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Fuchsrichter Logo Nachhaltig investieren ab 500.000 Euro – oder gar nicht?

Nachhaltigkeit für Reiche – und für alle anderen nur Theorie?

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Viele Banken versprechen nachhaltige Geldanlage – doch individuell wird es erst ab einer halben Million Euro. Wer weniger investiert, bekommt meist nur Standardprodukte. Eine Auswertung zeigt: Zwischen Anspruch und Umsetzung klaffen große Unterschiede. Doch es gibt Anbieter, die ESG mit Substanz und Strategie leben.

Nachhaltigkeit für Vermögende

Wer sein Geld nachhaltig anlegen will, muss sich auf eine paradoxe Situation einstellen: Die Banken betonen öffentlich das hohe Interesse der Kunden und ihre strategischen ESG-Ambitionen – doch der individuelle Zugang ist häufig eine Frage des Preises. Konkreter: der Höhe des Vermögens. Maßgeschneiderte Nachhaltigkeitslösungen gibt es in der Regel erst ab einem Investitionsvolumen von 500.000 bis 5 Millionen Euro.

Während Publikumsfonds bereits ab 50 Euro besparbar sind, beginnt die Welt der individuellen ESG-Portfolios häufig erst im siebenstelligen Bereich. Globalance und Weberbank bieten Einzeltitelstrategien immerhin bereits ab 500.000 Euro an, LGT oder Spängler setzen dagegen die Latte bei 5 Millionen Euro. Die Begründungen dafür – etwa die notwendige Diversifikation – wirken plausibel, schließen aber weite Anlegerkreise aus.

Standard für viele, Maßanzug für wenige

Die Kostenstruktur erweist sich als verbraucherfreundlich: Nahezu alle Institute erheben keine gesonderten Gebühren für nachhaltige Portfoliostrategien. Dennoch bedeutet das nicht automatisch, dass alle Kunden die gleichen Optionen haben. Einzeltitelbasierte ESG-Lösungen sind oft exklusiv für große Vermögen vorgesehen. Der Einstieg in die „maßgeschneiderte Nachhaltigkeit“ bleibt also ein Luxusprodukt.

Banken wie FERI, LGT, Kaiser Partner oder Globalance zeichnen sich durch eine langjährige ESG-Ausrichtung und strategische Konsequenz aus. Sie kombinieren hauseigene Ratings, Kundenprofile und Impact-Investment-Angebote zu einem kohärenten Beratungskonzept. Andere Institute beschränken sich hingegen auf standardisierte ESG-Fondsangebote mit geringer Individualisierungstiefe.

Kundeninteresse ist nicht gleich Umsetzung

Auffällig ist der unterschiedliche Umgang mit der regulatorischen Pflicht, Kunden seit August 2022 nach ihren Nachhaltigkeitspräferenzen zu befragen. Während einige Banken hohe Zustimmungsquoten (z. B. Raiffeisen mit 98 %, Alpen Privatbank mit 65 %) melden, liegt die Quote bei anderen Häusern deutlich unter 10 Prozent. Nicht selten besteht eine Lücke zwischen formaler Nachfrage und aktiver Produktintegration.

Gleichzeitig zeigen die Daten: Kunden, die wirklich nachhaltige Anlagewünsche haben, müssen oftmals selbst aktiv werden und gezielt nachfragen. Nur wenige Institute schaffen es, diese Wünsche proaktiv aufzugreifen und bereits im Standardprozess zu integrieren. FERI und LGT fallen hier durch ein hohes Maß an Transparenz und Aufklärungsarbeit positiv auf.

Angebot in der Tiefe entscheidet

Nicht nur die Einstiegshürden, auch der Grad an Individualisierbarkeit ist entscheidend. Anbieter wie Bethmann, Weberbank oder Hoerner Bank bieten individuelle ESG-Filter und Ausschlusskriterien – aber fast immer erst ab einem Vermögensvolumen von 2 bis 5 Millionen Euro. Bei kleineren Beträgen bleibt es meist beim „hellgrünen“ ESG-Fondsangebot nach Artikel 8 SFDR.

Einzelne Anbieter – etwa Globalance, FERI oder die LGT-Gruppe – gehen deutlich weiter: Sie ermöglichen gezieltes Impact Investing, bieten Co-Investments in Private-Equity-Fonds oder setzen eigene Nachhaltigkeitsratings zur Portfoliosteuerung ein. In diesen Fällen wird Nachhaltigkeit zum strukturellen Bestandteil der Anlagestrategie, nicht nur zum Etikett.

Nachhaltige Anlageberatung ist verfügbar – aber nicht für jeden gleich. Wer ein ESG-Portfolio individuell gestalten will, braucht mindestens 500.000 Euro, oft deutlich mehr. Anleger sollten gezielt nachfragen, wie Nachhaltigkeit konkret umgesetzt wird – und ab wann Individualisierung beginnt.

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