Merck Finck offeriert der Wilhelm Weidemann Jugendstiftung ein starkes, aber nicht vollständiges Angebot
Merck Finck beteiligt sich mit einem 58-seitigen Werk am Wettbewerb um die Verwaltung des Stiftungskapitals der Wilhelm Weidemann Jugendstiftung. Das ist nicht gerade wenig, aber auch nicht überdimensioniert. Die Ausarbeitung ist durch ein Inhaltsverzeichnis und klare, durch schöne Fotos unterteilte Inhalte gekennzeichnet. Alle Fotos deuten an, dass es dem Unternehmen mit Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit auf der Welt ernst ist. Das spricht gute Emotionen an. Das Erscheinungsbild ist insgesamt sehr edel und schlicht. Merck Finck richtet sich mit einer einfachen und gut verständlichen Sprache an die Leser des Anlagevorschlags. Einige Male hat man das Gefühl, dass ein paar mehr Informationen ganz gut gewesen wären, wie bei der Darstellung der Performance in den letzten Jahren. Aber im Großen und Ganzen ist die Ausarbeitung für einen Laien leicht begreiflich. Ist das ein gutes Omen für den Inhalt des Vorschlags?
Die Bank zeigt insgesamt eine deutlich den Stiftern zugewandte Haltung, die aus eigener Stiftungserfahrung resultiert und aus der Manpower im eigenen Unternehmen. Man kommuniziert ausführlich sowie mit viel Empathie und Verständnis für Stiftungsfragen mit den Stiftern. Die Bank bietet an, Fragen zu beantworten – am Telefon oder per Videokonferenz.
Licht unter den Scheffel gestellt
Die Stifterwünsche nehmen die Autoren des Vorschlags vollständig auf, beantworten sie aber im Endeffekt nicht alle – zumindest nicht alle ausführlich. Was fehlt, sind vor allem eine Ausschüttungsplanung, eine ordentliche Darstellung des eigenen Risikomanagementsystems sowie der Expertise in Bezug auf fremde Stiftungen.
Denn: Merck Finck begründet ihre Stiftungsexpertise vor allem mit der eigenen Stiftung, die es seit 2007 gibt. Das ist gut, ersetzt aber nicht die Erfahrungen, die man mit anderen Stiftungen gesammelt hat. Die Stifter zweifeln nicht daran, dass es sie gibt. Warum nur stellt man hier sein Licht unter den Scheffel?
Was wünschen sich die Stifter?
- Die Wilhelm Weidemann Jugendstiftung sucht für 2,7 Millionen Euro Stiftungskapital einen neuen Vermögensverwalter
- Gefordert werden Erfahrungen im Vermögensmanagement für Stiftungen
- Das Portfolio soll strategisch in bis zu 45 Prozent Aktien und 55 Prozent Anleihen aufgeteilt sein.
- Zentrale Vorgaben sind der Erhalt des Stiftungsvermögens, die Begrenzung möglicher Vermögensverluste sowie darüber hinaus mindestens 50.000 Euro ordentliche Erträge nach Kosten p.a. zur Fortführung der Stiftungsarbeit.
- Die Einhaltung der Vorgaben der staatlichen Stiftungsaufsicht des Landes Berlin zur Verwaltung des Stiftungsvermögens ist eine weitere Anforderung – der Anbieter soll zeigen, dass er diese kennt und umsetzt.
- Die Wilhelm Weidemann Jugendstiftung wünscht außerdem die Einhaltung des Leitfadens der EKD zur Nachhaltigkeit von Vermögensanlagen und des Grundsatzpapiers „Nachhaltigkeit in der Wilhelm Weidemann Jugendstiftung“.
Breite Diversifizierung
Der eigentliche Anlagevorschlag wird ausführlich erklärt und mit vielen Details untermauert. Er soll aus 43,1 Prozent Aktien, 52,3 Prozent Renten, 2,5 Prozent Alternativen Investments und 2,1 Prozent Liquidität bestehen. Die einzelnen Anlageinstrumente behandelt die Bank eingehend und erklärt ihre Auswahlkriterien. Sie macht eine breite Diversifizierung deutlich, wobei im Aktienbereich die USA dominieren. Allerdings wird auch das gut verständlich und nachvollziehbar erklärt. Angaben zu Regionen und Sektoren ergänzen die Informationen.
