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Fuchsrichter Logo Merck Finck & Co., Privatbankiers | Beauty Contest - Stiftungsvermögen 2016

Grenzwertig

Merck Finck schafft es nur knapp in den Beauty Contest. Vor allem die Laienverständlichkeit des eingereichten Angebots war grenzwertig. Mündlich geht es allerdings in diesem Stil weiter.

Merck Finck & Co, Privatbankiers
Pacellistr. 16, D – 80333 München
www.merckfinck.de

Merck Finck hat es mit einem wenig kundenfreundlichen, schwer leserlichen, aber inhaltlich kundenorientierten Angebot in die Endrunde geschafft. Drei Vertreter der Bank sind zur mündlichen „Verteidigung“ ihres Vorschlages für die Alfred-Flakowski-Stiftung vor Ort. Der Vorstand der Merck Finck Stiftung stellt das Team vor, sagt, wer welche Aufgaben hat. Er selbst sei zertifizierter Finanz- und Erbschaftsplaner (CFP, CEP). Zudem hat er den Portfoliomanager und den Berliner Niederlassungsleiter mitgebracht. Die Niederlassung betreut, so die Auskunft, 50 Familienverbünde.
WERTUNGSÜBERSICHT
Anlage-vorschlagPortfolio-qualitätTranspa-
renz
Service-angebotBeauty ContestGesamt
33,810,49,63,27,464,4
max. 45 Punktemax. 15 Punktemax. 15 Punktemax. 5 Punktemax. 20 Punktevon 100 mögl. Punkten
Das Team ist bestrebt, die Zeitvorgabe einzuhalten und geht fokussiert vor. Zur Erläuterung liegt eine verkürzte, angepasste Präsentationsunterlage vor. Dann übernimmt der Portfoliomanager. Merck Finck sei ein Unternehmen der belgischen KBL. Der Investmentprozess werde daher international gesteuert. Es handele sich um ein Gremium aller Tochterbanken, die unter dem Dach der KBL vereint sind – das Group Asset Allocation Committee – auf seinen Entscheidungen bauten alle Anlageempfehlungen auf. Später werden die Anwesenden erfahren, dass der Portfoliomanager „zu einem gewissen Grad von diesem Team abhängig ist“. Doch „die wissen, wo sie hinschauen müssen“. Das Team „gibt die grobe Marschrichtung vor. Wir brechen das auf unsere regionalen Gegebenheiten runter und berücksichtigen die Befindlichkeiten der Kunden bei Einzeltiteln“, wird es später auf Nachfrage erläuternd heißen.

Depot an die neue Marktlage angepasst

Das Haus sei bestrebt, werterhaltend zu investieren. Schön ist die Aktualisierung des Depots. Es hat eine Anpassung an die veränderte Marktlage seit Herbst 2015 erfahren. Zum Jahresanfang hätte man ein Portfolio mit 39,47% Aktien und 60,06% Renten sowie 0,47% Liquidität vorgeschlagen. Die erwartete Rendite betrage ungefähr 5% pro Jahr vor Kosten. Der Stresstest wird anhand der Präsentationsvorlage erläutert. Das Gesamtportfolio wird verschiedenen Szenarien unterworfen: Russland-Krise 2008 (-5,08%), Lehman-Krise 2008 (-6,01%) bis zur Griechenland-Krise 2015 (-1,51%). Man habe einen fundamental orientierten Investmentprozess. Daran richte man sich bei den Ein- und Ausstiegspunkten aus. Es folgt ein grober Überblick, wie die Bank für die Stiftung investieren will. Unter anderem stellt man sich einen großer Block Investmentfonds zur Diversifikation vor. Im Aktienbereich will Merck Finck 50% im Euroraum anlegen, aber auch im Frankenraum (Schweiz/Liechtenstein) und im Pfund. Zur Aktienauswahl diene ein „Best-quality-Ansatz“ – das Verfahren, nach dem die beste Qualität herausgefiltert wird, bleibt allerdings unklar. Japan und die Schwellenländer will man mit ETF – börsengehandelten Indexfonds – abdecken. In den weiteren Erläuterungen wird es dann heißen, man verfolge gleichzeitig einen Top-down und Bottom-Up-Prozess .... Danach stellt der Niederlassungsleiter das Berichtswesen und die Gebühren vor. Die Kosten lägen bei 0,65% zzgl. MwSt. als All-in-fee. Seltsam: Im schriftlichen Angebot fand sich noch eine 0,5%. „Da hat sich der Kollege vertan.“ Dafür erhebe man keine Ausgabeaufschläge und Rückvergütungen von Kapitalanlagegesellschaften würden „aktiv ausgekehrt“. Es gebe einen monatlichen Vermögensbericht. Als Mangel fällt auf, dass die Ausschüttungsplanung nicht im Detail vorliegt. Diese wird Merck Finck nachreichen.

Ziel: Mehrwert generieren

Das Ziel von Merck Finck sei es, Mehrwert zu generieren, nicht die Ertragsquote extrem nach oben zu schrauben. Erstklassige Expertise habe das Haus bei der Fondsselektion: im Rentensektor wolle man damit Alpha – eine Mehrrendite – schaffen. Die Vertriebs- und Bestandhaltungsprovisionen seien von Fonds zu Fonds völlig unterschiedlich. Zwei Leute aus dem Team Merck Finck machten die Fondsselektion, acht Spezialisten kommen aus den anderen Banken der Gruppe. In der Diskussion wollen die Stiftungsvertreter das Risikomanagement noch genauer erläutert wissen. Doch die Antworten bleiben schwammig. „Die Risikosäule ist eine Säule unseres Investmentprozesses“, erfahren sie. Der Portfoliomanager vereinbart mit Kunden Stopps. „An der Marke wird gesprochen, aber noch nicht gehandelt.“ Eine „Unfallversicherung“ könne über den Kauf von Optionen erfolgen; „das tut aber auf der Performanceseite weh“. Der Portfoliomanager werde durch einen „Kollegen, der nicht aus dem Portfoliomanagement kommt, überwacht“.

Fazit:
Merck Finck, die es nur knapp in den Beauty Contest geschafft hatten, können im mündlichen Vortrag nicht überzeugen. Die Erläuterungen zum Investmentprozess hinterlassen Fragen, die Laienverständlichkeit der Ausführungen ist oft unzureichend, die Rollenverteilung hinterlässt den Eindruck, dass das Trio selten zusammen auftritt. Irritierend wirkt zudem, dass der Niederlassungsleiter nach eigener Aussage selbständig ein Portfolio führt. Eine solche Konstellation hatte in einem anderen Stiftungsfall vor einigen Jahren schon einmal zu erheblichen Problemen mit einem Stiftungskunden geführt, bei dem die Anlagerichtlinien nicht eingehalten worden waren. Hat Merck Finck diese Problematik noch immer nicht im Griff?

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