Breite Auswahl für Stiftungen
Unter den Teilnehmern, die ein Konzept eingereicht hatten, waren mit der Capitell Vermögens-Management AG, der Freiburger Vermögensmanagement GmbH, der Honoris Treuhand GmbH und der PRISMA Investment GmbH sowie dem VZ VermögensZentrum insgesamt fünf (16%) unabhängige Vermögensverwalter und unabhängige Berater. Die Freiburger Vermögensmanagement verfügt unter diesen nach eigenen Angaben über die längste Stiftungserfahrung (seit 1999) dicht gefolgt von der Capitell, die im Jahr 2000 in dieses Geschäftsfeld eingestiegen ist. Seit etwas mehr als zehn Jahren sind Honoris Treuhand GmbH (2009) und PRISMA Investment GmbH sowie das VZ (2011) auf dem Gebiet der Stiftungen unterwegs.
Die Capitell betreut mit 30 Stiftungen die höchste Anzahl unter den Vermögensverwaltern, gefolgt von der Prisma. Honoris mit lediglich sieben verfügt zahlenmäßig über die geringste Erfahrung auf diesem Gebiet. Das spiegelt sich nicht ganz im betreuten Volumen: Dies ist bei der Prisma mit 370 Mio. Euro am größten. Trotz der höheren Anzahl an Stiftungen sind es bei der Capitell „nur“ 110 Millionen, immerhin 3,6 Mio. je Stiftung, bei der Prisma bringt dagegen eine Stiftung im rechnerischen Durchschnitt satte 14,8 Mio. Euro auf die Vermögens Waage – das ist viel, auch gemessen am mittleren Volumen von Banken. Das VZ betreut relativ viele kleine Stiftungen. Die 21 an der Zahl bringen es auf ein Gesamtvolumen von 50 Mio., das sind rund 2,4 Mio. je Stiftung.
Experten schon lange Zeit im Haus beschäftigt
Wie viele Spezialisten bei der Prisma diese Vermögen betreuen, gibt sie nicht bekannt. Bei der Capitell sind es 6, beim VZ 2. Bei Honoris und Freiburger Vermögensmanagement ist der Stiftungsbereich in die „normale“ Vermögensverwaltung integriert, Spezialisten finden sich hier nicht. Durchschnittlich arbeiten die Mitarbeiter bereits sieben (Capitell) bis 13 Jahre (Honoris) bei ihren Arbeitgebern. Lediglich die Prisma unterhält auch eine eigene Stiftung.
Immer wieder Erstaunen rufen die Antworten auf unsere Frage nach der Nachhaltigkeitskompetenz hervor. Demnach ist diese regelmäßig schon seit Jahrzehnten verankert. So schreibt sich die Capitell „eine sehr hohe“ auf die Fahne, „gebündelt in einer eigenen Fachabteilung mit eigenem Nachhaltigkeitsansatz, welcher ausschließlich in Einzeltiteln umgesetzt wird“. Bemerkenswert.
Nachhaltigkeit in der Anlage wird schon lange „geübt“
Die Freiburger Vermögensmanagement hat schon im Jahr 2002 eine Richtlinie zu "Ethik und Werten" - (gemeinsam mit Stiftungen) entwickelt und angewendet. Dies wurde 2022 aktualisiert (Stufen: UN Global Compact, Ausschluss-Kriterien, Best in Class). Die Vermögensverwaltung sei aber noch nicht als nachhaltig im Sinne der EU-Taxonomie einzustufen. Insbesondere für Stiftungen berücksichtige man ESG/SDG/Impact-Gesichtspunkte in der Kapitalanlage bereits seit dem Jahr 2009. Das VZ hat sogar ein eigenes Nachhaltigkeitsrating entwickelt. Ein eigenes Team mit fünf Leuten der Schweizer Muttergesellschaft (VZ Schweiz) kümmert sich um das Segment.
In den Bereichen Steuern, Recht, etc. Arbeiten alle Vermögensverwalter mit spezialisierten externen Beratern meist fest zusammen. In München arbeitet beispielsweise das VZ mit dem Haus des Stiftens gGmbH zusammen. Das ist angemessen. Erfahrungen mit Stiftungsaufsichtsbehörden bestehen in der Regel regional beschränkt.
Privatbanken gar nicht so „privat“
Das Gros der Informationen kam erwartungsgemäß aus dem Sektor der Privatbanken, sie geben sich also gar nicht so „privat“. Hier antworteten transparent die Bankhaus Bauer AG, die zur ABN Amro-Gruppe gehörende Bethmann Bank AG, die Donner & Reuschel AG, Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank AG, HypoVereinsbank, LGT Bank AG, M.M. Warburg & CO KGaA, Merck Finck die zur luxemburgischen Quintet-Gruppe gehören, die ODDO BHF SE. sowie die Südwestbank AG.
