Hauck Aufhäuser Lampe unterbreitet der Wilhelm Weidemann Jugendstiftung ein ehrliches Angebot
Die Ausarbeitung von Hauck & Aufhäuser ist klar gegliedert und erlaubt dem Leser ein gutes Leseerlebnis. 74 Seiten sind nicht gerade wenig, aber dank der Übersichtlichkeit sind die Inhalte leicht zu finden. Es gibt nur ganz wenige Passagen, die der Leser nicht auf Anhieb versteht. Überwiegend verwendet die Bank leicht verständliche und nachvollziehbare Formulierungen. Grafiken ergänzen das Gesagte, so dass keine Fragen offenbleiben.
Hauck Aufhäuser Lampe (HAL) gehen auf die Wünsche der Stifter ausführlich ein. Das reicht von der Darstellung der Stifterwünsche über die Beschreibung der eigenen Stiftungsexpertise, die eindrücklich deutlich gemacht wird, bis hin zum Anlagevorschlag inklusive Ausschüttungsplanung. Auch wenn diese nicht den von der Stiftung gewünschten realen Kapitalerhalt erreicht, empfindet der Leser die Ausarbeitung doch als ehrlich und aufrichtig.
Was wünschen sich die Stifter?
Die Wünsche der Stifter werden ausführlich und vollständig zusammengefasst und mit dem Angebot der Bank ergänzt. Das ist ein sehr guter und konstruktiver Einstieg in den Vorschlag.
- Die Wilhelm Weidemann Jugendstiftung sucht für 2,7 Millionen Euro Stiftungskapital einen neuen Vermögensverwalter
- Gefordert werden Erfahrungen im Vermögensmanagement für Stiftungen
- Das Portfolio soll strategisch in bis zu 45 Prozent Aktien und 55 Prozent Anleihen aufgeteilt sein.
- Zentrale Vorgaben sind der Erhalt des Stiftungsvermögens, die Begrenzung möglicher Vermögensverluste sowie darüber hinaus mindestens 50.000 Euro ordentliche Erträge nach Kosten p.a. zur Fortführung der Stiftungsarbeit.
- Die Einhaltung der Vorgaben der staatlichen Stiftungsaufsicht des Landes Berlin zur Verwaltung des Stiftungsvermögens ist eine weitere Anforderung – der Anbieter soll zeigen, dass er diese kennt und umsetzt.
- Die Wilhelm Weidemann Jugendstiftung wünscht außerdem die Einhaltung des Leitfadens der EKD zur Nachhaltigkeit von Vermögensanlagen und des Grundsatzpapiers „Nachhaltigkeit in der Wilhelm Weidemann Jugendstiftung“.
Stiftungserfahrung wird deutlich
HAL machen die eigene Stiftungsexpertise in angemessenem Umfang deutlich und erklären die möglichen Mandatsformen für Stiftungen. Weitere Services von der Unterstützung bei der Stiftungsgründung bis zur Zweckerfüllung – etwa als Sparringspartner für bestehende Stiftungen oder Mitarbeit in Gremien – bietet die Privatbank an. Und sie betont, dass sie selbst sozial engagiert sei und eine eigene Stiftung betreibe.
Das Kapital in Höhe von 2,7 Millionen Euro soll nach den Vorstellungen von HAL strategisch zu 40 Prozent in Aktien und zu 60 Prozent in Anleihen investiert werden. Taktisch geht es um 61,2 Prozent Anleihen und 38,8 Prozent Aktien. Renten- und Aktienstruktur werden auch für Laien nachvollziehbar erklärt.
Realer Vermögenserhalt nicht realistisch
HAL erarbeiten ein individuell auf die Stiftung zugeschnittenes Portfolio. Für die empfohlene Vermögensstruktur, die sich an der maximal möglichen Aktienquote orientiert, erwartet die Bank eine langfristige Rendite von rund 3,4 Prozent p. a. nach Kosten (ca. 4,6 Prozent p. a. vor Kosten).
Zum Thema Ausschüttungen heißt es: „Ihre Erwartung von ordentlichen Erträgen in Höhe von 50.000 Euro nach Kosten kann derzeit voraussichtlich nicht erreicht werden. Eine Optimierung der Dividenden ist aus Gründen einer möglichen Verschlechterung der Rendite-/Risikodiversifikation nicht zu empfehlen.“
Ehrliche Problembehandlung
Im Rentenbereich sei von einem Anstieg der laufenden Kupons in naher Zukunft auszugehen. Ein realer Vermögenserhalt nach Kosten und Entnahmen sei unter den derzeitigen Marktbedingungen nicht realistisch – erwartet werden Renditen von 6,5 Prozent im Aktien- und 1,3 Prozent im Rentenbereich –, insbesondere nicht unter Berücksichtigung der zum Substanzerhalt notwendigen Qualitätsstandards, wie sie für eine treuhänderische Verwaltung von Stiftungsvermögen anzusetzen sind. Nicht erfreulich, aber ehrlich.
