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Fuchsrichter Logo Stiftungsvermögen 2023: Die LGT Bank AG in der Ausschreibung

Die LGT liefert für die Wilhelm Weidemann Jugendstiftung ein wahrhaft fürstliches Angebot mit kleinen Schönheitsfehlern ab

© Collage Verlage FUCHSBRIEFE, Grafik: envato elements
„Bei ihren unternehmerischen Aktivitäten haben sich die Fürsten von Liechtenstein schon seit Generationen von klassischen Tugenden und Werten wie Verlässlichkeit, Respekt, Integrität und langfristigem Denken und Handeln leiten lassen.“ Das geht ´runter wie Öl, wenn man sich wie die Wilhelm Weidemann Jugendstiftung genau diesen Werten verpflichtet fühlt. Was das mit der Neu-Ausschreibung des Stiftungskapitals zu tun hat? Die LGT befindet sich seit gut 90 Jahren im Privatbesitz der Fürstenfamilie…

Die LGT Bank tauscht mit der Wilhelm Weidemann Jugendstiftung im Vorfeld des eigentlichen Vorschlags die üblichen Höflichkeiten aus und bietet einen vertiefenden Dialog an. Positiv kann erwähnt werden, dass die Bank überdies bereits zu diesem Zeitpunkt Stellung zu wichtigen Fragen wie EKD-Leitfaden und mögliche Renditen Stellung bezieht. Ferner kündigt sie Änderungsvorschläge für Satzung und Anlagerichtlinie an. Das ist mehr, als die meisten anderen Anbieter vorab leisten und legt die Vermutung nahe, dass es auch mit dem Vorschlag klappt.

Und dieser bringt den Stiftern denn auch viel Freude. Die LGT liefert ein dezentes, gut gegliedertes Werk ab, das mit einer ausführlichen Inhaltsübersicht startet und unter anderem durch immer wiederkehrende Bildmotive, große Ziffern und Überschriften sowie Zusammenfassungen für gute Lesbarkeit sorgt. Das gesamte Konzept ist in einfachen Worten und Sätzen verfasst, mit schlichten Grafiken versehen, deren Sinn sich ohne Probleme aus dem Text erschließt     . Wo immer es geht, wird auf Fachtermini verzichtet und wenn nicht, gibt es zumeist Erklärungen.

Was wünschen sich die Stifter?

  • Die Wilhelm Weidemann Jugendstiftung sucht für 2,7 Millionen Euro Stiftungskapital einen neuen Vermögensverwalter
  • Gefordert werden Erfahrungen im Vermögensmanagement für Stiftungen
  • Das Portfolio soll strategisch in bis zu 45 Prozent Aktien und 55 Prozent Anleihen aufgeteilt sein.
  • Zentrale Vorgaben sind der Erhalt des Stiftungsvermögens, die Begrenzung möglicher Vermögensverluste sowie darüber hinaus mindestens 50.000 Euro ordentliche Erträge nach Kosten p.a. zur Fortführung der Stiftungsarbeit.
  • Die Einhaltung der Vorgaben der staatlichen Stiftungsaufsicht des Landes Berlin zur Verwaltung des Stiftungsvermögens ist eine weitere Anforderung – der Anbieter soll zeigen, dass er diese kennt und umsetzt.
  • Die Wilhelm Weidemann Jugendstiftung wünscht außerdem die Einhaltung des Leitfadens der EKD zur Nachhaltigkeit von Vermögensanlagen und des Grundsatzpapiers „Nachhaltigkeit in der Wilhelm Weidemann Jugendstiftung“.

Nicht individuell, aber Wünsche werden respektiert

LGT serviert den Stiftern ihre hauseigene Vermögensverwaltung „Mandat Focus Nachhaltigkeit“, also kein ausdrücklich auf die Stifter zugeschnittenes Portfolio. Es wird jedoch um die Wünsche der Stifter ergänzt, auf die das Konzept zum Teil recht ausführlich eingeht.

Die Aufteilung soll in 1,5 Prozent Liquidität, 53,5 Prozent Anleihen und 45 Prozent Aktien erfolgen. Die Details zu den Investments in Aktien und Anleihen schildert die Bank angemessen ausführlich, einschließlich der Verteilung auf Regionen, Sektoren und Währungen.

Risikomodell wird einfach erklärt

Der Vorschlag geht ausführlich auf das Thema Vermögenserhalt bzw. Begrenzung von Verlusten ein. Zum einen durch die breite Diversifizierung des Portfolios, zum anderen durch die ausführliche Beschäftigung mit den Themen Ausschüttung und Kapitalerhalt. Unter der Überschrift „Risikomanagement - die Überwachung unseres Anlageprozesses“ erklärt die LGT sehr einfach, verständlich und übersichtlich, wie sie die eigenen Prozesse überwacht. Vielleicht wären noch ein paar zusätzliche Informationen hilfreich gewesen.

Die historischen Daten von 2017 bis in die Gegenwart ergeben eine jährliche Rendite von 4,38 Prozent p.a. und total von 27,53 Prozent. Die Sharp Ratio der letzten drei Jahre beträgt 0,51. LGT stellt die Daten anhand einer einfachen Grafik verständlich dar.