Warburg: Mehr als ein Jahrhundert Stiftungserfahrung
Unter ihnen schreibt sich M.M. Warburg Stiftungskompetenz bereits seit dem Jahr 1898 zu. Damals sei bereits ein erster Vermögensstock für Zwecke angelegt worden, die mittlerweile von der Warburg-Melchior-Olearius-Stiftung verfolgt werden. Diese fördert Initiativen und Projekte im Bereich des öffentlichen Lebens sowie der Kultur und Denkmalpflege in Deutschland. Die Bethmann Bank sammelte erste Erfahrungen im Stiftungssektor 1956, Merck Finck 1969.
Das Bankhaus Bauer dagegen ist vergleichsweise „frisch“ in diesem Segment unterwegs: seit 2006. Mit rund 2000 betreuten Stiftungen und einem Vermögens Volumen von 3,8 Mrd. EUR ist die HypoVereinsbank das diesbezüglich führende Institut. 728 Stiftungen sind es bei Bethmann (2,5 Mrd.), 500 bei Warburg (1,5 Mrd. EUR). Die LGT als größtes Auslandsinstitut notiert 0 und bittet um Verständnis, dass man keine segmentspezifischen Zahlen veröffentliche.
Bis zu 17 Stiftungsspezialisten
Die Anzahl der Stiftungsspezialisten geht hinauf bis in den zweistelligen Bereich: 17 reklamiert die Bethmann Bank für sich, 15 sind es bei der HypoVereinsbank und M.M. Warburg sowie Oddo BHF, während die LGT und Hauck Aufhäuser Lampe nur von 5 sprechen, das Bankhaus Bauer von 3 auf Stiftungen spezialisierten Beratern bzw. Anlagemanagern.
Um sich fachlich fit zu halten und Wissen zu konservieren sind überall interne Zirkel sowie externe Austauschmöglichkeiten vorgesehen. Alle Spezialisten verfügen über längere Verweildauern in den jeweiligen Unternehmen von 7 Jahren im Minimum bei der Südwestbank. Bis zu 20 Jahren bei der HypoVereinsbank. Es handelt sich also regelmäßig um ebenso erfahrene wie in der Bank verwurzelte Berater.
Nachhaltigkeit auf dem Schirm
Das Thema Nachhaltigkeit haben nach eigener Aussage alle Banken seit längerem auf dem Schirm; der Praxistest zeigt jedoch, dass Nachhaltigkeit Einzug in die Breite der Organisation regelmäßig erst vor wenigen Jahren gefunden hat. Ausnahme ist hier die LGT, die über das stärkste und tiefste gelebte Know how verfügt. HAL und Bethmann haben ebenfalls hohe gelebte Expertise, Oddo BHF strukturierte Prozesse und Know how im Anlagemanagement, jedoch nicht den Individualitätsgrad wie bspw. Eine LGT. Auch die Banken können und wollen nicht auf Fachexpertise auf den Gebieten Steuern und recht (für Stiftungen) verzichten und unterhalten regelmäßige und feste Kontakte zu entsprechend spezialisierten Kanzleien.
Vor allem die in der Fläche bundesweit mit Niederlassungen tätigen Banken, insbesondere Bethmann, HAL, HypoVereinsbank, M.M. Warburg, Merck Finck, Oddo BHF, haben regelmäßig auch Kontakt zu den örtlichen Stiftungsbehörden, bei den übrigen auf lokaler Ebene. Die LGT als Auslandsbank muss hier passen. Bis auf Bankhaus Bauer, Donner & Reuschel sowie Südwestbankunterhalten alle genannten Banken eine eigene Stiftung.
Öffentlich ist nicht gern öffentlich
Lediglich drei Institute (10%), die Informationen preisgaben, sind dem öffentlichen Sektor zuzurechnen: die BW-Bank (Mutter: LBBW), die Hamburger Sparkasse AG sowie die Weberbank Actiengesellschaft, die zur Mittelbrandenburgischen Sparkasse gehört. Nichts zu erfahren war hingegen von der Kreissparkasse Köln, der Sparkasse KölnBonn sowie der Stadtsparkasse Düsseldorf.
Zugeknöpfte Genossen
Relativ zugeknöpft gaben sich auch die genossenschaftlichen Institute. Hier antworteten lediglich die Bank für Kirche und Caritas eG, die Berliner Volksbank eG und in Österreich die zur dortigen Raiffeisengruppe gehörende Kathrein Privatbank Aktiengesellschaft (ebenfalls 10% gemessen an der Anzahl der eingereichten Anlagekonzepte). Nichts an Zusatzinformationen zu erfahren war unter anderem von der DZ Privatbank, der KD-Bank-Stiftung, der GLS Gemeinschaftsbank eG oder der Bank im Bistum Essen eG.
