Die BiB ist kein Zug, auf den die Stiftung aufspringen will
Die Überschrift des Anlagevorschlags der BiB für die Stiftung Fliege mit dem Titel „Strategische Zusammenarbeit Stiftung Fliege & Bank im Bistum Esse eG“ lässt auf Verständnis für die Stifter schließen, denen es tatsächlich um eine längerfristige Kooperation geht. Ein mit 17 Seiten kurzes, gut gegliedertes und übersichtliches Werk weckt die Erwartung, dass die Bank die Wünsche der Stifter prägnant aufgreift und Ideen anbietet. Aber was wünschen sich die Stifter eigentlich?
Das wünschen sich die Stifter
- Die Stiftung Fliege sucht für 2,5 Millionen Euro Stiftungskapital – das 2024 auf 3 Millionen aufgestockt wird – einen neuen Vermögensverwalter.
- Gefordert werden Erfahrungen im Vermögensmanagement für Stiftungen
- Das Portfolio soll strategisch in bis zu 40 Prozent Aktien und 60 Prozent Anleihen aufgeteilt sein.
- Zentrale Vorgaben sind der reale Erhalt des Stiftungsvermögens auf mindestens fünf Jahre , die Begrenzung möglicher Vermögensverluste sowie mindestens 60.000 Euro ordentliche Erträge p.a. zur Fortführung der Stiftungsarbeit.
- Die Wertentwicklung des Anlagevorschlags von 2018 bis heute soll unter Angabe der wichtigsten Parameter simuliert werden.
- Schließlich sollen Risikomanagement- und Kostenmodell dargestellt werden.
Kein Anlagevorschlag
Ihre Erfahrungen im Vermögensmanagement für Stiftungen legt die BiB ausführlich dar. Der Leser erfährt, dass die Bank derzeit etwa 280 selbständige und unselbständige Stiftungen durch speziell ausgebildete Stiftungsberater betreut. Sie legt ihre Dienstleistungen dar und lässt erkennen, dass sie die Vorgaben der staatlichen Stiftungsaufsicht einhält.
Dann allerdings bricht die Offerte im Wortsinn ein. Einen Anlagevorschlag, der diesen Namen verdient, sucht der Leser in dem mit 17 Seiten schmalen Werk vergebens. Zwar schlägt die Bank ein Portfolio aus 40 Prozent Aktien und 60 Prozent Anleihen vor – wie von der Stiftung gefordert –, aber sie geht mit keinem Wort weiter darauf ein. Das kann nicht als Vorschlag gewertet werden: keine Einzeltitel oder Fonds, keine Branchen- oder Währungsverteilung, keine weitere Erklärung.
Wie soll die Ausschüttung gewährleistet werden?
Der „Vorschlag“ prognostiziert 42.000 Euro Ausschüttungen aus den 40 Prozent Aktien (3,5 Prozent Rendite) und 68.400 aus 60 Prozent Renten (3,8 Prozent Rendite). Zusammen sind das 110.400 und damit weit mehr als verlangt. Wie diese Größenordnungen zustande kommen und ob damit der reale Vermögenserhalt wie gewünscht garantiert ist, bleibt das Geheimnis der Bank. Zumal die Inflationsannahme mit 1,5 Prozent mehr als kühn ist.
Anders als den eigentlichen Vorschlag stellt die BiB ihre Vergütung relativ deutlich dar – ein Schelm, wer Böses dabei dankt. Sie will günstige 0,65 Prozent All-in-fee inkl. MwSt. haben. Da aber nicht klar wird, worin ihre Dienstleistung eigentlich besteht bzw. wie sie das Kapital der Stiftung konkret anlegen will, kann das Preis-Leistungsverhältnis nicht abschließend bewertet werden.
Zwei verschiedene Rendite-Erwartungen
Die erwartete Rendite des Portfolios, das wie erwähnt eigentlich nicht vorhanden ist, soll 4,68 Prozent betragen. Merkwürdig, dass zwei Seiten im Vorschlag weiter plötzlich 6 Prozent postuliert werden. Ja, was denn nun? Der Leser ist irritiert, nicht nur davon. Die Bank liefert eine Simulation der Portfolioentwicklung gemäß Anlagevorschlag und greift dabei auf eine Benchmark aus MSCI World Net Return EUR (20%), Stoxx Europe 600 (20%) und Rex Performance Index (60%) zurück. Demnach hat sich das Portfolio seit 2020 deutlich besser entwickelt als der Vergleichsmaßstab.
Wenige Hilfestellungen
Das Risikomanagementmodell legt die BiB hinreichend ausführlich und einigermaßen verständlich dar. Was allerdings der Satz „Es ist empirisch belegt, dass „time in the market“ besser ist als „timing the market“ bedeutet, erschließt sich dem Leser nicht. Hier wäre eine Erklärung hilfreich gewesen.
Weitere Hilfestellungen auf seinen Weg zu einem neuen Vermögensverwalter sucht der Leser vergebens. Ob das bestehende Portfolio der Stiftung weiter genutzt werden kann, wie die Ausschüttungen der kommenden Jahre aussehen werden und wie eine Anlagerichtlinie aussehen könnte – alles Fehlanzeige. Die Kerninteressen der Stiftung sind offenbar vom Anbieter nicht verstanden worden. Das ist alles in allem kein Zug, auf den man als Stiftung gern aufspringen möchte.
Adresse
Bank im Bistum Essen eG
Gildehofstraße 2
45127 Essen
Tel. 0201/2209-420
Email: dietmar.kuehlmann@bibessen.de
www.bibessen.de
Die Bank im Bistum Essen hat einige gute Ansätze, bleibt aber im Ganzen hinter den Erwartungen der Stiftung Fliege zurück. Diese hat nicht den Eindruck, dass ihre Anliegen wirklich verstanden werden. Vor allem beklagt sie, dass es kein wirkliches Portfolio für die Verwaltung ihrer drei Millionen Euro Stiftungskapital gibt.
Man kann es drehen und wenden wie man will: Die Bank im Bistum Essen ist mit dieser Leistung eindeutig nicht im Endausscheid.
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