Deutschland, Österreich und die Schweiz entdecken ESG neu
Die Finanzbranche verlässt die ESG-Kindheit
Am Anfang steht eine bemerkenswerte Zahl: 94 Prozent der Teilnehmer des deutschen VfU-Themenradars beobachten eine deutliche Verschiebung der Nachhaltigkeitsagenda hin zu Risiko- und Compliance-Themen. ESG verliert damit seine Rolle als Spezialthema und wird zu einem Bestandteil der Kernsteuerung von Finanzinstituten. Für die Untersuchung befragt der Verein für Umweltmanagement und Nachhaltigkeit in Finanzinstituten 154 Fachleute aus Banken, Sparkassen, Versicherungen, Wissenschaft, Aufsicht, Verbänden und Beratung. Die Experten beantworten Fragen zu den wichtigsten Aufgaben, regulatorischen Herausforderungen und strategischen Prioritäten der Finanzbranche für das Jahr 2026.
Die Ergebnisse zeichnen ein außergewöhnlich klares Bild. Die Identifizierung und Bewertung von Klimarisiken steht mit 44 Prozent an der Spitze aller Aufgaben. Es folgen die Entwicklung von Transitionsplänen für die schrittweise Dekarbonisierung von Geschäftsmodellen mit 40 Prozent sowie die Umsetzung der EBA-Leitlinien zum Management von ESG-Risiken und Transitionsplänen mit 36 Prozent. ESG-Datenintegration erreicht 34 Prozent, die Nachhaltigkeitsberichterstattung nach CSRD beziehungsweise HGB folgt mit 32 Prozent. Damit dominieren keine Marketing- oder Produktfragen mehr die Agenda, sondern Risiko-, Daten- und Steuerungsthemen.