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Fuchsrichter Logo Bank Julius Bär Europe, TOPS 2021, Beratungsgespräch

Viele Infos und einige offene Fragen

Wie schlägt sich Julius Bär im Markttest Nachhaltigkeit? Copyright: Verlag Fuchsbriefe
Nach einigem Navigieren auf der Homepage von Julius Bär stößt der Kunde auf "Unternehmensnachhaltigkeit und verantwortliches Investieren". Und genau darum geht es ihm ja: "Unsere Tätigkeiten beruhen auf der verantwortungsvollen Führung unseres Unternehmens und der Angleichung unserer Produkte an unsere Werte sowie die Werte unserer Kunden." Interessiert ruft der Kunde in spe an. Er möchte erfahren, ob seine Werte mit denen der 1890 in Zürich gegründeten Privatbank in Einklang zu bringen sind.
19 Minuten dauert das telefonische Vorgespräch mit der Hamburger Niederlassung. Dabei erfährt der Kunde, dass im vereinbarten Beratungsgespräch zwei Berater zugegen sein werden, um sich nach dem Gespräch für einen der beiden Berater entscheiden zu können. Abschließend heißt es, der Kunde solle zum vereinbarten Termin Unterlagen zu seinen bestehenden Anlagen mitbringen.

Ein freundlicher Empfang, ein großes Beratungszimmer und viele Fragen

Die Bank liegt in bester Lage der Hamburger City. Die Niederlassung ist in der oberen Etage eines luxuriösen altehrwürdigen Gebäudes nahe der Binnenalster angesiedelt. Den Kunden erwartet ein freundlicher Empfang,  ein großes Beratungszimmer mit einem großen Tisch sowie auffallend viele Fragen.

Anliegen des Kunden:

  • Anlagevolumen: 1,1 Mio. Euro 
  • Anlagehorizont: mind. 10 Jahre
  • Risikobereitschaft: gering
  • Nachhaltigkeitsfokus: Tierschutz und Klimaschutz
  • Besonderheiten: 50% des aktuellen Anlagevolumens in CHF wegen früherer Berufstätigkeit in der Schweiz. Ablehnung strukturierter Produkte wegen mangelnder Transparenz.
Zunächst fühlt sich der Kunde aufgrund der vielen Fragenein wenig verunsichert. Andererseits aber weiß er das Interesse an seiner Person und seinen Bedürfnissen zu schätzen. Eine der Fragen lautet, was er denn von einem Vermögensverwalter erwarte. Diese Frage ist sinnvoll und zielführend: Der Kundenbetreuer bekommt zu hören, dass für den Kunden in spe die Nachhaltigkeitsexpertise der Bank an erster Stelle rangiere. 

Nachhaltigkeit ist für den Berater selbst (noch) kein Thema

Gesagt, getan: Gemeinsam gehen Berater und Kunde nun die detaillierte Nachhaltigkeitspräsentation von Julius Bär durch. Aktuell kommen für die Bank unter ESG-Kriterien 220 Unternehmen in Frage. Das sog. "Sutstainibility Team" ist für die nachhaltige Vermögensverwaltung verantwortlich. Es ist auf mehrere Standorte verteilt. Was das Thema Tierschutz betrifft – eines der zentralen Kundenanliegen –, so möchte sich der Berater nochmals beim Spezialisten erkundigen, inwieweit dies bei der nachhaltigen Anlagestrategie Berücksichtigung findet. Auch zur Datenquelle, auf welche das Bankhaus in Hinblick auf die ESG-Analysen zurückgreift, kann der Berater vorerst keine Auskunft geben. Angesichts dieser offenen Fragen bedauert der Kunde ein wenig, dass der Nachhaltigkeitsexperte nicht von Anfang an – und sei es per Zuschalten – am Beratungsgespräch beteiligt ist. 

Grundsätzlich aber ist das Gespräch aus Sicht des Kunden gut gelaufen. Schade nur, dass für den Berater Nachhaltigkeit (noch) kein Thema darstellt. Dies mindert für den Kunden ein wenig die Überzeugungskraft des hauseigenen Nachhaltigkeitsansatzes. Das nachhaltige Vermögensverwaltungsmandat ist mit einem Prozent jährlichen Kosten verbunden. 

Depot-Check, aber kein Anlagevorschlag

Zur Freude des Kunden organisiert der nachhaltig nicht ganz sattelfeste Kundenbetreuer im Nachgang ein Telefonat mit dem hauseigenen Nachhaltigkeitsexperten. Dieser kann alle Fragen zur Zufriedenheit des Kunden beantworten. Allerdings erfährt dieser dabei auch, dass seine Werte in puncto Tierschutz erst ab einem Anlagevolumen von 3 Mio. Euro berücksichtigt werden können. Aus diesem Grund bekommt der Kunde auch keinen Anlagevorschlag zugesandt. Die Frage, wie Julius Bär sein Geld nachhaltig angelegt hätte, bleibt also offen. Dafür wird sein bestehendes Depot einem Depot-Check unter Nachhaltigkeitsaspekten unterzogen. Das Ergebnis: Bis auf einen Fonds fallen sämtliche Portfoliopositionen durch das Nachhaltigkeitsraster. So weiß der Kunde nun immerhin, dass Handlungsbedarf besteht, wenn ihm von Julius Bär auch vorerst keine Lösung geboten wird.

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Preis-Leistungsverhältnis    

Kosten:

  • k.A.

Mindestanlagesumme:

  • Nachhaltige Vermögensverwaltung auf Einzeltitelbasis ab 3 Mio. Euro

Dienstleistungsportfolio

Kerngeschäftsfelder:

  • k.A.

Nachhaltigkeitsexpertise

  • seit 2006 Nachhaltigkeitsmandate
  • seit 2018 eigenes "Sustainibility Board"
  • Veröffentlichung von Corporate Sustainibility Reporte

Teilnahme am Performance-Projekt: Ja

Kontakt

  • Anschrift: Bank Julius Bär Europe AG, Neuer Wall 80, 20431 Hamburg, Deutschland
  • Internet:www.juliusbaer.com

Fazit: Dass "Nachhaltigkeit" bei der Schweizer Privatbank bereits ein wichtiges Thema darstellt, geht aus der Homepage überzeugend hervor. Weniger überzeugend in puncto Nachhaltigkeit ist jedoch das insgesamt gute Beratungsgespräch, da der Berater bei einigen Fragen "passen" muss. Im nachträglichen Telefonat mit dem Nachhaltigkeitsexperten erhält der Kunde zwar die gewünschten Antworten, erfährt aber auch, dass es für seine individuellen Wertvorstellungen keinen Anlagevorschlag gibt.

HINWEIS: Dieses Bankenporträt beruht auf den Eindrücken aus einem individuellen Erstberatungsgespräch, das ein zuvor geschulter Testkunde durchgeführt hat. Die wiedergegebenen Eindrücke wurden während des Gesprächs oder unmittelbar danach schriftlich protokolliert. Subjektive Wahrnehmungen lassen sich nicht ausschließen. Der Testkunde hat sich zur Neutralität gegenüber dem getesteten Institut verpflichtet. Die Bewertung wurde nach einem festen Schema vorgenommen, das die Private Banking Prüfinstanz. erstellt hat. Es beruht auf der jahrelangen – wissenschaftlich untermauerten – Beschäftigung mit dem Thema Beratungsqualität im Private Banking durch die Private Banking Prüfinstanz, Dr. Richter QF/QF und Ralf Vielhaber / Verlag Fuchsbriefe.

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