkunde das Private Banking Center City der Berliner Volksbank auf, um das Angebot und die Beratungsqualität aus erster Hand zu erleben. Mit drei Millionen Euro liquiden Mitteln – davon 500.000 Euro als Spekulationsgeld – bringt er eine klare Erwartungshaltung an Individualität und Professionalität mit.
Die Kontaktaufnahme beginnt digital und unkompliziert: Bereits am 27. Januar fragt der Interessent per E-Mail einen Kennenlern-Termin an. Bereits zwei Tage später erfolgt der Rückruf eines Relationship Managers, der gezielt nachfragt, ob es sich um eine Firmen- oder Privatkundenanfrage handelt und einen Termin für das erste persönliche Gespräch anbietet. Dabei bittet er den Kunden auch um Vorlage eines Personalausweises zur Einhaltung der Datenschutz-Grundverordnung.
Strukturierte Vorbereitung und professionelle Gesprächsführung
Das Hauptgespräch findet schließlich am 28. Februar in den Räumen des Private Banking Centers statt. Zwei Berater – ein Relationship Manager als Generalist und ein Wertpapier-Manager als Spezialist – nehmen sich Zeit für eine umfassende Analyse der Vermögenssituation, inklusive Immobilienbesitz und Risikoneigung des Kunden. Sie erläutern detailliert ihre vier Anlagestrategien, präsentieren vergangenheitsbezogene Daten und nehmen eine sehr genaue Risikoabfrage vor.
Die Präsentation wirkt gut strukturiert, die Berater zeigen sich fachlich versiert und gehen individuell auf die Wünsche des Kunden ein – insbesondere auf dessen Risikoscheu sowie das separate Spekulationsdepot.
Stärken im Gespräch, Schwächen in der Transparenz
Während das Beratungsgespräch durch Professionalität und Empathie überzeugt, zeigt sich beim Anlagevorschlag eine große Schwäche: Der Kunde erhält das Konzept ausschließlich während des Meetings präsentiert – weder schriftlich noch digital wird es ihm zur Verfügung gestellt. Die Begründung lautet, man wolle keinen „Blick in den Maschinenraum“ geben.
Im Anlagevorschlag werden zwei Strategien angeboten: Zum einen eine reine Rentenstrategie für 1,5 Millionen Euro, zum anderen eine kombinierte Strategie aus Aktien-ETFs und Renten für eine Million Euro. Cashreserven sind eingeplant, Extrakonditionen werden versprochen – tatsächlich liegen die Kosten mit 0,7 Prozent deutlich unter dem Marktdurchschnitt.
Nachbetreuung – freundlich, aber nicht proaktiv
Nach dem Gespräch meldet sich der Relationship Manager noch zweimal telefonisch beim Kunden und erkundigt sich nach weiterem Informationsbedarf. Da kein weiterer Bedarf besteht, bleibt es bei diesen freundlichen Nachfragen.
Die Qualität der Beratung wird hoch bewertet: Die Berater punkten mit detaillierter Risikoanalyse und fundiertem Wissen im Wertpapierbereich, das Einfühlungsvermögen ist ausgeprägt, was sich besonders bei individuellen Fragen zur Risikoneigung zeigt.
Wer ist die Berliner Volksbank?
Die Berliner Volksbank eG zählt zu den größten Genossenschaftsbanken Deutschlands und betreibt ein eigenes Private Banking Center am Standort Kurfürstenstraße in Berlin. Als regionaler Anbieter richtet sie ihr Angebot gezielt an vermögende Privatkunden mit ganzheitlichem Beratungsansatz und setzt dabei auf persönliche Betreuung durch spezialisierte Experten. Mit einer Mischung aus genossenschaftlicher Tradition, lokaler Verankerung und professionellem Wealth Management nimmt die Bank eine wichtige Rolle auf dem Berliner Finanzmarkt ein.
Bedeutung für den Markt und globale Trends
Der Testfall verdeutlicht einen branchenweiten Trend im deutschen Private Banking: Kunden schätzen persönliche Ansprechpartner und individuelle Beratung auf Augenhöhe – fordern jedoch zugleich Transparenz und Nachvollziehbarkeit bei Anlagestrategien sowie schriftliche Dokumentation ihrer Vorschläge.
Zahlreiche Banken stehen heute vor dem Spagat zwischen effizienten Standardprozessen einerseits und echter Individualisierung andererseits. Während die Digitalisierung Abläufe erleichtert, erwarten anspruchsvolle Kunden weiterhin exklusive Lösungen und offene Kommunikation über Produkte sowie Kostenstrukturen. Die Entscheidung der Berater, den Anlagevorschlag nicht auszuhändigen, dürfte sowohl Compliance-Gründe als auch Schutz von Know-how reflektieren – läuft aber letztlich dem Bedürfnis nach Nachvollziehbarkeit entgegen.
Auswirkungen für den Markt
Auch etablierte Häuser wie die Berliner Volksbank müssen ihren Service konsequent weiterentwickeln, um im Wettbewerb um anspruchsvolle Mandate nicht ins Hintertreffen zu geraten. Der Grund: Der Druck zur Professionalisierung wächst weiter – ebenso wie die Erwartung nach vollständiger Transparenz im Beratungsprozess. Institute, die ihre Prozesse öffnen und schriftliche Dokumentationen liefern, werden künftig Vorteile im Wettbewerb haben. Der Testfall zeigt klar: Gelingt es einer Bank nicht, ihre Stärken auch in nachvollziehbaren Konzepten zu dokumentieren, droht langfristig ein Vertrauensverlust – trotz guter persönlicher Beratung.
Berliner Volksbank eG
Private Banking Center City
Kurfürstenstraße 87
10787 Berlin
Deutschland
Die Berliner Volksbank überzeugt im Test durch strukturierte Beratung, hohe Fachkompetenz und echtes Einfühlungsvermögen ihrer Berater. Dennoch bleibt ein entscheidender Makel bestehen: Der Anlagevorschlag wird nicht schriftlich ausgehändigt und zentrale Kennzahlen fehlen – was dem Anspruch anspruchsvoller Kunden nicht genügt. Wer Exzellenz sucht, erwartet heute Transparenz bis ins Detail. Daran müssen auch etablierte Häuser wie die Volksbank künftig stärker arbeiten.
Wichtiger Hinweis:
Diese Untersuchung wurde von qualifizierten und speziell geschulten Mitarbeitenden im Rahmen eines praxisnahen Mystery Shoppings durchgeführt. Grundlage waren realitätsnahe, sorgfältig konzipierte Kundenszenarien, die typische Anforderungen im Private Banking widerspiegeln.
Einordnung und Orientierung
Die Ergebnisse dienen der Einordnung und Orientierung: Sie geben potenziellen Kunden einen fundierten Eindruck davon, wie Banken in konkreten Beratungssituationen agieren – aus Kundensicht nachvollziehbar und vergleichbar aufbereitet. Ziel ist es, Transparenz zu schaffen und Entscheidungshilfen zu bieten.
Dabei handelt es sich nicht um eine Empfehlung zum Abschluss oder zur Ablehnung eines konkreten Angebots. Die Bewertungen beziehen sich ausschließlich auf die getesteten Gesprächssituationen und lassen keine Rückschlüsse auf das Gesamtangebot oder die generelle Leistungsfähigkeit eines Instituts zu.
Weiter informieren
Weitere Informationen finden Sie unter https://www.fuchsbriefe.de/fuchsrichter/private-banking/rating-news/