Stiftungsexpertise zeigt sich überall

LGT verdeutlicht mit dem Vorschlag durchgehend Stiftungsexpertise und Verständnis für die Probleme von Stiftungen. Das zeigt sich unter anderem in der eingehenden Beschäftigung mit dem Thema Kapitalerhalt, die der Leser in dieser Ausführlichkeit in kaum in einem der anderen Vorschläge gefunden hat.

Zudem bietet die Bank von sich aus Ideen zu den Themen Stiftungssatzung und Anlagerichtlinie an. Schade, dass sie nicht noch ihre weitergehenden Dienstleistungen für Stiftungen darstellt. Das hätte die Sache komplettiert. Allerdings ist die Bank hier sehr zurückhaltend, um mögliche Interessenkonflikte zu vermeiden, wie sie angibt.

Nachhaltigkeit gut dargestellt

Das Thema Nachhaltigkeit greift LGT sowohl bei der Kurzdarstellung des Anlageprozesses als auch im Anhang auf. Dort stellt die Bank das Sustainability Rating vor, zeigt wichtige Ausschlüsse auf und erklärt, wie die 17 UN-Ziele in den nachhaltigen Portfolios angewandt werden (SDG Impact Analyse) und wie der ökologische Fußabdruck von Unternehmen analysiert wird.

Mit einem extra mitgelieferten Dokument zur Nachhaltigkeit und dem Nachhaltigkeitsbericht von 2021 komplettiert sie die Aussagen zu dem Thema

Ausschüttungshöhe wird nicht erreicht

Einziger Wermutstropfen in dem ansonsten fast perfekten Angebot: Die Erwirtschaftung von 50.000 Euro nach Kosten bei gleichzeitigem realen Kapitalerhalt kann die Bank nicht garantieren, leitet dies aber sehr ausführlich und nachvollziehbar her.

Wörtlich heißt es: “Mit der erwarteten Brutto-Rendite in Höhe von 3.96% p.a. erachten wir die Erzielung eines realen Kapitalerhalts, der auch die jährliche Mittelverwendung von mindestens EUR 50.000 für die Stiftungszwecke berücksichtigt, mit hoher Wahrscheinlichkeit als nicht realistisch. Wir weisen ordentliche Erträge in Höhe von EUR 55.890 vor Kosten aus.“ Die Kosten betragen 20.250 Euro p.a., so dass eine Ausschüttung in Höhe von 35.640 Euro p.a. übrig bleibt. Das ist bitter für die Stifter, zeigt aber Verantwortung und schmälert daher die Gesamtleistung nur marginal.

Kostenmodell klar erklärt

Die Kosten der Vermögensverwaltung sollen pauschal 0,75 Prozent p.a. plus Mehrwertsteuer betragen, also rund 0,89 Prozent p.a., was unter dem Marktmittel liegt und angesichts der Leistungen geradezu ein Schnäppchen im besten Sinne ist.

Erklärend heißt es: „Bitte beachten Sie, dass die LGT Bank AG bei Erwerb von Anlageprodukten in der Vermögensverwaltung Anlageprodukte bevorzugt, für welche keine Rückvergütungen (Retrozessionen) entrichtet werden. Falls dennoch Vergütungen im Rahmen der Vermögensverwaltung anfallen, werden diese dem Bankkunden weitergeleitet.“ Sehr gut

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Das Angebot der LGT Bank AGin der Schnellübersicht

Cash Anteil im Portfolio: 1,50 Prozent

Aktienanteil im Portfolio: 45,00 Prozent

Rentenanteil im Portfolio: 53,50 Prozent

Anteil Sonstige Anlagen im Portfolio: 0 Prozent

Erwartete Bruttorendite: 3,96 Prozent p.a.

Inflationserwartung: 3,2 Prozent pro Jahr im Schnitt

Gebühren (Gesamtkosten) inkl. MwSt.: 0,89 Prozent p.a.

Erwartete Netto-Rendite (nach Inflation und Kosten): keine Angabe

Erwartete ordentliche Erträge: 55.890 Euro p.a. vor Kosten

Highlights: LGT bietet von sich aus Hinweise zu Satzung und Anlagerichtlinie der Stiftung an. Ein Fazit fasst kurz die

wichtigsten Ergebnisse des Anlagevorschlags zusammen.

Adresse

LGT Bank AG

Herrengasse 12

9490 Vaduz

Liechtenstein

Tel: 00423 235 11-22

Mail: info@lgt.com

www.lgt.com



Mit dem Vorschlag kann LGT in diesem Jahr ganz vorn mitspielen, auch wenn die Bank das Ziel von 50.000 Euro ordentliche Erträge nach Kosten nicht erreicht. Da die Bank diesen Umstand aber ordentlich und nachvollziehbar erklärt und damit verantwortungsvoll im Sinne der Stiftung handelt, ist dieses Manko verschmerzbar. Denn ansonsten geht sie auf die Wünsche der Stiftung tadellos ein und liefert ein in sich rundes Werk ab.

Ihres Einzugs in die Endrunde kann sich die LGT Bank sicher sein. Hier kann sie hoffentlich zeigen, ob sie für die Stiftung eine Idee bereithält, wie das angestrebte Ziel von 50.000 Euro Ausschüttungen mit einer veränderten Herangehensweise von Seiten der Stifter doch erreicht werden könnte.

Lesen Sie weitere Berichte in den Rating-News der FUCHS|RICHTER Prüfinstanz zum Stiftungsmanagement

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