Erst süß, dann bitter – die Präsentation von Donner & Reuschel beim Beauty Contest der Wilhelm Weidemann Jugendstiftung
Gleich zu Beginn des Ausschreibungsprozesses für das Mandat hatten sich die Vertreter von D&R durch einen Fragenkatalog hervorgetan, der zeigte, dass sie sich intensiv mit den Anliegen der Wilhelm Weidemann Jugendstiftung auseinandersetzen wollten. Sie kamen zu zweit und brachten süßen Honig mit. Aus der eigenen Bienenzucht vom Dach der Münchner Dependance des Bankhauses, die zugleich als ein Beweis für die nachhaltige Ausrichtung des Hauses dienen soll. Eine nette Geste, die ihre Wirkung bei den Anwesenden nicht verfehlte. Eines weiteren Eisbrechers bedurfte es also nicht, nur eines strukturierten, konzentrierten und überzeugenden Vortrags. Doch genau der kam nicht.
Es fehlt eine Story, es fehlt eine Botschaft
So verständlich das Ursprungs-Konzept gegliedert war, so gut der Leser durch das Papier hindurchgeführt wurde, so wenig hatte der Vortrag coram publico eine rote Linie, geschweige denn eine klare Botschaft. Das Zeitmanagement fehlte, die Rollenverteilung war nicht klar und der Portfoliomanager hatte immer wieder Mühe, die Initiative zu ergreifen und sie zu behalten. Der Stiftungsverantwortliche dominierte die Vorstellung, fiel ins Wort und schien auch ohne rechtes inhaltliches Konzept einfach loszulegen, sodass die Anwesenden am Ende ratlos zurückblieben.
Erst die Bank, dann die Stiftung
Der Vortrag beginnt mit ein „paar kleinen Worten zu unserem Haus“ – ist das wirklich noch nötig? Hier gibt es andere Möglichkeiten, wichtige Informationen an die Stiftungsvertreter, die ja bereits das Anlagekonzept zumindest einmal durchgeblättert haben sollten, abzuholen und mit speziellen Zusatzinformationen zu versorgen, die Bank und Stiftung miteinander verbinden.
Die Wortwahl verrät manches: „Unsere acht Nachhaltigkeitsziele.“ Doch was ist mit den Zielen des Kunden? Die Ausschlusskriterien des eigenen Bankhauses werden betrachtet, doch ein Abgleich mit den Zielen der EKD, wie von der Stiftung gewünscht, unterbleibt.
Immer wieder mehr Schein als Sein
In der nachfolgenden Fragerunde stellt sich dann heraus, zwar habe man „auch die katholischen Themen mit reingenommen“, aber eine individuelle Umsetzung nach den Maßgaben der Stiftung sei nicht möglich. Denn – wie erst auf Nachfrage richtig klar wird – D&R stellt gar kein individuelles Portfolio ins Schaufenster, sondern einen hauseigenen Fonds. Für ein wirklich individuelles Portfolio sei die Stiftung zu klein.
Das wirkt auf viele Anwesende wie ein kleiner Schock. Denn zum Wesen von Nachhaltigkeit gehören auch Ehrlichkeit und Transparenz, Prinzipien, die man hier verletzt sieht. Zudem wird die Vermögensverwaltungsgebühr – im Ursprungskonzept noch korrekt mit dem Bruttobetrag ausgewiesen, hier netto mit 0,8% zuzüglich MwSt. – ein Vorgehen, das bei einer Stiftung, die die Bruttosumme kalkulieren muss, fragwürdig ist und glücklicherweise nur noch von wenigen Anbietern praktiziert wird.
Zahlen nicht parat
Die historischen Zahlen zu Vergleichs-Portfolios haben die D&R-Vertreter leider nicht zur Hand und wollen sie nachreichen. Hier waren anderen Häuser deutlich besser vorbereitet. Auch die Inflationserwartung – im Ausgangskonzept noch detailliert bis zum Jahr 2027 aufgeführt – wisse man „gerade nicht bis zum letzten Punkt“. Schade. Zur Erinnerung: Für 2023 kalkulieren D&R im Anlagevorschlag mit 8,7%, doch der Stiftungsvertreter spricht von „sechs, sieben Prozent“. 2024 lautet die Prognose 3,1%, 2025: 3,5%, 2026 und 2027: 2,0%; 2022 bis 2007: durchschnittlich 4,5%. Im Vortrag jedoch heißt es: „In den nächsten Jahren gehen wir runter auf dreieinhalb, drei Prozent“. Warum kennt man die eigenen Zahlen nicht? Wer hat das Anlagekonzept eigentlich erstellt?
Fazit: Am Ende bleibt bei allen Stiftungsvertretern sowie der FUCHS | RICHTER Prüfinstanz viel Enttäuschung zurück. Und auch ein Stück Unverständnis. Denn dies ist nicht das erste Mal, dass Donner & Reuschel ihren Auftritt vor einer Jury aus Fachleuten und Stiftungsvertretern „versemmelt“ haben. Gibt es kein Qualitätsmanagement, keine Nachbearbeitung und keinen Katalog: lessons learned? Den bitteren Geschmack, den der Auftritt hinterlässt, kann dann auch der leckere Honig nicht mehr versüßen.
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