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Fuchsrichter Logo Stiftungsvermögen 2023: Die Frankfurter Bankgesellschaft (Deutschland) AG in der Ausschreibung

Der Vorschlag der Frankfurter Bankgesellschaft für die Wilhelm Weidemann Jugendstiftung hinterlässt Lücken

© Collage Verlage FUCHSBRIEFE, Grafik: envato elements
Die Frankfurter Bankgesellschaft bezeichnet sich als Privatbank der Sparkassen Finanzgruppe und ist außerordentliches Mitglied im Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV). Dieser Verbund, bestehend u.a. aus 359 Sparkassen, den Landesbanken und der DekaBank, steht auf äußerst soliden Füßen. Erst im Jahr 2022 bestätigte die Ratingagentur Fitch ihr Rating von „A+“. Mit dieser Macht im Rücken, sollte die Frankfurter Bankgesellschaft (FBG) ein ebenso solides Angebot auf den Weg bringen können.

In ihrem Anlagevorschlag punktet die Frankfurter Bankgesellschaft (FBG) mit vielen interessanten Erklärungen und Hintergrundinformationen. Sie erläutert zum Beispiel ausführlich, wo sie ihre Kernkompetenzen in Bezug auf Aktien- und Anleiheninvestments sieht und stellt ihre Asset Allokation dar. Die Ausarbeitung ist übersichtlich gegliedert, ansehnlich mit Fotos und Grafiken aufbereitet und leicht verständlich. Der Umfang von 42 Seiten erscheint angemessen. Und doch fehlt da einiges.

Die FBG lässt vor allem keine besondere Hinwendung zu den Stiftern und zum Stiftungsthema allgemein erkennen. Die Stifterwünsche werden in wenigen Stabstrichen aufgenommen und nicht vollständig wiedergegeben. Grundsatzpapier und EKD-Richtlinie spielen – bis auf einen Satz, in dem erklärt wird, dass der Balanced Sustainable-Fonds den Richtlinien entspreche  – keine Rolle. Die Ausschüttung wird ebenfalls nur in einem Nebensatz erwähnt, das Risikomanagement und der Vermögenserhalt werden gar nicht dargestellt. Das ist zu wenig.

Das wünschen sich die Stifter

  • Die Wilhelm Weidemann Jugendstiftung sucht für 2,7 Millionen Euro Stiftungskapital einen neuen Vermögensverwalter
  • Gefordert werden Erfahrungen im Vermögensmanagement für Stiftungen
  • Das Portfolio soll strategisch in bis zu 45 Prozent Aktien und 55 Prozent Anleihen aufgeteilt sein.
  • Zentrale Vorgaben sind der Erhalt des Stiftungsvermögens, die Begrenzung möglicher Vermögensverluste sowie darüber hinaus mindestens 50.000 Euro ordentliche Erträge nach Kosten p.a. zur Fortführung der Stiftungsarbeit.
  • Die Einhaltung der Vorgaben der staatlichen Stiftungsaufsicht des Landes Berlin zur Verwaltung des Stiftungsvermögens ist eine weitere Anforderung – der Anbieter soll zeigen, dass er diese kennt und umsetzt.
  • Die Wilhelm Weidemann Jugendstiftung wünscht außerdem die Einhaltung des Leitfadens der EKD zur Nachhaltigkeit von Vermögensanlagen und des Grundsatzpapiers „Nachhaltigkeit in der Wilhelm Weidemann Jugendstiftung“.

Strategie „ESG Ausgewogen“

Doch der Reihe nach. Die FBG macht einen Anlagevorschlag entsprechend ihrer Strategie „ESG Ausgewogen“. Es handelt sich also offenbar nicht um einen individuellen Vorschlag für die Stiftung. Demnach sollen 36,5 Prozent des Volumens in Aktien, 54,4 Prozent in Anleihen, 4,5 Prozent in Aktienanleihen und 4,6 prozent in Liquidität investiert werden.

Gezeigt wird zudem, in welche Währungen und Branchen investiert werden soll sowie das ESG-Rating der Anlageinstrumente. Das entspricht dem Wunsch der Stifter. Rechnet man den Posten Aktienanleihen in Höhe von 4,5 Prozent den Aktien zu, kommt man allerdings auf 49,5 Prozent Aktien, während die Anleihen unter 55 Prozent bleiben.

