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Fuchsrichter Logo Nachhaltigkeit in der Beratung – Rating 2023/24 – FUCHS|RICHTER-Score: 73,7 – Rating: Geselle

Bank im Bistum Essen (BIB): Ein Geselle, der etwas in die Jahre gekommen ist …

Geselle im Rating Nachhaltigkeit 2023. © FUCHS | RICHTER Prüfinstanz, Verlag Fuchsbriefe
Die BIB hat verstanden, was Nachhaltigkeit im Private Banking bedeutet. Jedoch hat sie in der Umsetzung ihre eigene Weltanschauung sowie den Regulator und seine Vorschriften mindestens ebenso im Blick wie den Kunden als Individuum. Das führt zu einem Gesamteindruck mit Licht und Schatten.

„Das Prinzip der Nachhaltigkeit drücken wir mit unserer Marke ‚BIB FAIR BANKING‘ aus. FAIR BANKING ist für uns gleichbedeutend mit Nachhaltigkeit und steht für die Einbeziehung ökonomischer, sozialer und ökologischer Aspekte in all unsere Geschäftsentscheidungen.“ So fasst die BI, die im Jahr 1966 als Darlehnskasse im Bistum Essen eGmbH gegründet wurde, ihre Handlungsprinzipien zusammen. Unter ökonomischer Nachhaltigkeit versteht die gemeinnützige Bank professionelles Agieren am Markt, eine effiziente und produktive Geschäftsabwicklung sowie ein professionelles Risiko-/ Renditemanagement. Langfristige Existenzsicherung setze (zwar) auch die Erwirtschaftung angemessener Erträge voraus. Ein Ziel der Gewinnmaximierung verfolgt die BIB dabei nicht.

Prinzipien sind das eine, wie man sie lebt, das andere. Die BIB – so viel lässt sich sagen – folgt als Bank ihrer Richtschnur. Nachhaltigkeit ist ein Menüpunkt gleich auf der Frontseite im Web: ein Signal, das die Bedeutung des Themas für die Bank unterstreicht. Die BIB begleitet gesellschaftliche Entwicklungen und Anliegen wie z. B. die Bewältigung des demographischen Wandels, die Schaffung bezahlbaren Wohnraums, die Erlangung respektive Sicherstellung von Gleichberechtigung und sozialer Teilhabe, aber auch die Abschwächung des Klimawandels und der daraus resultierenden Auswirkungen. Die Vertreter im Nachhaltigkeitskomitee, das die Bank installiert hat, treffen sich zweimal jährlich. Dem Komitee obliegt ganz allgemein die Weiterentwicklung der Nachhaltigkeitsstrategie des Hauses.

In manchen Belangen Luft nach oben

Allerdings – gemessen an Best Practice im Markt – hat sie an so mancher Stelle noch Luft nach oben, was Nachhaltigkeit im Private Banking betrifft. Im Anlagekonzept und Beauty Contest für Stiftungen haben wir schon Licht- und Schattenseiten kennengelernt: hohe Kompetenz, aber auch das Bohren von dünnen Brettern. Insbesondere in der jüngeren Zeit haben die Präsentationen der Bank nicht immer überzeugt. Das Thema Nachhaltigkeit wird zwar in den Grundsätzen der Bank beschrieben, aber wie einzelne Titel nach den Vorgaben des Kunden im Portfolio berücksichtigt werden, bleibt unklar. Marketingsprüche wie: "Wir geben Ihrem Kapital eine andere Richtung", sind eher ärgerlich als erhellend, solange nicht klar wird, welche. Wie stark ist der Richtungswechsel? Auch der Impact der einzelnen Investments erschließt sich nicht: Was bewirkt das Portfolio im Sinne von Nachhaltigkeit (ESG)? Dennoch hat uns die Bank schon gezeigt, dass sie das Thema kann; es fehlt somit an Nachhaltigkeit beim Qualitätsmanagement.

