Die Schweiz zeigt sich zugeknöpft
"Made in Switzerland": Was einst als Siegel für Qualität im Private Banking galt, ist in die Jahre gekommen und gibt angesichts der Testergebnisse nicht mehr so viel her. Dabei sollte der derzeitige Hype um das Thema "Nachhaltigkeit" den Schweizern eigentlich in die Hände spielen. Schließlich haben die Schweizer Privatbanken im Verbund mit ihren Fondsgesellschaften eine Vorreiterrolle bei Nachhaltigkeitsthemen wie "Wasser", Healthy Living", "Alternative Energien" etc. eingenommen. Die Rede ist u. a. von Häusern wie Pictet, Vontobel und Sarasin. Warum also findet sich unter den 12 TOP-Häusern in diesem Jahr nur ein einziges Institut aus der Schweiz?
Eine hohe Beratungsqualität, doch...
An der Beratungsqualität liegt es nicht. Denn bei den anstehenden Themen wie Megatrends und Nachhaltigkeit haben die Schweizer auf einem hohen Niveau beraten. Und auch beim Thema Private Equity haben die Banker zum Teil mehr zu bieten als im übrigen DACH-Raum. Oft überzeugen die Berater im Erstgespräch und lassen den Kunden voller Vorfreude auf alles Weitere zurück.
So finden sich in der Disziplin "Beratungsgespräch" unter den sieben als "sehr gut" qualifizierten Instituten zwei Schweizer Häuser (Globalance Bank und Mirabaud & Cie, Banquiers Privés). Und unter den 15 mit "gut" bewerteten Finanzdienstleistern sind immerhin vier Schweizer anzutreffen (Credit Suisse Private Banking, Societé Génerale Private Banking (Suisse) SA, Banque Privée Edmond de Rothschild SA, Pictet & Cie (Schweiz).
...wenig Transparenz
Wenn also die Schweiz im Private Banking unter den Spitzenplätzen bis auf die Globalance Bank gar nicht mehr vertreten ist, so hängt dies nicht mit einer fehlenden Fachkompetenz oder mangelnder Empathie im Beratungsgespräch zusammen. Verantwortlich dafür sind mehrere Faktoren: Ein Grund ist die mangelnde Transparenz. Die Schweizer zeigen sich beim Beantworten des Transparenzfragebogens eher zugeknöpft und die durch eine gute bis sehr gute Beratungsleistung hervorstechenden sechs Institute tauchen unter den TOPs in Sachen Transparenz erst gar nicht auf. Die einzige Ausnahme ist die Globalance Bank.
...und sehr viel Standard
Ein weiteres – im Grunde noch gravierenderes – Problem: Häufig ist die mündliche Beratung in der Schweiz bereits der Höhepunkt. In dem Moment, in dem eigentlich nur noch "geliefert" werden müsste, kommt nicht (mehr) viel. Entweder – was nicht selten vorkommt – verzichtet man ganz auf eine Nachbetreuung. Oder der Kunde bekommt bestenfalls einen Standardvorschlag zugesandt.
In wenigen Fällen darf er sich dann darüber freuen, auf dem Deckblatt den eigenen Name lesen zu können. Wohlgemerkt, fachlich und atmosphärisch hat Vieles gestimmt. In keinem anderen Land wurden die möglichen Neukunden gleich für das Erstgespräch zum Businesslunch eingeladen. Doch wurde die Mahlzeit eben nicht durch einen Nachtisch bzw. die erforderliche Nacharbeit abgerundet.
Imagearbeit scheint notwendig
Es scheint, als hätten die Schweizer Privatbanken ihre besten Zeiten hinter sich. Aus Sicht vieler Kunden stimmt das Preis-Leistungsverhältnis nicht mehr. Nachbarstaaten wie Österreich und Liechtenstein haben in der Hinsicht mehr zu bieten. Nicht ohne Grund erleben wir auch in der Schweiz seit vielen Jahren eine Konsolidierungswelle. Der Binnenmarkt schrumpft und aus dem Nachbarland Österreich ziehen sich die großen Schweizer Banken wie UBS und Credit Suisse zurück. Die "großen" Namen stehen eben nicht mehr in positiver Hinsicht für ein "Made in Switzerland", sondern ganz im Gegenteil tragen die Großbanken UBS und Credit Suisse zu einem negativen Image der Schweizer Bankenwelt bei. Insofern stellt sich auch für die Schweizer die Herausforderung, mit neuen Themen zu punkten bzw. an die eigene Expertise – etwa im Bereich Nachhaltigkeit – anzuknüpfen und sich wieder einem größeren Kundenkreis zu öffnen und nicht nur gegenüber den "Happy Few", angesichts der hohen Einstiegshürde.