Stiftunsexpertise knapp dargestellt

Ihre Nachhaltigkeitsexpertise macht die FBG in einfachen Worten und Grafiken deutlich, so dass der Leser den Prozess des nachhaltigen Investierens gut nachvollziehen kann. Alle Einzeltitel und FBG-Fonds sollen demnach mindestens ein MSCI-Rating von A haben; alle Fonds, die Nachhaltigkeit in ihrem Titel tragen, sollen mindestens ein MSCI-Rating von AA haben.

Auf einer knappen Seite stellt die FBG dar, dass sie 290 gemeinnützige und kirchliche Anleger betreut, und welche Herausforderungen Stiftungen zu meistern haben – niedriges Zinsniveau und die Notwendigkeit, die Umschichtungsrücklage zu nutzen. Bei fast 300 Mandaten hätte man hier ein wenig mehr Information erwarten können.

Ausschüttungen stiefmütterlich behandelt

Mit der Darstellung ihrer Stiftungsexpertise knausert die FBG insgesamt, obwohl sie das wahrscheinlich gar nicht nötig hat. Und auch im Anlagevorschlag selbst lässt sie nicht gerade überschwänglich erkennen, dass sie sich sehr um die Belange der Stiftung sorgt. Sie macht einen Vorschlag, der auch für andere an Nachhaltigkeit interessierte Kunden passen würde, kurz: der wie ein Vorschlag “von der Stange” daherkommt.

Auch ein anderer dringender Wunsch der Stifter – die Ausschüttungen – wird ziemlich stiefmütterlich behandelt. Die FBG erwähnt an einer Stelle am Rande, dass nur mit den Neuemissionen von Anleihen in den kommenden Monaten die Erwirtschaftung ordentlicher Erträge von mindestens 50.000 Euro nach Kosten gegeben sein sollte. Das ist  vage. Eine Ausschüttungsplanung ist überhaupt nicht zu finden.

Günstige Kosten

Die Wertentwicklung der Strategie „Ausgewogen“ in den Jahren 2004 bis heute stellt die FBG in einer Grafik dar. Die        E ntwicklung betrug demnach 96,2 Prozent bzw. 3,7 Prozent p.a. Es gibt allerdings keinerlei weiterführende Erklärungen. So “nackt” kann der Leser damit nicht viel anfangen.

Die FBG beziffert ihre All-in-Kosten mit 0,833 Prozent p.a. inkl. Mehrwertsteuer. Das ist vergleichsweise günstig. Fremde Spesen, Stempel- und Finanztransaktionssteuern etc. werden allerdings separat verrechnet. Zuwendungen von Drittanbietern werden Mandanten gutgeschrieben.