Im Stiftungssegment ähnlich strukturiert wie Privatbanken
Beide Institutsgruppen unterscheiden sich strukturell nicht grundsätzlich von den Privatbanken. Doch von Bank zu Bank ist die Bandbreite auch hier groß. Die Expertise für die Betreuung von Stiftungen reklamiert die BW-Bank bereits seit 1984 für sich, die Kathrein Privatbank seit 1993, die Hamburger Sparkasse 1997, Weberbank, Bank für Kirche und Caritas und Berliner Volksbank dann im ersten Jahrzehnt des Jahrtausends in dieses Geschäfts Feld eingestiegen.
Deutliche Unterschiede zeigen sich auch bei der Zahl der betreuten Stiftungen: von 1.200 bei der BW Bank über 800 bei der HASPA bis zu lediglich 88 bei der Kathrein bzw. 20 bei der Berliner Volksbank. Das korrespondiert mit dem betreuten Anlagevolumen, das von 6,5 Mrd. Euro bei der BW-Bank oder 1,53 bei der Weberbank bis hinter zu 50 Mio. bei der Berliner Volksbank reicht. Keine Auskünfte dazu macht die BKC. Während die BW mit 8 Spezialisten ihre Stiftungen betreut, nennt die HASPA 22.
Wer ist „Stiftungsspezialist“?
Die Unterschiede mögen auch aus unterschiedlichen Definitionen des Begriffs Stiftungsspezialist rühren. So folgt die BW dem dualen Beratungsprinzip: Mit einem persönlichen Key Account Manager hat die Stiftung einen festen Ansprechpartner. Zugleich begleitet ein Stiftungsmanager alle stiftungsrelevanten Fragen. 4 Personen im Stiftungsmanagement, 4 Juristen und Estate Planner im Generationenmanagement, 7 Mitarbeiter bei der Haspa Hamburg Treuhandstiftung, 7 Mitarbeiter im Portfoliomanagement zählt wiederum die HASPA dazu. Im Team der Weberbank sind Volljuristen, Diplom-Kaufleute, Stiftungsmanager und CIIAs (Certified International Investment Analyst) beschäftigt. Die BKC verweist auf 3 designierte Stiftungsbeauftragte mit entsprechender fachlicher Schwerpunkttätigkeit. Weiterhin beraten und betreuen 5 Kundenbetreuer im institutionellen Bereich und 1 Berater im Privatkundenbereich Stiftungen. Im Bereich BKC Asset Management verwalten 4 der Portfoliomanager Vermögensverwaltungsmandate bzw. Spezialfondsmandate für Stiftungen. Alle sind durchweg seit vielen Jahren bei ihren Häusern beschäftigt.
BKC mit besonders hoher Nachhaltigkeitsexpertise
Eine besondere Expertise in Nachhaltigkeitsfragen sehen alle Banken im Haus verankert. Die BKC beweist dies in der Praxis jedoch am klarsten. Kein Wunder, sieht sich die Bank doch als eines der führenden Häuser im Bereich der ethisch-nachhaltigen Geldanlage. Man sei die erste Bank im deutschsprachigen Raum gewesen, welche die Eigenanlagen vollständig auf Nachhaltigkeit ausgerichtet hat (im Jahr 2000) und könne nahezu jedes individuelle Nachhaltigkeitsverständnis im Managementprozess umsetzen. Man verfüge über einzigartiges, profundes Wissen zu Wirkzusammenhängen zwischen einzelnen ESG-Faktoren und deren Einfluss auf das Rendite-Risiko-Verhalten eines Portfolios. Stiftungen begleitet die BKC auch auf dem Weg zum eigenen, individualisiert parametrisierten Nachhaltigkeitsfilter, in dem das Werteverständnis der Stiftung erhoben wird. Bis auf Berliner Volksbank und Kathrein bieten alle Treuhandstiftung mit eigener Treuhänderin an.
Fazit: Für eine Stiftung bietet sich eine große Bandbreite sehr unterschiedlich aufgestellter Partner. Die Erfahrungen in der Vermögens Betreuung von Stiftungen sind keineswegs gleich und auch nicht gleichwertig. Das kann jedoch in der Praxis durch Engagement ausgeglichen werden. Regelmäßig ist Stiftungsexpertise schon mindestens zwei Jahrzehnte verankert, meist sind auch die spezialisierten Mitarbeiter so lange bei den Häusern beschäftigt.
Lesen Sie weitere Berichte in den Rating-News der FUCHS|RICHTER Prüfinstanz zum Stiftungsmanagement