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Fuchsrichter Logo Stiftungsvermögen: HRK LUNIS in der Gesamtbeurteilung 2024

Umfassendes Konzept mit Schönheitsfehlern

Thumb Stiftungsvermögen 2024, © Grafik Redaktion Fuchsbriefe mit Envato Elements
Seit Juli 2023 gehen die LUNIS AG und die Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung GmbH ihren Weg gemeinsam als HRK LUNIS AG. Mit dem Zusammenschluss ist einer der größten und leistungsstärksten unabhängigen Vermögensverwalter in Deutschland entstanden. Zusammen betreuen beide Häuser aktuell ein Vermögen von über fünf Milliarden Euro. Leider ist auf der Website nicht viel über die Stiftungskompetenz des Hauses zu erfahren. So muss der Leser auf den Vorschlag hoffen.

HRK LUNIS beteiligt sich mit einem sehr umfänglichen Werk an der Ausschreibung der Stiftung Fliege, die für ihr Stiftungskapital von 3 Millionen Euro einen neuen Vermögensverwalter sucht. Inklusive aller eingereichten Dateien erreicht der Vorschlag einen Umfang von sage und schreibe 145 Seiten. Aufgrund des enormen Umfangs ist das Anlagekonzept in manchen Aspekten sehr ausführlich und detailliert, bleibt stellenweise jedoch dennoch vage. Ein Beispiel: HRK LUNIS  legt seine Expertise für Stiftungen auf vier Seiten ausführlich dar. Der Vermögensverwalter betont seine langjährige Erfahrung im Stiftungsmanagement und das professionelle Netzwerk. Allerdings geht er bei den Services nicht explizit auf Stiftungen ein, sondern bleibt auf der Ebene der institutionellen Vermögensverwaltung stehen.

Anlagekonzept

Der Dienstleister schlägt eine ausgewogene Anlagestrategie mit defensiver Ausrichtung vor, global und in ausgewählte und qualitativ hochwertige Unternehmen sowie Anleiheemittenten investiert. Die Verteilung soll 60 Prozent Anleihen, 36,3 Prozent Aktien und 3,7 Prozent Liquidität betragen. HRK LUNIS stellt ordentliche Erträge in Höhe von 66.800 Euro in Aussicht. Es heißt: „Ihr Ziel, die Erwirtschaftung ordentlicher Erträge in Höhe von mindestens 60.000 EUR p.a., kann mit dem vorgestellten Portfolio erreicht werden.“ Allerdings stellt sich für den fachlich nicht so versierten Leser die Frage, ob diese Höhe nach Steuern und Kosten erzielt wird. Der Leser erfährt, dass die Aktien eine Dividendenrendite von 2,5 Prozent und die Anleihen 4,3 Prozent Rendite erwirtschaften sollen. An Kosten gibt der Vorschlag ein pauschales Honorar in Höhe von 0,7 Prozent plus MwSt. an, also 0,84 Prozent p.a. Plus Fondskosten und Transaktionsgebühren kommt der Vermögensverwalter auf 1,06 Prozent. Das liegt noch im Rahmen, ist aber nicht gerade günstig. Etwas unterbelichtet bleibt die Einreichung beim Thema Anlagerichtlinie. HRK LUNIS gibt dazu nur ein paar stichpunktartige Hinweise. Der Vermögensverwalter erläutert die Nachhaltigkeit in der Vermögensanlage auf mehreren Seiten, u.a. das Nachhaltigkeitsrating, das ESG-Risiko-Rating und den gesamten LUNIS-ESG-Prozess. Hier wird allerdings mit ziemlich vielen Fachbegriffen hantiert, so dass der Leser nicht wirklich begreift, ob das Portfolio tatsächlich nachhaltig ist und wenn ja, in welchem Umfang.

Beauty Contest – die mündliche Verteidigung des Anlagekonzepts

Während die Transparenz und der innovative Ansatz des Unternehmens geschätzt werden, kann das vorgelegte Konzepte insgesamt nicht alle Jury-Teilnehmer überzeugen. Besonders die Handhabung spezifischer Anforderungen wie der Nachhaltigkeit und der steuerlichen Behandlung werden als verbesserungswürdig bezeichnet. Auch an der Vortragsgestaltung kann das Haus noch feilen.

Investmentkompetenz

Ein zentraler Diskussionspunkt in der Diskussion der Jury nach der Präsentation des Anlagekonzepts durch HRK LUNIS ist die Risikodiversifikation. Kritiker in der Jury bemängeln eine zu starke Konzentration auf bestimmte Branchen, wie den Automobilsektor, die ein erhöhtes Klumpenrisiko darstellen. Obwohl die Transparenz der Einzeltitelauswahl gelobt wird, erscheint die tatsächliche Diversifikation des Portfolios vielen als ungenügend. In der Auswertung durch Quanvest, erfährt das Stiftungsportfolio eine mäßige Bewertung, in der Rückschau allerdings stimmen die Zahlen!

Transparenz

J.C. Flowers & Co. LLC und Mitarbeitende der HRK LUNIS AG sind die Eigentümer des Vermögensverwalters, der sich auf Wachstumskurs befindet. In 20 Stiftungen haben Kunden 432 Mio. Euro deponiert, die von HRK LUNIS bzw. den neun spezialisierten Mitarbeitern im Haus verwaltet werden. Mit sieben Jahren ist die durchschnittliche Verweildauer der Mitarbeiter in dem noch jungen Unternehmen hoch. Mit der Teilnahme an den Performance-Projekten der FUCHS | RICHTER Prüfinstanz beweist HRK LUNIS eine deutliche Wettbewerbsorientierung.

Stiftungsservice

Der Serviceangebot ist für einen, bereits größeren Vermögensverwalter angemessen. Neben organisatorischen und personellen Hilfestellungen bietet das Haus Informationsveranstaltungen zu Stiftungsgründungen.

Fazit: HRK LUNIS zeigt, dass man bereit ist, auch für Stiftungen dieser Größenklasse eine Extrameile zu gehen. Dennoch hat das Anlagekonzept noch ein paar unaufgeräumte Ecken und der Vermögensverwalter sollte an seiner Präsentation feilen. Auch bei der Darstellung der Investmentkompetenz bleiben Fragen offen. Der Kern der Dienstleistung rechtfertigt für Stifter den Zeitaufwand eines Gesprächs.

Lesen Sie weitere Berichte in den Rating-News der FUCHS|RICHTER Prüfinstanz zum Stiftungsmanagement.

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