Services im Rahmen der Stiftungseinrichtung
Unterstützung
... während des Anerkennungsverfahrens bei Behörden
... bei der Auswahl des Stiftungszweckes
... bei der Konzeption einer Stiftungslösung
... bei der Ausarbeitung einer Stiftungssatzung
mit den Mitarbeitern der Bank. Bei komplexeren Fragestellungen und Nachfolgegestaltungen werden auch externe Spezialisten, Fachjuristen und Steuerberater hinzugezogen.
Begleitung von der Idee bis zur Anerkennung der Stiftung.
Services im Rahmen der Stiftungsbetreuung
Unterstützung
...bei der Koordinierung von Bankverbindungen
...beim Fundraising
...bei Strategiegesprächen
... Unterstützung bei Änderungen im Stiftungs- und Steuerrecht
mit den Mitarbeitern der Bank.
Koordinierung und Konsolidierung von Bankverbindungen bei größeren Mandaten auch über das Family Office der Gruppe. Fundraising über externe Anbieter.
Services im Rahmen der Stiftungsverwaltung
Unterstützung bei
... Rechnungslegung
... Jahresabschluss
... Förderverwaltung
Modulares Angebot, auch über externe Anbieter.
Mitarbeit in Stiftungsgremien
Die Bank arbeitet in Stiftungsgremien mit, allerdings nur in Ausnahmefällen, da dies zu interessenkonfliktträchtig ist. In diesen Fällen wird die Stiftung durch einen anderen Bankmitarbeiter betreut. Im Falle einer Vermögensverwaltung durch die Bank enthält sich das Gremienmitglied bei allen die Bank betreffenden Themen der Stimme.
Unterstützung der Geschäftsführung der Stiftung
Die Bank unterstützt die Geschäftsführung von Stiftungen überwiegend durch Angebote externer Kooperationspartner, wie Übernahme der Buchhaltung oder die Betreuung einer Fundraising-Kampagne.
Angebot von Treuhandstiftungen
Die Bank bietet Treuhandstiftungen mit einer externen Treuhänderin an. Dabei arbeitet sie seit Jahren mit einem auf Stiftungen spezialisierten, ebenfalls bundesweit tätigen Partner zusammen.
Weitere Services für Stiftungen
Stifter
- gesamte Vermögensnachfolgeplanung unter Einbindung von Stiftungslösungen, insbesondere auch für Unternehmer
Stiftungen
- Interimsmanagement bzw. Veränderungsmanagement zur Umsetzung neuer Strategien, Strukturen, Prozesse, z.B. in Stiftungen mit Nachfolgeproblemen in Gremien; zur (Re-)Aktivierung der operativen Tätigkeit etc.; zum Teil in Zusammenarbeit mit externen Partnern
Seit wann verfügt Ihr Haus über Stiftungskompetenz?
Seit 1995 bietet die Bank Vermögensverwaltung für Stiftungen an, seit 2003 offeriert sie ein umfassendes Angebot zum Stiftungsmanagement - von der Begleitung potenzieller Stifter über Angebote zur Stiftungsverwaltung bis zur Vermögensverwaltung für Stiftungen.
Wie viele fremde Stiftungen betreuen Sie?
Ende 2018 wurden gut 200 Stiftungen und stiftungsähnliche Gestaltungen betreut und dabei 450 Millionen Stiftungsvermögen betreut. Das Kundenspektrum ist breit und reicht von den kleinen lebzeitigen Anstiftungen unserer Privatkunden bis zu zweistelligen Millionenmandaten.
Haben Sie eine eigene Stiftung?
Nein.
Mit welchen Stiftungsaufsichtsbehörden hatten Sie bereits zu tun und kennen deren ggf. spezifische Anforderungen?
Aufgrund ihrer bundesweiten Tätigkeit hatte die Bank im Laufe der Jahre mit Aufsichtsbehörden in nahezu allen Bundesländern zu tun. Aufgrund ihrer Historie liegen regionale Schwerpunkte vor allem in Hessen, Thüringen, Nordrhein-Westfalen und Bayern.
In welchen Niederlassungen haben Sie Ansprechpartner mit Stiftungskompetenz?
In Frankfurt und Düsseldorf. Die Betreuung durch Mitarbeiter der Frankfurter Bankgesellschaft erfolgt bundesweit, in der Regel vor Ort in Zusammenarbeit mit der kundenzuführenden Sparkasse.

Das Angebot der Frankfurter Bankgesellschaft (Deutschland) AGin der Schnellübersicht

Cash Anteil im Portfolio: 4,6 Prozent

Aktienanteil im Portfolio: 36,5 Prozent

Rentenanteil im Portfolio: 54,4 Prozent

Anteil Sonstige Anlagen im Portfolio: 4,5 Aktienanleihen

Erwartete Bruttorendite: 3,62 Prozent

Inflationserwartung: 4 Prozent für 2023; danach im Durchschnitt 2 Prozent

Gebühren (Gesamtkosten) inkl. MwSt.: 0,833 Prozent p.a.

Erwartete Netto-Rendite (nach Inflation und Kosten): keine Angabe

Erwartete ordentliche Erträge: 50.000 Euro; keine exakten Angaben

Highlights: keine

Adresse

Frankfurter Bankgesellschaft (Deutschland) AG

Junghofstraße 26

60311 Frankfurt am Main

Tel: 069/15686-0

Mail: service@frankfurter-bankgesellschaft.de

www.frankfurter-bankgesellschaft.com


Der Leser hat den Eindruck, dass die FBG die Ausschreibung nicht konzentriert gelesen hat und dadurch wichtige Punkte außer Acht lässt. Anders kann er sich nicht erklären, warum ein ansonsten nicht schlechter Vorschlag solche Lücken aufweist. Das ist schade.

Zur Teilnahme am Endausscheid reicht es aus den genannten Gründen daher leider nicht.

Lesen Sie weitere Berichte in den Rating-News der FUCHS|RICHTER Prüfinstanz zum Stiftungsmanagement

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