Donner & Reuschel, eine Bank in Feierlaune
„Am 1. Januar 1798 gründete der junge Kaufmann Conrad Hinrich Donner mit 1.000 Mark Banco ein vielseitig aufgestelltes Handelshaus – und legte damit den Grundstein für das heutige Bankhaus DONNER & REUSCHEL.“ Mit diesen Worten bringt sich die Bank auf ihrer Webseite in Feierlaune. Das Jubiläumsjahr steht unter dem Motto „Mehr als eine Bank – damals, heute und morgen“. Die Kunden sollen sich auf viele Aktionen und besondere Veranstaltungen freuen dürfen und dem Aufruf folgen: Feiern Sie mit uns! In der Tat gibt es dafür gibt es einige gute Gründe.
Anlagekonzept
Das Anlagekonzept der Privatbank Donner & Reuschel überzeugt. Auf 70 Seiten beteiligen sich Donner & Reuschel mit einem umfangreichen Werk an der Ausschreibung für die Vermögensverwaltung des Kapitals der Wilhelm Weidemann Jugendstiftung von 2,7 Mio. Euro. Die Traditionsbank – Gründungsjahr ist 1798 – liefert viele interessante Hintergrundinformationen und Erklärungen, die den üppigen Umfang rechtfertigen. Das Thema Ausschüttungen behandelt die Bank im Rahmen der ausführlichen Darstellung der Kennzahlen des Portfolios. Demnach sind vor Kosten 96.320 Euro an ordentlichen Erträgen zu erwarten. Für die Zweckerfüllung würden pro Jahr 55.700 Euro zur Verfügung stehen. Selbstbewusst stellen die Autoren des Vorschlags fest: „Das Portfolio zeigt eine attraktive Ausschüttungshöhe und eine hervorragende Rendite, die auf mittlere Sicht und bei sinkenden Inflationsraten eine Realkapitalerhaltung möglich erscheinen lässt.“ Damit scheint ein zentraler Wunsch der Stifter erfüllt. Ihre Kompetenzen im Bereich Nachhaltigkeit legt die Bank im schriftlichen Teil eingängig dar. Man legt vor allem Wert darauf, nachzuweisen, dass Nachhaltigkeit in der Anlage bzw. die Einhaltung christlicher Werte keinen Renditeverlust bedeutet. Die Kosten betragen pauschal inklusive Umsatzsteuer 0,95 Prozent, was dem Marktdurchschnitt entspricht und angesichts der angebotenen Leistungen angemessen erscheint. Erst im Beauty Contest zeigt sich ein Fleck auf der Weste des schriftlich vorgestellten Anlagevorschlags, die bis hierhin weiß erscheint.
Beauty Contest – die mündliche Verteidigung des Anlagekonzepts
Wie gewonnen, so zerronnen, möchte man fast sagen. In der mündlichen Präsentation und Verteidigung des Anlagekonzepts kann die Bank nicht annähernd an ihre schriftliche Leistung anknüpfen. Der Vortrag ist unsystematisch, die Sprecher spielen sich „nicht wirklich“ untereinander die Bälle zu und es bleibt offen, was eigentlich die Botschaft der Bank an ihr Publikum sein soll. Das Duo hinterlässt manches Fragezeichen, denn die Bank und ihre Vertreter machen zunächst Glauben, dass sie der Stiftung ein individuelles Portfolio anbieten. Erst auf Nachfrage stellt sich heraus, dass es sich tatsächlich um einen hauseigenen Fonds handelt, der hier vermarktet wird. Das blieb im schriftlichen Teil noch geschickt verborgen. In dubio pro reo: Wir nehmen den Bankvertretern ab, dass es sich um ein unbeabsichtigtes Missverständnis handelt. Wäre es Verschleierungstaktik, wäre dies deutlich kritischer zu werten.
Investmentkompetenz
Die Investmentkompetenz ist im „Peer-Group-Vergleich“ innerhalb der Endauswahl der Vermögensmanager für die WWJ bei Donner & Reuschel ein schwächeres Glied in der Kette. Die historischen Zahlen zu Vergleichs-Portfolios haben die D&R-Vertreter im Beauty Contest nicht zur Hand und wollen sie nachreichen. Auch die Inflationserwartung – im Ausgangskonzept noch detailliert bis zum Jahr 2027 aufgeführt – wisse man „gerade nicht bis zum letzten Punkt“; hier wirken andere Häuser sattelfester. Lust und Frust zeigen sich dann auch in der quantitativen Analyse durch Quanvest. Das Vergleichsportfolio erzielt eine Rendite nach Kosten und vor Steuern von satten 12,7% bei einem täglichen maximalen Verlust von 10,5%. Das Calmar-Ratio beträgt somit hohe 121%. Das ragt im Wettbewerbsvergleich heraus. Zufall oder Können? Das Portfolio für die WWJ kommt jedenfalls nicht auf solche Werte. Hier errechnet Quanvest eine erwartete Rendite von 3,1% und ein Calmar-Ratio von 21,2%. Das würde für den angestrebten realen Kapitalerhalt nicht reichen.
