Die Commerzbank startet gut ins Rennen
Im nachfolgenden Beratungsgespräch per Videokonferenz knüpft der Berater an die vorherige sehr gute Leistung im Vorgespräch an. Er nimmt, wie er selbst sagt, kein Blatt vor den Mund und benennt Probleme offen. So bekennt er, dass die Bank im Jahr 2021 nicht so erfolgreich abgeschnitten hat, über die Jahre die Benchmark aber meist schlagen konnte. Doch was wünscht sich der Kunde eigentlich?
Was die Familie umtreibt
Unser Kunde vertritt eine Familie, die ihren erheblichen Immobilienbesitz weitestgehend zu Geld gemacht hat. Den beträchtlichen Erlös aus dem Verkauf – insgesamt rund 20 Millionen Euro – will sie nun klug anlegen. Der Erlös wird auf zwei Familienstämme aufgeteilt.
Einer davon, auf den 10 Millionen Euro übergegangen sind, möchte zwei kompetente Partner für die Vermögensanlage finden, denen sie jeweils rund 5 Millionen Euro anvertrauen möchte. Die Familie wünscht sich Vorkehrungen, um den Risiken dieser „unruhigen Zeiten“ richtig zu begegnen. Auch auf Nachhaltigkeit legt sie Wert. Zudem müssen jährlich Liquiditätsanforderungen erfüllt werden.
Keine Kinderarbeit
Nachdem vor allem das Thema Nachhaltigkeit ausführlich und erfrischend aufgeschlossen diskutiert ist, schlägt der Berater eine Kombination aus Vermögensverwaltungs-Depot und Advisory-Depot (Beratungsmandat) vor, das nicht jede Woche verändert werden muss, aber trotzdem den Parametern des Kunden entspricht.
Die Aktienquote sieht er derzeit bei 75 Prozent, sonst eher bei 50 Prozent. Rohstoffe hält er für ein Problem in der Anlage, da sie wenig nachhaltig sind. Daran beteilige man sich höchstens über Indizes. „Wir wollen keine Kinderarbeit dabei haben“, betont der Berater. Aber Gold sei natürlich zur Risikodiversifikation wichtig.
Ausschüttung gesichert
Auf diese Weise sei man in der Lage, die gewünschte jährliche Ausschüttung zu erwirtschaften. Dafür seien eine breite Streuung und viele Währungen nötig. Das kommt den Intentionen des Kunden entgegen.
Insgesamt empfindet der Kunde die Beratung als hochwertig. Er fühlt sich als ebenbürtiger Gesprächspartner beachtet. Seine Fragen, Einwürfe und Hinweise greift der Berater freudig auf und hält mit seiner Meinung nicht hinterm Berg. So meint er, dass Branchen jederzeit ausgeschlossen werde können, da man nicht wisse, was morgen für Player auf den Markt kommen. Das ist inspirierend.
Nachhaltiges Investment gut dargestellt
Der Anlagevorschlag ist mit 80 Seiten ein echtes Schwergewicht. Schade, dass erst auf Seite 59 die Ausgangslage des Kunden dargestellt wird. Vorher geht es allgemein um Nachhaltigkeit und den Investmentprozess: Alles fraglos wichtige Themen, aber sie bleiben ohne direkten Bezug zum Kunden.
Vorbildlich ist die Darstellung des nachhaltigen Investierens der Commerzbank anhand konkreter Beispiele aus verschiedenen Branchen, wie SAP, Amgen, EDP Renovaveis, Microsoft und Legrand. Im ESG-Rating liegt das Portfolio der Commerzbank im Bereich A (21,9 Prozent), AA (40,6 Prozent) und AAA (37,5 Prozent). Also 100 Prozent A.
Benchmark im Blick
Hier heißt es: „In dem sehr anspruchsvollen Jahr 2022 konnten wir mit unseren nachhaltigen Profilen erfreuliche Ergebnisse erzielen. Obwohl wir aufgrund unseres Nachhaltigkeitsansatzes auf Energiewerte verzichtet haben und damit den einzigen Sektor mit einer positiven Wertentwicklung im Jahr 2022 nicht allokieren konnten, lagen wir auf dem Niveau der Benchmark.“ Das sind gute Nachrichten.
Rendite und Risiko behandelt der Vorschlag fundiert und nachvollziehbar, vor allem, wie durch breite Streuung Risiken minimiert werden können. So ausführlich ist das nicht immer der Fall.
Breite Streuung
Die Anlage soll laut Vorschlag in Höhe von etwa 4,6 Millionen Euro in die Vermögensverwaltung Nachhaltigkeit investiert sein und mit 400.000 Euro in ein Advisory Depot, das die Rohstoffe und situativen Währungsopportunitäten abdeckt. Das klingt vernünftig.
Sowohl Depot- als auch Währungsstruktur des „Musterportfolios“ zeigen, dass die Commerzbank den Wunsch des Kunden nach möglichst breiter Streuung verstanden hat. Neben 49 Prozent Aktien Europa und 23,7 Prozent Aktien USA werden im Aktienbereich Japan und Emerging Markets mit jeweils gut 4 Prozent berücksichtigt (insgesamt 81,6 Prozent). Der Anleihenbereich wird von Unternehmensanleihen beherrscht (insgesamt 10,05 Prozent), dazu kommt Liquidität in Höhe von 8,4 Prozent.
Prognose zur Inflation
Auf Nachfrage erhält der Kunde konkrete Angaben zur Bruttorendite – 20 Prozent für 5 Jahre – , wobei man beim Aktienportfolio mit 7 bis 9 Prozent p.a. rechnet und bei den Anleihen mit 4 bis 5 Prozent. Was die Inflation betrifft, geht die Bank für 2023 von über 5 Prozent und für 2024 von gut 4 Prozent aus. Danach sollte sie sich für die nächsten Jahre bei 3 Prozent einpegeln.
Die Kosten werden mit 0,65 Prozent p.a. zuzüglich einer 10-prozentigen Performancefee nicht sehr transparent dargestellt.
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2021 (TOPs 2021)
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Mail www.commerzbank.de/wealth-management/
Die Commerzbank liefert im Beratungsgespräch und Anlagevorschlag (aus Laiensicht) eine gute Leistung ab, die sie zu einem Anwärter auf einen der vorderen Plätze der diesjährigen TOPs macht.
Keine Frage: Die Commerzbank schafft es in diesem Jahr in den Endausscheid.