Konkret rechnen HAL vor, dass 2023 bei zu erwartenden Einnahmen in Höhe von 53.000 Euro und Ausgaben von 82.000 Euro – zusammengesetzt aus den 50.000 Euro Entnahmen und Kosten von 32.000 Euro – eine Unterdeckung von 26.000 Euro ergibt.
Perspektiven werden aufgezeigt
Aber man zeigt Perspektiven auf: „Im Zuge des planmäßigen Vermögensanstiegs durch erwartete Wertsteigerungen im Aktienbereich steigen die Einnahmen in den Folgejahren an", heißt es. Man rechnet mit einem real erhaltenen Kapital bis ins Jahr 2038. Da die Stiftung auf ewig angelegt ist, ist eine solch langfristige Planung legitim.
Das Kostenmodell stellt die Bank nur kurz, aber anschaulich dar. Demnach handelt es sich um 1 Prozent Kosten p.a. zzgl. MwSt. Darin sei alles enthalten. Der Preis inklusive Mehrwertsteuer liegt mit 1,19 Prozent brutto über dem Marktdurchschnitt und ist damit vergleichsweise hoch. Allerdings steht auch eine entsprechende Leistung dahinter.
Gute historische Einordnung
In wenigen Anstrichen wird auf einer Seite das von den Stiftern gewünschte Risikomanagement von HAL erklärt. Das ist etwas mager. Die historische Wertentwicklung verdeutlicht die Bank hingegen mit einigen interessanten Grafiken und entsprechenden Erklärungen.
So erklärt sie, was der maximale Drawdown bedeutet, wodurch sich der Inhalt der Seite dem Laien viel besser erschließt.
Empfehlungen für Anlagepolitik
Nach Kosten und Ausschüttungen für den Stiftungszweck verbleibt laut HAL voraussichtlich ein langfristiges Ertragspotenzial von ca. 1,6 Prozent p. a. „Dieses würde – bei Annahme einer langfristigen Inflationsrate von 3,0 Prozent – für einen realen Vermögenserhalt nicht vollständig ausreichen.
Hierfür müsste die Anlagepolitik stärker renditeorientiert ausgerichtet werden (höherer Aktienanteil). Dies wäre jedoch mit entsprechend höheren Risiken verbunden“, fasst die Bank zusammen.
Nachhaltiger Investmentansatz wird deutlich
Bei der Darstellung der eigenen Nachhaltigkeitsexpertise wären ein paar mehr erklärende Wort ganz hilfreich gewesen. Überschriften über Grafiken wie "Verteilung ESG Performance Score" oder "Carbon Risk Rating" sind vielleicht nicht für jeden Laien verständlich, auch wenn er interessiert ist.
Als es um den eigenen Investmentprozesses geht, wird das Herangehen der Bank deutlicher. Man betrachte Nachhaltigkeit als Anlagekriterium und verfolge eine doppelte Qualitätsprüfung bei der Titelselektion. Neben einer Fundamental- gebe es regelmäßig auch eine Nachhaltigkeitsanalyse. Das „magische Dreieck der Vermögensanlage“, bestehend aus Rendite, Sicherheit und Liquidität, habe man um Nachhaltigkeit ergänzt, so dass ein Viereck entsteht. Zur EKD-Leitlinie zur Nachhaltigkeit nimmt die Bank nicht Stellung.
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Das Angebot der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank AGin der Schnellübersicht
Cash Anteil im Portfolio: 0 Prozent
Aktienanteil im Portfolio: 38,80 Prozent
Rentenanteil im Portfolio: 61,20 Prozent
Anteil Sonstige Anlagen im Portfolio: 0 Prozent
Erwartete Bruttorendite: 4,60 Prozent p.a.
Inflationserwartung: 5,4 Prozent für 2023
Gebühren (Gesamtkosten) inkl. MwSt.: 1,19 Prozent p.a.
Erwartete Netto-Rendite (nach Inflation und Kosten): 3,4 Prozent p.a.
Erwartete ordentliche Erträge: 50.000 Euro p.a. vor Kosten
Highlights: Weitere Services von Stiftungsgründung bis Zweckerfüllungen werden angeboten.
Adresse
Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank AG
Kaiserstraße 24
60311 Frankfurt am Main
Tel: 069/2161-0
Mail: info@hal-privatbank.com
www.hal-privatbank.com
Hauck Aufhäuser Lampe bieten ein in sich geschlossenes Konzept, allerdings mit selbst gesetzten Fragezeichen, was Ausschüttungen und Kapitalerhalt betrifft. Die Probleme werden allerdings nachvollziehbar hergeleitet und ein Lösungsansatz präsentiert. Insgesamt ist der Vorschlag von sehr viel Offenheit gekennzeichnet, was die tatsächlichen Erwartungen betrifft. Das schafft Vertrauen, auch was eine mögliche zukünftige Zusammenarbeit betrifft.
Trotz geringfügiger Mängel, die aber durch nachvollziehbare Erklärungen ausgeglichen werden, ist Hauck Aufhäuser Lampe ein Kandidat für die Endrunde.
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