Commerzbank: Äußerst vage, aber nachhaltig
Große Häuser haben es schwer, Kundennähe zu zeigen: Die internen Kommunikationswege sind länger, die Abstimmungen zwischen den vielen handelnden Personen scheinen schwieriger. Dies trifft auch für die Commerzbank zu, die es in ihrer Präsentation an Vielem vermissen lässt.
Schon der Beginn ist holprig: schlechte Kameraeinstellungen, Übertragungsschwierigkeiten, so dass einer der vier Vortragenden schließlich telefonisch an der Online-Präsentation teilnehmen muss. Und es wird im Laufe der Präsentation kaum besser. Das eigentliche Kundenanliegen haben die Commerzbanker nicht erkannt und fokussieren stattdessen auf das Thema „Nachhaltigkeit“. Das Sicherheitsbedürfnis der Familie und der Wunsch nach regelmäßigen Entnahmen finden keinen Eingang in den wenig unterhaltsamen Vortrag. Die Einleitung ist umständlich und zeitintensiv. Zudem wird sie nicht von den Folien untermauert. Erst nach 10 Minuten ist das Team mit der Präsentation à jour. Rein äußerlich hat die schriftliche Präsentation einen dialogischen Charakter. „Ihre Fragen“ und „Unsere Antworten“, so heißt es Schritt für Schritt bzw. Folie für Folie. Eigentlich eine gute Herangehensweise, doch geht die Bank in dem Zusammenhang widersprüchlich auf die Inflationsentwicklung ein: Für 2024 prognostiziert die Großbank für den Euroraum eine Inflationsrate von 2,3 %. Dies ist schwer mit der Aussage in Übereinstimmung zu bringen, dass man die Inflation „längerfristig deutlich über 2 % liegen“ sehe. Mit Renditeprognosen hält man sich vornehm zurück. Schließlich wolle man sich nicht in eine „Prognosespirale“ begeben und belässt es deshalb lieber vage bei vier, fünf oder sechs Prozent p. a. auf Sicht der nächsten zehn Jahre.
Investmentprozess: Es bleiben Wünsche offen
Die strategische Asset Allokation leiten die Banker von den makroökonomischen Daten ab. Der Aktien- und Anleihenanteil ist in etwa gleich gewichtet. Die Cash Position macht aktuell 3 % aus. Im Aktienbereich investiert die Commerzbank vorwiegend über Einzeltitel und einzelne ETFs. Im Rentenbereich ist der Anteil an ETFs deutlich höher. Stolz erklärt das Team, dass die nachhaltige Vermögensverwaltung auf eine Leistungsbilanz von etwa zehn Jahren zurückblicke. Beim Best-In-Class-Ansatz greife man auf das Research von MSCI Sustainability zurück. Ansonsten spielen Ausschlusskriterien, die CO2-Intensität sowie mögliche Impact-Aspekte eine Rolle.
Am besten gefällt der Jury am Ende der Preis: 0,65 % inkl. MwSt. ist sehr günstig. Allerdings hat die Präsentation nicht „Lust auf mehr“ gemacht. Auch wenn Folie für Folie eine Antwort suggeriert, so ist das Kundenanliegen doch deutlich zu kurz gekommen. Der Vortrag war wenig abwechslungsreich. Von Teamgeist war nicht viel zu spüren. Konkrete Fragen zur Renditeprognose, der damit zusammenhängenden Ausschüttungsquote sowie einem möglichen Kapitalerhalt (oder Kapitalverzehr) blieben unbeantwortet.