Die BIB-Kunden wollen Nachhaltigkeit

Alle acht aktiven Berater, so die BIB wurden und werden zum ECO-Anlageberater ausgebildet. Es folgen laufende Auffrischungen und Vertriebs- und Produktschulungen. Die Quote der Kunden, die sich zumindest zu einer zumindest teilweise nachhaltigen Vermögensanlage entscheiden, ist mit 85% sehr hoch. Dabei gelte bei institutionellen Kunde eine 100%-Quote, bei privaten 75%. Das zeugt von einer starken Affinität der Kundschaft zu den Prinzipien der Nachhaltigkeit und wohl auch einem gewissen moralischen Impetus bei dieser kirchennahen Bank. Mit 80% ist der Anteil an Portfolio, die zumindest teilweise nach nachhaltigen Kriterien gemanagt werden, ebenfalls sehr hoch.

Bei der Auswahl nachhaltiger Investmentprodukte ist die BIB in einem erhöhten Masse von den Vorgaben der US-Ratingagentur MSCI abhängig, denn deren Urteil ist die Grundlage für die Auswahl der Investmentprodukte. Dazu zählen Einlagen bei der BIB, Aktien, Renten, Immobilien, Mikrofinanz, Alternative Investments i.d.R. als Fondslösungen – also eine doch ungewöhnlich breite Palette, die auch mit Expertise hinterlegt ist.

Investmentprozess kann Auffrischung vertragen

Der Investmentprozess stützt sich wesentlich auf das Ausschlussverfahren, bei dem nicht nachhaltige Investment aussortiert werden und dem Best-in-Class-Ansatz, der eine positive Entwicklung in Richtung auf nachhaltiges Wirtschaften und Management eines Unternehmens honoriert. Auf dem Index der BIB stehen Atomenergie, Sucht (Glücksspieleinrichtungen, Produktion von Tabakwaren oder Spirituosen), Pornographie, Rüstung, Fossile Energie, Embryonale Stammzellenforschung, Abtreibung, Kontroverse Geschäftspraktiken. Neben diesen Geschäftsfeldern schließt die Bank außerdem Unternehmen aus, die Menschenrechtsverletzungen, Kinderarbeit, Zwangsarbeit, Vereinigungsfreiheit, Diskriminierung, Korruption, Umweltverstöße aufweisen.

Bei Investitionen in Staatsanleihen ist Religionsfreiheit eine Voraussetzung, der Verzicht auf Nuklearwaffen, gezügelte Militärausgaben (nicht mehr als 4% vom BIP), keine Todesstrafe, geringe Korruption, Rücksicht auf Biodiversität. Totalitäre Regime und Steueroasen sind tabu. Kurz: Das Wertesystem der Bank hat einen hohen Stellenwert, der Kunde muss also zur Bank passen oder sich mit gewissen Einschränkungen an Individualität abfinden. Insgesamt ist der Investmentprozess zwar strukturiert und durchdacht, aber gemessen am Markt nicht mehr State-of-the-Art. Positiv ist die niedrigen Eintrittsbarriere: ab 500.000 EUR ist bei der BIB eine nachhaltige Vermögensverwaltung möglich.

Fazit: Die BIB identifiziert sich stark mit dem Thema Nachhaltigkeit. Sie ist dazu im Private Banking solide aufgestellt, aber kein Vorreiter. In der Kundenberatung wäre ein nachhaltiges Qualitätsniveau wünschenswert, der Investmentprozess könnte eine Überarbeitung vertragen, ebenso die Gestaltung der Anlagevorschläge aus Kundensicht; hier ließe sich noch mehr Transparenz herstellen. Kurz: Ein Geselle, der etwas in die Jahre gekommen ist …

Weitere Infos zum Thema

Hinweis: Das Rating «Nachhaltigkeit im Private Banking» der FUCHS | RICHTER Prüfinstanz wurde auf Basis einer Frageboge-Umfrage und diverser Markttest erstellt, die geschulte Tester durchgeführt haben. Das Rating bewertet insbesondere die Berücksichtigung und Umsetzung von Nachhaltigkeit im Gesamtunternehmen, die Mitarbeiterschulung, die Berücksichtigung und Umsetzung in der Kundenberatung sowie die Akzeptanz des individuellen Wertesystems des Kunden im Beratungsgespräch und Portfolio.

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