Auf dem Weg, aber nicht am Ziel: Die Herausforderungen für die Hoerner Bank AG
Hoerner Bank AG: Nachhaltigkeit als Pflicht und Option
Nachhaltigkeit ist längst zu einem zentralen Kriterium für die Zukunftsfähigkeit von Banken geworden. Auch die Hoerner Bank AG hat diesen Trend erkannt und ihre Strategie in den vergangenen Jahren neu ausgerichtet. Seit 2023 verfolgt das Institut eine eigene Nachhaltigkeitsstrategie, die insbesondere in der Vermögensverwaltung konsequent umgesetzt wird.
Standardisierte Portfolios erfüllen durchgängig die Anforderungen des Artikels 8 der Delegiertenverordnung, sodass nachhaltige Kriterien hier verpflichtend sind. Individuelle Mandate hingegen können weiterhin flexibel gestaltet werden, sofern dies dem Wunsch des Kunden entspricht.
Beratung zwischen Systematik und Zurückhaltung
Im Beratungsgespräch nimmt das Thema Nachhaltigkeit einen festen Platz ein. Bei jedem Reporting sowie bei jeder neuen Anlage sprechen die Berater das Thema aktiv an und klären über die Möglichkeiten auf, nachhaltige Präferenzen zu berücksichtigen. Eine eigens entwickelte Beratungshilfe sorgt dafür, dass alle Kunden einheitlich informiert werden.
Gleichzeitig zeigt sich jedoch eine gewisse Zurückhaltung auf Kundenseite: Viele Mandanten äußern keine konkreten Präferenzen oder bleiben beim Thema ESG abwartend. Dennoch liegt der Anteil vollständig nachhaltiger Portfolios laut Selbstauskunft bei rund 90 Prozent – ein Wert, der vor allem durch die starke Gewichtung standardisierter Lösungen zustande kommt.
Interne Steuerung durch das Vorstandskomitee
Die Steuerung des Themas Nachhaltigkeit erfolgt bei der Hoerner Bank auf höchster Ebene: Ein internes Komitee unter Leitung des Gesamtvorstands trifft regelmäßig Entscheidungen zu ESG-Themen und Produktpolitik. Unterstützt wird es von zwei Mitarbeitern, die sowohl gesetzliche Grundlagen als auch interne Weiterentwicklungen vorantreiben.
Alle zehn Berater des Hauses sind laut Angabe zu nachhaltigen Vermögensfragen geschult, regelmäßige Erfahrungsrunden sorgen für einen kontinuierlichen Austausch zum Thema ESG innerhalb des Teams.
Investmentprozess mit klaren Strukturen
Die Integration von Nachhaltigkeitskriterien in den Investmentprozess ist bei standardisierten Portfolios zwingend vorgeschrieben. Ausschlusskriterien, ESG-Indizes als Benchmarks sowie externe Ratings – etwa von MSCI – bilden das Fundament für Anlageentscheidungen im Sinne verantwortungsvoller Geldanlage.
Veränderungen am Investmentprozess wurden zuletzt vor allem durch regulatorische Vorgaben angestoßen: So wurde etwa die Abfrage von Nachhaltigkeitspräferenzen systematisch in den Kaufprozess integriert, neue Research-Quellen erschlossen und nachhaltige Benchmarks eingeführt.
Produktangebot ohne Mindesthürden
Ein Pluspunkt für Anleger ist das Fehlen eines Mindestanlagevolumens für nachhaltige Investments – so können auch kleinere Vermögen an den ESG-Standards partizipieren. Wer gezielt in Einzeltitel investieren möchte, kann dies ab einer Summe von 500.000 Euro tun. Diese Hürde liegt vergleichsweise zu anderen Anbietern niedrig.
Das Produktangebot umfasst Fonds, Vermögensverwaltungen sowie einzelne Wertpapiere mit nachhaltigem Fokus. Investitionen in KMUs sind allerdings nicht möglich.
Transparenz mit Verbesserungspotenzial
Obwohl ein eigenständiges Nachhaltigkeitsreporting existiert, ist dieses bislang nicht öffentlich zugänglich – ein Manko hinsichtlich externer Transparenz gegenüber Kunden und Öffentlichkeit. Immerhin veröffentlicht die Bank ihre aktuelle Position im ESG-Kontext auf ihrer Homepage.
