Hoffnungsschimmer aus der Schweiz
Drei Schweizer Anbieter sind im aktuellen Ranking unter den TOPS – den Häusern, die es bis in die Endrunde geschafft haben. Das ist keine Selbstverständlichkeit, blieb die Beratungsleistung in der Schweiz doch in der Regel aufgrund fehlender Ganzheitlichkeit, mäßiger Empathie und im Marktvergleich wenig kundengerechten Anlagekonzepten hinter der Konkurrenz aus Österreich, Deutschland und Liechtenstein zurück.
Die Globalance Bank, die sich dem Themenkomplexen Megatrends und Nachhaltigkeit verschrieben hat, zeigt seit einigen Jahren, dass es auch anders – viel besser – geht. In diesem Jahr haben zudem die Bank Vontobel und die Luzerner Privatbankiers von Reichmuth & Co. überzeugt und sind in die Riege der empfehlenswerten Banken im deutschsprachigen Raum aufgestiegen.
Lern-Resistenz in der Schweiz
Der derzeit gern gebrauchte Begriff „Resilienz“ – Widerstandsfähigkeit – schient im schweizerischen Private Banking auf ganz eigene Art ausgelegt zu werden. Erstaunlich ist, wie viele Banken in der Schweiz sich resistent zeigen und über die Jahre hinweg immer „den gleichen Stiefel“ pflegen, anders ausgedrückt: In Sachen Kundenorientierung wenig hinzulernen. Davon ausnehmen können wir in diesem Jahr die Rothschild & Co Bank sowie Maerki Baumann, die beide beinahe Endrundenteilnehmer geworden wären. Die Frankfurter Bankgesellschaft (Schweiz) hat schon deutlich bessere Leistungen und Kundenorientierung im Beratungsgespräch und Anlagevorschlag gezeigt. Sie bessert ihr Punktekonto wenigstens durch Transparenz bei Zahlen und Fakten auf.
Spätestens ab BNP Paribas (Suisse) sind die Kundenerlebnisse steigerungsfähig und im unteren Tabellen-Drittel enttäuschend. Hier war wenig Interesse am Kunden zu erkennen und ebenso wenig Bereitschaft, auf den Kunden einzugehen und ihm eine Erstberatung zu geben, die „Lust auf mehr“ geweckt hätte. Zwar sind die Häuser in der Schweiz oftmals auf Kunden mit höheren Anlagevolumina abonniert. Aber eine Familie mit einem flüssigen Vermögen von 10 Mio. Euro weist auch hier kein Anbieter zurück.
Magere Bilanz in Liechtenstein
Die liechtensteinischen Häuser haben in diesem Jahr eine eher magere Bilanz vorzuweisen. Nur die Kaiser Partner Privatbank – seit dem Wechsel in der Leitung des Hauses ein Shooting Star in Liechtenstein – schafft es diesmal unter die Goldmedaillenträger, die ein sehr gut für ihre Gesamtleistung verdient haben. Die LGT Bank, sonst ein sicherer Kandidat für die TOPS, überzeugte den Kunden diesmal im Wettbewerbsvergleich nicht so wie sonst. Nicht schlecht, lautete das Urteil, aber nicht gut genug, um ihr vor anderen Kandidaten für die Endrunde den Vorzug zu geben.
Die Liechtensteinische Landesbank zeigte sich ungewohnt umständlich, ja formalistisch im Erstkontakt, womöglich aus einer gewissen Unkenntnis des deutschen Unternehmensrechts heraus und im Bemühen, dem Grundsatz „Kenne deinen Kunden“ gerecht zu werden. Die Neue Bank scheint wiederum in einem Formtief; sie hat in früheren Jahren schon bessere Vorstellungen geliefert. Der Besuch bei der VP-Bank musste ausfallen, da der Kunde den Termin nicht wahrnehmen konnte. Dennoch ist Liechtenstein als Private Banking Standort immer eine Reise wert.
Ewige Bestenliste: Die Schweiz bleibt zurück
Das aktuelle Bild deckt sich weitgehend mit der Langzeitbetrachtung. Die Ewige Bestenliste sieht vor allem die Globalance Bank aus der Schweiz beständig vorrücken. Sie macht aufgrund mehrerer Spitzenleistungen langsam auch dem einige Jahre unbedrängten Bankhaus Carl Spängler aus Österreich Konkurrenz. Aus Liechtenstein ist die LGT Bank auf Platz 3 der Ewigen Bestenliste durch hohe Kontinuität bei Top-Leistungen vorgerückt. Die Liechtensteinische Landesbank hält rang 8 und auch die Neue Bank ist noch unter den Top 10 der Ewigen Bestenliste Private Banking.
Schweizer Adressen kommen hier erst wieder im vorderen Mittelfeld vor. Die Frankfurter Bankgesellschaft (Schweiz) schafft es gerade mal auf rang 22, Vontobel hat sich wenigstens auf Platz 29 vorgekämpft, Julius Bär fällt jedoch immer weiter zurück und landet inzwischen auf Platz 31. Bis die Schweiz vordere Ränge in der Langzeitbetrachtung einnimmt, muss erst mehr Kontinuität bei Top-Leistungen her.