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Fuchsrichter Logo Die Frankfurter Bankgesellschaft (Deutschland) AG in der Ausschreibung

Die Frankfurter Bankgesellschaft vergibt Chancen

Thumb Stiftungsvermögen 2024. © Collage: Redaktion Fuchsbriefe, envato elements
Wenn es einen Wettbewerb um die ausführlichste und empathischste Ansprache der Stiftung Fliege durch einen Anbieter geben würde, hätte die Frankfurter Bankgesellschaft (FBG) Chancen auf den ersten Platz. Sie drückt nicht nur ihre Freunde über die Anfrage aus, sondern stellt zugleich eine Reihe von Fragen, die zeigen, dass sie sich im Vorfeld intensiv mit dem Angebot auseinandergesetzt hat. Das hat Seltenheitswert und weckt die Hoffnung bei den Stiftern, dass sie hier einen Volltreffer landen.

Leider startet die FBG mit einer überlangen Vorstellung des eigenen Hauses im Umfang von rund 25 Seiten. Das ist ermüdend und lenkt von dem Anliegen der Stiftung ab. Wer hier als Leser schon kapituliert und sich lieber auf einen anderen Vorschlag konzentriert, in dem vorrangig die Stiftung eine Rolle spielt und nicht die Bank, bekommt das durchaus Lesenswerte auf den restlichen Seiten unter Umständen gar nicht mehr mit. Der Anlagevorschlag startet mit einem Inhaltsverzeichnis, das auf die betreffenden Seiten verweist. Das ist nicht immer gegeben und daher hervorhebenswert. Die Seiten sind nicht überfrachtet, sondern lesefreundlich gestaltet. An dieser Stelle kommen die Anforderungen der Stifter zum Tragen.

Das wünschen sich die Stifter

  • Die Stiftung Fliege sucht für 2,5 Millionen Euro Stiftungskapital – das 2024 auf 3 Millionen aufgestockt wird – einen neuen Vermögensverwalter.
  • Gefordert werden Erfahrungen im Vermögensmanagement für Stiftungen
  • Das Portfolio soll strategisch in bis zu 40 Prozent Aktien und 60 Prozent Anleihen aufgeteilt sein.
  • Zentrale Vorgaben sind der reale Erhalt des Stiftungsvermögens auf mindestens fünf Jahre , die Begrenzung möglicher Vermögensverluste sowie mindestens 60.000 Euro ordentliche Erträge p.a. zur Fortführung der Stiftungsarbeit.
  • Die Wertentwicklung des Anlagevorschlags von 2018 bis heute soll unter Angabe der wichtigsten Parameter simuliert werden.
  • Schließlich sollen Risikomanagement- und Kostenmodell dargestellt werden.

Kein konkretes Portfolio für die Stiftung

Die eine Seite mit Informationen zur Stiftungskompetenz der Bank – hübsch mit  Bäumen dekoriert – geht im Wust der Informationen fast unter. Obwohl dies doch eine wichtige Anforderung der Stiftung ist. Damit ist die Liste der Enttäuschungen noch nicht zu Ende.

Die Bankgesellschaft übermittelt der Stiftung leidglich ein „Portfoliobeispiel“, also kein konkret für die Stiftung entwickeltes Portfolio. Vorgesehen sind 33,6 Prozent Aktien, 60,9 Prozent Anleihen, 4,5 Prozent Aktienanleihen und 1 Prozent Liquidität. Eine Aufteilung nach Währungen und Branchen ist vorhanden, ebenso ein ESG-Rating. Warum man zu dieser Aufteilung greift, wird indes nicht erklärt.

Ausschüttung ist gesichert

Aus der Prognose der Ausschüttungen – es werden 3,09 Prozent Erträge vor Kosten und Steuern erwartet – sowie der Prognose der Performance in Höhe von 4,80 Prozent vor Kosten und Steuern könnte abgeleitet werden, dass trotz Entnahme von 60.000 Euro für Stiftungszwecke das Vermögen erhalten bleibt. Gesagt wird es indes nicht. Auch darüber will die Stiftung aber ausdrücklich Auskunft erhalten.