In puncto Kosten zeigt sich das Haus kundenfreundlich: Für nachhaltige Anlagen entstehen keine zusätzlichen Gebühren für den Kunden, lediglich intern fallen Mehraufwände durch erweitertes Research an.
Individualisierung versus Standardisierung
Während standardisierte Portfolios konsequent nach Art.-8-Kriterien gemanagt werden, bleibt Raum für individuelle Wünsche – auch jenseits von ESG-Vorgaben –, sofern dies explizit vom Kunden gewünscht wird. Diese Flexibilität ermöglicht maßgeschneiderte Lösungen, birgt aber zugleich das Risiko einer Verwässerung des eigenen Anspruchs an ganzheitliche Nachhaltigkeit.
Die hohe Quote nachhaltiger Portfolios resultiert daher weniger aus einer aktiven Nachfrage seitens der Kundschaft als vielmehr aus dem strategischen Fokus des Hauses auf standardisierte Angebote.
Externe Expertise und Kooperationen
Die Hoerner Bank nutzt externe Datenquellen wie MSCI zur Bewertung von Investments nach ESG-Kriterien. Kooperationen außerhalb klassischer Ratingagenturen sind jedoch kaum ausgeprägt oder detailliert beschrieben worden.
Das interne Komitee beurteilt verschiedene Ratings nach eigenen Kriterien innerhalb zuständiger Gremien – eine hauseigene Ratingmethodik existiert jedoch nicht in vollem Umfang.
Mitarbeiterausbildung mit Fragezeichen
Laut Institut sind alle Berater zu nachhaltigen Vermögensfragen geschult, diese Angabe steht jedoch im Widerspruch zum Vorjahreswert von lediglich zwei Prozent und bleibt ohne nähere Erläuterung wenig plausibel. Fortlaufende Weiterbildung findet über regelmäßige Erfahrungsrunden statt, dedizierte Schulungsprogramme oder Zertifizierungen werden nicht explizit genannt.
Auch wenn zwei Berater als Spezialisten ausgewiesen werden, bleibt offen, wie tief deren Expertise tatsächlich reicht oder ob sie über branchenübliche Standards hinausgeht.
Bewertung im Branchenvergleich
Im aktuellen FUCHS|RICHTER-Ranking erreicht die Hoerner Bank AG 61,6 Punkte – ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr („Upgrade“). Damit verbleibt sie jedoch weiterhin auf „Lehrlings“-Niveau und kann sich weder qualitativ noch quantitativ entscheidend vom Wettbewerb absetzen.
Branchenführer wie Globalance oder FERI setzen deutlich höhere Maßstäbe bei Innovationskraft, Transparenz sowie institutioneller Verankerung von Nachhaltigkeitsthemen – hier besteht für die Hoerner Bank weiterhin Nachholbedarf.
Ausblick bleibt verhalten optimistisch
Der Ausblick fällt dennoch positiv aus: Die Verantwortlichen betonen weitere Schritte zur Steigerung des eigenen Nachhaltigkeitsscores sowie eine stärkere Verankerung entsprechender Prinzipien in Unternehmensführung und -kultur.
Ob dies genügt, um mittelfristig Anschluss an führende Häuser zu finden oder gar neue Akzente zu setzen, bleibt abzuwarten – entscheidend wird sein, ob strategische Ambitionen künftig auch durch operative Exzellenz untermauert werden können.
Die Hoerner Bank AG hat ihre ESG-Strategie geschärft und setzt insbesondere bei standardisierten Portfolios konsequent auf nachhaltige Kriterien nach Art. 8 der Delegiertenverordnung. Trotz klar erkennbarer Fortschritte stagniert das Haus im aktuellen FUCHS|RICHTER-Ranking weiter auf Lehrlingsniveau (61,6 Punkte) und bleibt hinter den Branchenführern zurück. Während Flexibilität für individuelle Kundenwünsche geboten wird, fehlt es noch an Innovationskraft sowie externer Transparenz – Potenzial zur Weiterentwicklung ist vorhanden, doch echte Differenzierung steht noch aus.