Transparenz
Abgesehen von der mangelnden Transparenz in der Darstellung des eigenen Angebots, ist Donner & Reuschel offen bei der Kommunikation von Zahlen und Fakten. 235 Stiftungen betreut die Bank mit einem Gesamtvermögen von 735 Mio. Euro. Die Stiftungsspezialisten sind im Schnitt bereits seit 14 Jahre im Haus angestellt, scheinen sich also wertgeschätzt zu fühlen. Das Bankhaus managt bereits seit etwa 25 Jahren Mandate, die eine nachhaltige Ausrichtung haben. Treuhandstiftungen bietet Donner & Reuschel zusammen mit einer externen Treuhänderin an. Die Bank beteiligt sich zudem an zwei Performance-Projekten der FUCHS | RICHTER Prüfinstanz: Im Projekt 5 und 8 stehen jeweils vermögensverwaltende Fonds von Banken und Vermögensverwaltern im Wettbewerb mit einem ETF-Portfolio. Auch so beweist sich Transparenz als Vertrauensgrundlage.
Stiftungsservice
Das Angebot an Stiftungsservices verdient die Note gut. Bereits bei der Gründung einer Stiftung kann D&R umfassend unterstützen, ebenso bei der laufenden Verwaltung. Natürlich können Stiftungen auf das hauseigene Netzwerk der Bank zugreifen. Vieles geschieht über externe Partner mit denen das Haus zusammenarbeitet. Sie werden von den Mitarbeitern von D&R koordiniert. Heraus stechen einige Extras wie die Förderung von Networking unter Stiftungen und Vernetzung von vermögenden Privatkunden und Unternehmern mit Stiftungen zur Generierung von Mitteln (Spenden, Zustiftungen). Auch eine Präsentationsmöglichkeit im "Purpose - Magazin für Sinnhaftigkeit" ist ein Bonbon, das nicht jede Vermögensverwaltung anbietet. Exklusive Veranstaltungs-Formate für Stiftungen und NPO Workshop-Formate zur Wirkungsorientierung von Stiftungshandeln gehören ebenfalls zum insgesamt guten Serviceangebot.
| 2021 (TOPs 2022) | Qualifikationsrunde | Donner & Reuschel unter den TOP 15 | im Shop |
| 2021 (TOPs 2022) | Beratungsgespräch | Donner & Reuschel punktet durch Persönlichkeit | im Shop |
| 2021 (TOPs 2021) | Beratungsgespräch | Fremdexpertise überzeugt | im Shop |
| 2019 (TOPS 2020) | Beratungsgespräch | Langstreckenlauf mit Hindernissen | im Shop |
| 2017 (TOPs 2018) | Beratungsgespräch | Eine hanseatisch-bayerische Verbindung | im Shop |
| 2016 (TOPs 2017) | Beratungsgespräch | Mehr Flexibilität, bitte, bei Donner & Reuschel | im Shop |
| 2015 (TOPS 2016) | Beratungsgespräch | Mit Präzision und Einfühlungsvermögen | im Shop |
| 2015 (TOPS 2016) | Vermögensstrategie | Mehr Fragen als Antworten | im Shop |
| 2023 | Qualifikation | Donner & Reuschel bieten der Wilhelm Weidemann Jugendstiftung ein üppiges Werk | |
| 2022 | Endauswahl | Das Beste kommt zu Beginn | im Shop |
| 2022 | Qualifikation | Der Stiftungsgründungs-Erklärbär | im Shop |
| 2021 | Endauswahl | Donner & Reuschel: Vorbereitung ist alles | im Shop |
| 2021 | Qualifikation | Rund, mit wenigen Ecken und Kanten | im Shop |
| 2020 | Qualifikation | Gute Ansätze, aber zu wenig Orientierungshilfe | im Shop |
| 2018 | Qualifikation | Schnörkel-, aber keineswegs lieblos | im Shop |
| 2018 | Beauty Contest | Klares Modell, professionell erläutert | im Shop |
| 2017 | Qualifikation | Angebot mit Benchmark-Charakter | im Shop |
| 2017 | Beauty Contest | Stiftungspräsentation Donner & Reuschel: Einleuchtendes Regelwerk | im Shop |
| 2016 | Qualifikation | Donner & Reuschel erklären ihren Vorschlag gut | im Shop |
| 2016 | Beauty Contest | Überzeugendes Konzept zur Wertsicherung | im Shop |
| 2019 (TOPS 2020) | Mit etwas mehr Bescheidenheit … |
Fazit: Zum Feiern wäre beinahe auch der Wilhelm Weidemann Jugend Stiftung aus Berlin zumute gewesen, angesichts des sehr guten Anlagekonzepts, das die Bank Donner & Reuschel bei der ersten Durchsicht zu bieten schien. Doch die Bank hat dann in der mündlichen Präsentation bittere Tropfen in den süßen Wein gegossen. Schade. Dennoch kommt sie in der Gesamtwertung auf ein Gut und stellt für jede Stiftung, die einen Vermögensmanager sucht, eine Anlaufadresse dar, die man nicht auslassen sollte.
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