Die FBG analysiert das bestehende Depot und beurteilt, welche Anlagen beibehalten bzw ins neue Portfolio. integriert werden können, bei welchen Absprachen nötig sind und bei welchen derzeit keine Integration möglich erscheint. Das ist gut gelöst und nur wenige Wettbewerber machen sich den Aufwand

Vorschlag bleibt im Allgemeinen

Die Ausschüttungen sind offenbar gesichert. Es heißt dazu: „Die Prognose des Portfoliobeispiels zeigt, dass ordentliche Erträge erwirtschaften werden könnten, so dass eine Entnahme von min. 60 TEUR p.a. möglich wäre." Sehr schwammig, ob nach oder vor Kosten wird nicht ausdrücklich erwähnt, muss aber eigentlich nach Kosten erfolgen. Ausführlich stellt die FBG ihr Kostenmodell vor. Sie bietet eine Pauschale in Höhe von brutto 0,714 Prozent p.a. und erklärt kurz, was die Kosten beinhalten. Zudem wird ein extra Kostenausweis zugesandt.

Im Vergleich zum Gesamtumfang des Vorschlags nimmt das Portfolio eine untergeordnete Stellung ein und verbleibt sehr im Allgemeinen. Es wird ja auch nur als „Portfoliobeispiel“ bezeichnet, ist also offenbar nicht individuell auf die Bedürfnisse der Stiftung ausgerichtet. Zwar werden die Aufteilungen in Währungen, Branchen und Ratings grafisch erklärt. Aber der Leser ist sich sicher, dass dies nicht für ihn entwickelt wird, sondern halt nur das ist, als was es auch bezeichnet wird: ein Beispiel.

Nachhaltigkeit gut dargestellt

Im Zuge der sehr umfangreichen Vorstellung der Bank zu Beginn des Anlagevorschlags geht die FBG auch auf ihren Nachhaltigkeitsansatz ein. Allerdings nur in Form einer Grafik, die nicht viel aussagt, später dann auch etwas ausführlicher unter der Überschrift „Systematische Berücksichtigung von Nachhaltigkeitschancen und -risiken auf Basis von ESG-Faktoren / ESG-Ratings bei der Selektion der Emittenten und Wertpapiere. Im „Portfoliobeispiel“ listet die Bank das Nachhaltigkeits-Rating nach MSCI auf, so dass sich der Leser ein ungefähres Bild machen kann. Die Bank macht auf zwei Seiten die Wertentwicklung des beispielhaften Portfolios seit 2018 deutlich – so weit, so gut – und zeigt, dass sie nicht immer die Benchmark schlagen konnte. Das betrifft vor allem Krisenzeiten wie 2018 und 2022.


Risikomanagement ausführlich beschrieben

Ihrem Risikomodell widmet die FBG einen breiten Raum. Sie erklärt grafisch gut aufbereitet ihr Vorgehen auf verschiedenen Ebenen. Das ist besser, als es die meisten anderen Anbieter getan haben, erfordert aber auch Geduld vom Leser, alles zu erfassen. Die ausführliche Darlegung der Anlageprozesse für Aktien und Anleihen sowie die ebenso ausführliche Erklärung des Risikomanagementprozesses lässt die Erwartung entstehen, dass alles für den Erhalt des Vermögens getan wird.

Die größte Schwäche des Vorschlags ist das Missverhältnis zwischen sehr ausführlicher Selbstdarstellung der Bank und einem vergleichsweise geringen Eingehen auf die Stiftung. Zwar kündigt man an, dass man alles bei der weiteren Stiftungsbegleitung klären könne. Aber um eine Vorauswahl treffen zu können, muss sich die Stiftung auf das erste Angebot einlassen – und das ist bei einigen Mitbewerbern deutlich besser.

Adresse

Frankfurter Bankgesellschaft (Deutschland) AG
Junghofstr. 24 
60311 Frankfurt am Main 
Tel. 069/299 9276 822
Email: norman.traeger@familyoffice-fbg.com 
www.frankfurter-bankgesellschaft.de

Schade, dass die FBG sich nicht die Mühe gemacht hat, noch konkreter auf die Wünsche der Stiftung einzugehen. Warum die Bank ihr „Beispielportfolio“ auswählt, wird ebenso wenig erkennbar wie die Chancen, auch künftig genug Geld für die Erfüllung des Stiftungszwecks zur Verfügung zu haben. Diese Lücken füllen auch hübsche Grafiken nicht. Hier wäre mehr drin gewesen.

Eine Teilnahme am Endausscheid ist damit in diesem Jahr nicht möglich

Lesen Sie weitere Berichte in den Rating-News der FUCHS|RICHTER Prüfinstanz zum Stiftungsmanagement.

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