Pictet ist gut, aber teuer und konzentriert sich aufs Wesentliche
Was Pictet liefert, liefert die Bank in hoher Qualität. Dafür verlangt sie auch einen außerordentlichen Preis.
Die altehrwürdige Pictet-Gruppe befindet sich im Eigentum von sieben geschäftsführenden Teilhabern. Zu einem geringen Teil sind auch einige wenige Führungskräfte an dem über 200 Jahre alten Vermögensverwalter beteiligt. Ziel von Pictet ist es, mit einem unvoreingenommenen Anlageansatz unnötige Risiken zu vermeiden und robuste und stabile Investmentlösungen für seine Kunden zu entwickeln. Davon sollen auch Stiftungen profitieren.
Kennzahlen:
Pictet zählt auf zehn Mitarbeiter, die sich explizit um Stiftungen kümmern. Das Haus verweist auf eine sehr geringe Fluktuation seiner Mitarbeiter. Die beiden in Frankfurt/Main tätigen Mitarbeiter sind bereits im achten und sechsten Jahr bei dem Haus. In der Schweiz liegt die Fluktuation auf Gruppenebene bei 4 % - inklusive Pensionierungen. Pictet setzt auf ein großes Netzwerk externer Berater, die bei Bedarf hinzugezogen werden.- Stiftungsexpertise seit: 2000
- Anzahl betreuter Fremdstiftungen: k.A.
- Betreutes Stiftungsvermögen: k.A.
Serviceangebot für Stiftungen:
Das Serviceangebot für Stiftungen ist solide. Zwar werden keine besonderen Dienstleistungen für Stiftungen angeboten. Eine Unterstützung im Fundraising gibt es beispielsweise nicht. Aber sie bekommen alle grundlegenden Hilfestellungen, die sie benötigen. - Strategiegespräche
- Unterstützung bei Änderungen im Stiftungs- und Steuerrecht (aktive, zeitnahe Information)
- Rechnungslegung | Jahresabschluss | Förderverwaltung
- Mitarbeit in Stiftungsgremien
- Unterstützung der Geschäftsführung der Stiftung
Der Anlagevorschlag
Sehr persönlich schreibt Pictet dem Stiftungsvorstand, dass die Bank die Überlegungen zu Beteiligungen an lokalen Unternehmen und auch die Einbindung der bestehenden Immobilie nachvollziehen könne. Aber Pictet möchte sich auf das Thema Vermögensverwaltung konzentrieren, in diesem anderen Bereich könne sie nicht kompetent unterstützen. Das ist ehrlich, zugewandt formuliert und auch klar positioniert. Der Vorschlag selbst fokussiert folglich auf die liquiden Mittel: 70 % Anleihen, 30 % Aktien, 0 % Cash. In der Einzeltitelaufstellung sehen wir dann die Ausschüttungen je Wertpapier im Detail. Auf 3 % kommt die Bank insgesamt vor Kosten. Pictet setzt überwiegend Einzeltitel ein. Im Anleihenbereich finden sich auch Fonds, u. a. bei den Schwellenländer- und Hochzinsanlagen. Auch dem Wunsch der Stiftung, den maximalen Verlust zu benennen, kommt die Bank vorbildlich nach: 12 % in 2008 - alles leicht nachvollziehbar an einer „Unterwasserkurve“ ablesbar. Als herausfordernd, langfristig aber möglich, sieht die Bank den Spannungsbogen zwischen Kapitalerhalt und Ausschüttungsziel an. Eine erhöhte Aktienquote werde benötigt, auf 40 % sollte sie aber gedeckelt werden. Die Kosten sind im Marktvergleich sehr hoch. 0,95 % + USt. Eine erfolgsabhängige Vergütung sei „unüblich“ für solche Mandate. Bestandspflegezahlungen fließen dem Stiftungsvermögen zu.FAZIT:
Ein auf die Wertpapieranlage fokussierter Vorschlag, der gut zu lesen ist. Nicht alle, aber die zentralen Fragen der Stiftung werden beachtet und präzise beantwortet. Alles wirkt solide. Die Kosten dagegen sind eher hoch. Dennoch verdient Pictet es, das Angebot in der Endauswahl mündlich zu erläutern.