Nachhaltigkeit als Strategie? Ein Blick hinter die Kulissen der Banken
Nachhaltigkeit im Diskurs – aber wie?
Das Thema Nachhaltigkeit hat in der öffentlichen Diskussion einen Reifeprozess durchlaufen – von der moralisch aufgeladenen Forderung zur strategischen Daueraufgabe. Banken stehen dabei zunehmend unter Druck: Positionieren oder Position verlieren. Doch wie reflektieren die Institute den Diskurs? Wer begegnet dem ESG-Backlash mit Substanz – und wer duckt sich weg?
Einige Häuser zeigen bemerkenswerte Standfestigkeit. Die Bethmann Bank etwa gibt sich überzeugt vom Zukunftspotenzial nachhaltiger Strategien, erlaubt Kunden aber eine Wahlfreiheit – ohne ideologischen Druck. Sie untermauert ihre Haltung mit freiwilliger Transparenz wie einem eigenen Nachhaltigkeitsbericht. Auch FERI positioniert sich klar. Nachhaltigkeit sei ein ökonomischer Imperativ, sagt das Haus – und nutzt Irritationen im Markt, um eigene Positionen zu schärfen.
Vom Lippenbekenntnis zur Strategie?
Andere Häuser wie die LGT – sowohl in Österreich als auch in Liechtenstein – gehen noch weiter. Der Diskurs über ESG-Kritik wird aktiv im oberen Management und sogar im Stiftungsrat behandelt. Die Nachhaltigkeitsstrategie basiert auf Glaubwürdigkeit und Legitimität, eingebettet in klare Strukturen und flankiert von konkreten Engagements im Stiftungsbereich. Das ist nicht nur gut gemeint – sondern gut gemacht.
Auch Globalance, HRK Lunis und Hauck Aufhäuser Lampe liefern durchdachte Antworten. Sie ordnen das Thema klar in ihre Unternehmensstrategie ein, reflektieren regulatorische Anforderungen wie die CSRD und gehen differenziert auf Markttrends ein. Diese Häuser setzen nicht auf Zeitgeist, sondern auf Weitblick – ein starkes Signal an Kunden mit Langfristhorizont.
Substanzlosigkeit im Mittelfeld
Doch es gibt auch Schatten. Mehrere Institute antworten nur vage oder ausweichend – etwa die Hoerner Bank, die Laureus AG oder die Berliner Sparkasse. Manche Statements bleiben derart allgemein, dass Zweifel bestehen, ob überhaupt ein aktives Meinungsbild im Haus vorliegt. Auch Kaiser Partner und die Frankfurter Bankgesellschaft bleiben im Ungefähren. Dass Nachhaltigkeit wichtig sei, wird behauptet – warum und wie, bleibt offen.
Ein Sonderfall ist die Liechtensteinische Landesbank: Sie verweist auf ihre gesetzliche Verpflichtung zur Nachhaltigkeit – ohne eigene Haltung erkennbar zu machen. Das kann man pragmatisch nennen – oder ambitionslos. Auch bei Warburg & CO fehlen konkrete Daten, obwohl das Haus Nachhaltigkeit als Bestandteil seines Selbstverständnisses benennt.
Kundenfokus – aber mit Haltung?
Einige Banken stellen die Kundenperspektive in den Vordergrund – etwa die Alpen Privatbank oder Schelhammer. Sie erkennen, dass ESG nicht bei allen Anlegern gut ankommt, wollen aber ihre Strategie dennoch nicht opportunistisch anpassen. Es gilt: nicht belehren, sondern begleiten. Die Südwestbank geht sogar einen Schritt weiter: Der kritisch geführte Diskurs sei ein Ansporn, noch faktenbasierter und transparenter zu agieren.
Andere wiederum verweigern sich jeder Kurskorrektur, ohne dies zu erläutern – wie die Weberbank oder Value Experts. Das wirkt zwar stabil, lässt aber auch Interpretationsspielraum, ob Entwicklungen in der Diskussion überhaupt registriert werden. Wer Nachhaltigkeit glaubwürdig vertreten will, sollte folglich mehr bieten als bloßes Beharrungsvermögen.
Wer als Anleger nachhaltige Strategien verfolgt, sollte nicht auf Etiketten vertrauen, sondern auf Substanz achten. Häuser wie LGT, Bethmann oder FERI überzeugen mit Haltung und Reflexionsstärke. Dagegen bleiben andere Institute zu vage. Klare Strategien und Transparenz sind das Maß der Dinge.