Der Anlagevorschlag zeugt von einer guten Kenntnis des Themas Stiftungen. Dank einer eigenen Stiftung verfügt die Bank auch auf Mitarbeiterseite über die nötigen Ressourcen. Leider wird die Ausschüttungsplanung ziemlich stiefmütterlich behandelt, obwohl sie zentral ist für die Erfüllung der Stiftungsziele. Hier hätte Merck Finck noch weitere Pluspunkte sammeln können.
Nachhaltigkeit hätte besser erklärt werden können
Die Investitionen erfolgen laut Merck Finck ausschließlich in nachhaltige Anlagen, die den Kriterien der EKD zur Nachhaltigkeit von Vermögensanlagen und Ihrem Grundsatzpapier Nachhaltigkeit in der Wilhelm Weidemann Jugendstiftung entsprechen. Soweit die Behauptung. Wie genau, kann der Leser allerdings nicht erkennen.
Insgesamt hätte er sich mehr Informationen zur Nachhaltigkeit gewünscht, die er auch versteht. Erst im Anhang berichtet das Institut über seinen nachhaltigen Investmentansatz. Na ja, besser spät als nie. Hier hätte sich der Leser weniger kleinteilige Stichworte und stattdessen – oder zusätzlich – ein paar klare Statements gewünscht. Sätze wie „Diskretionäre Modellportfolios mit dem Ziel, regionale oder globale Benchmarks zu übertreffen“, sind für den Laien nicht wirklich erhellend.
Schlussfolgerungen fehlen
Ihr Risikomanagement stellt die Bank nur ganz am Rande dar – und nur in Bezug auf den Anleihen-Investitionsprozess. Und auch nicht allzu verständlich. Da dies ein Anliegen der Stifter ist, muss es hier Punktabzug geben.
Zwei verschiedene historische Verläufe von Mandaten von 2017 bis 2022 werden dem Leser offeriert: zum einen ein Vergleichsmandat mit 30 Prozent Aktienquote, zum anderen eins mit 60 Prozent Aktienquote. Beides passt nicht recht zur vorgeschlagenen Aktienquote von 43 Prozent. Soll sich der Leser jetzt selbst einen Mittelwert ausrechnen? Es wäre zudem toll gewesen, wenn die Bank ein paar Schlussfolgerungen aus der Grafik und den Fakten gezogen hätte. So wird der Leser in der Sache ziemlich allein gelassen.
Kosten über dem Markt
0,85 Prozent p.a. plus MwSt. – also rund 1,01 Prozent – setzt Merck Finck als Verwaltungspauschale an. Das ist nicht gerade billig. Die Bank erklärt genau, was darin enthalten ist – und was nicht. Zudem betont sie, dass Bonifikationen von Ausgabeaufschlägen, die die Bank beim Kauf von Drittprodukten erhält, in voller Höhe an Mandanten weitergereicht werden.
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Das Angebot der MERCK FINCK A QUINTET PRIVATE BANK (EUROPE) S.A. branch in der Schnellübersicht
Cash Anteil im Portfolio: 2,1 Prozent
Aktienanteil im Portfolio: 43,1 Prozent
Rentenanteil im Portfolio: 52,3 Prozent
Anteil Sonstige Anlagen im Portfolio: 2,1 Prozent
Erwartete Bruttorendite: 5,9 Prozent p.a.
Inflationserwartung: 3,5 Prozent für die EU im Jahr 2023
Gebühren (Gesamtkosten) inkl. MwSt.: 1,01 Prozent p.a.
Erwartete Netto-Rendite (nach Inflation und Kosten): 5,05 Prozent nach Kosten, vor Steuern
Erwartete ordentliche Erträge: 2,65 Prozent p.a. Ausschüttungspotenzial
Highlights: keine
Adresse
MERCK FINCK A QUINTET PRIVATE BANK (EUROPE) S.A. branch
80333 München
Pacellistraße 16
Tel: 089/2104-0
Mail: info@merckfinck.de
www.merckfinck.de
Merck Finck liefert ein solides, gutes, aber nicht überragendes Angebot ab. Das ist schade, weil der Start mit der wirklich empathischen Kommunikation so gut ist und Besonderes erwarten lässt. Aber dann fehlen einfach ein paar wichtige Elemente – warum auch immer. Ein wenig mehr Sorgfalt hätte hier geholfen.
So steht der Einzug in die Endrunde auf der Kippe.
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