Kompetenz auf den Punkt gebracht
Beim Beauty Contest kommt es darauf an, die nüchternen Daten des Investmentprozesses anschaulich zu verpacken, die Anlagestrategie nachvollziehbar zu machen und mit dem Kundenanliegen sowie dem Anlagethema des Kunden zu verbinden. „Wie“, so lautete dessen Fragestellung, „kann ich als Anleger von den aussichtsreichsten Megatrends profitieren?“ Die Antworten, welche die Bankhäuser darauf gaben, fielen sehr unterschiedlich aus. Und auch bei der Fragerunde durch die Jury kamen sehr unterschiedliche Kompetenzen zum Vorschein. Einige nutzten sie, um sich nochmal fachlich zu profilieren. Anderen merkte man hingegen an, dass sie es nicht gewohnt waren, von einer Fachjury ins „Kreuzverhör“ genommen zu werden.
Vieles war stimmig, vieles aber auch nicht
Vieles hat beim diesjährigen Beauty Contest gestimmt: das Zeitmanagement bzw. das Einhalten des strikten Zeitplans durch die Teilnehmer, deren Rollenverständnis und deren klare Kompetenzzuweisung in der anschließenden Fragerunde sowie schließlich das Präsentieren vor der Kamera. Doch schon beim letzten Punkt muss einschränkend hinzugefügt werden, dass die Kameraeinstellungen nicht jedermanns Sache waren. Es mag zwar für die Verbundenheit der Banker untereinander sprechen, wenn sie an einem (Konferenz-) Tisch sitzen, doch geht der einzelne Vortragende leicht unter, wenn er nur aus der Ferne zu sehen und als Redner kaum zu identifizieren ist. Und auch die Abstimmung im Team hat nicht immer funktioniert. Des Öfteren waren die Redeanteile unter den Vortragenden sehr ungleich verteilt, wirkten einige Teilnehmer geradezu sprachlos.
Was die Präsentationen selbst betrifft, so haben nur wenige von ihnen durch Anschaulichkeit, also einprägsame Bilder und Grafiken überzeugen können. Viele Powerpointfolien bestanden aus schwer zu lesenden Textwüsten. Es scheint, als sei das 1x1 der Power Point Präsentation bei vielen Bankern noch nicht angekommen. So war es für die Jury nicht immer ein Vergnügen, den einzelnen Präsentationen zu folgen. Dies hat auch daran gelegen, dass einige Berater zu sehr an den Folien „geklebt“ haben und es zugleich versäumt haben, ihr Publikum durch ein gelungenes Storytelling zu unterhalten. Inhaltlich haben es sich viele Banken einfach gemacht, indem sie dem Megatrend „Nachhaltigkeit“ alles untergeordnet haben. Dabei kamen häufig weitere Megatrends zu kurz. Im Aufzählen der Megatrends und Zukunftsthemen waren viele Häuser gut. Doch wie unser Leben in 10 bis 20 Jahren aussehen könnte, wie sich dies in Geschichten verpacken lässt und wie der Anleger davon profitieren kann – damit waren die Berater überfordert. Ohne gleich in Science-Fiction abgleiten zu müssen, hätte sich die Jury hier mehr „Zukunftsstories“ gewünscht.