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Fuchsrichter Logo Private Banking in der Zeitenwende: Wie nachhaltig ist die RLB Steiermark wirklich?

Rückschritt trotz Ambition: Die RLB Steiermark im aktuellen Nachhaltigkeitsranking

Erstellt mit Canva
Die Raiffeisen-Landesbank Steiermark positioniert sich als nachhaltige Regionalbank mit ambitionierten Zielen im Private Banking. Doch das aktuelle Ranking zeigt einen deutlichen Rückschritt gegenüber dem Vorjahr – sowohl in der Bewertung als auch im Branchenvergleich. Wo liegen die Ursachen, wie reagiert die Bank, und was bedeutet das für Kunden? Eine kritische Analyse.

Ambitionierte Strategie trifft auf kritische Öffentlichkeit

Die Raiffeisen-Landesbank Steiermark (RLB Steiermark) hat sich in den vergangenen Jahren klar zur nachhaltigen Transformation bekannt und dies auch öffentlichkeitswirksam kommuniziert. Nachhaltigkeit nimmt im Selbstverständnis der Bank eine zentrale Rolle ein, verankert als Markenwert und Leitmotiv des Handelns. Trotz zunehmender gesellschaftlicher Debatten über Greenwashing, regulatorische Unsicherheiten und kontroverse EU-Taxonomie-Entscheidungen bleibt die RLB Steiermark  auf Kurs – ein Update der Strategie steht nicht auf der Agenda.

Ganz im Gegenteil: Die Bank verweist auf eine stetig wachsende Produktpalette nachhaltiger Lösungen, von Investmentfonds über Green Bonds bis hin zu zertifizierten Sparprodukten für junge Menschen. Im Beratungsgespräch werden die Präferenzen der Kundinnen und Kunden systematisch erfasst, individuelle Wünsche finden Berücksichtigung.

Kundeninteresse wächst – doch reicht das aus?

Der Wunsch nach nachhaltigen Anlagelösungen steigt laut Bankangaben kontinuierlich an, was sich auch in einem wachsenden Anteil nachhaltiger Produkte widerspiegelt. So sind bereits 45 Prozent aller Kundenportfolios vollständig nach Nachhaltigkeitskriterien aufgebaut – Tendenz steigend.

Gleichzeitig gibt es keine Mindestanlagesummen für nachhaltige Investments, was den Zugang erleichtert und ein breites Kundenspektrum anspricht. Auch auf Einzeltitelbasis können nachhaltige Anlagen umgesetzt werden, ohne dass zusätzliche Kosten für die Kunden entstehen.

Interne Strukturen und externe Expertise

Die interne Organisation setzt auf mehrere Gremien zur Steuerung des Themas Nachhaltigkeit: Ein Investmentkomitee, ein Management Board sowie ein Sustainable Finance Committee sorgen für regelmäßigen Austausch und strategische Weiterentwicklung.

Allerdings bleibt unklar, wie tiefgreifend diese Gremien tatsächlich Einfluss nehmen können – insbesondere hinsichtlich externer Expertise gibt es Defizite in der Transparenz und Konkretheit der Angaben.

Mitarbeiterausbildung als Schlüssel – mit Luft nach oben

Ein weiteres zentrales Element ist die Qualifikation der Beraterinnen und Berater: 60 Prozent des Teams sind speziell zu nachhaltigen Vermögensfragen geschult, jährliche Weiterbildungen sind verpflichtend integriert. Dennoch zeigen sich hier keine besonderen Initiativen oder innovativen Ansätze über den Standard hinaus.

Auch beim Reporting gibt es Nachholbedarf: Ein eigenständiges, öffentlich zugängliches Nachhaltigkeitsreporting fehlt derzeit, relevante Informationen finden sich lediglich im konsolidierten Lagebericht.

Investmentprozess und Produktpalette

Die Integration von Nachhaltigkeit in den Investmentprozess erfolgt formal über das Anlegerprofil sowie das Beratungsprotokoll. Seit Frühjahr 2023 wurden zwar einzelne Anpassungen vorgenommen – etwa durch die Nominierung eines eigenen Nachhaltigkeitsbeauftragten –, doch bleiben viele Details vage.

Positiv hervorzuheben ist die breite Auswahl an nachhaltigen Produkten, darunter Fonds, Zertifikate sowie eigens emittierte Green Bonds und Wohnbaubankanleihen mit Umweltzeichen-Zertifizierung.

Produktvielfalt versus Individualisierung

Die Produktpalette wird laufend erweitert, Kooperationen mit externen Partnern wie ÖGUT oder dem österreichischen Umweltzeichen unterstreichen den Willen zur Innovation. Dennoch bleibt Nachhaltigkeit im Portfolio optional – sie wird nicht zwingend für alle Kunden umgesetzt, sondern orientiert sich am individuellen Kundenwunsch.

Ausschlusskriterien existieren zwar (etwa beim Thema Atomenergie), doch werden beispielsweise bestimmte Formen von Rüstungsgütern weiterhin nicht grundsätzlich ausgeschlossen.

Bewertung im Branchenvergleich

Im aktuellen Ranking fällt die Bilanz jedoch ernüchternd aus: Mit 65 Punkten rutscht die RLB Steiermark deutlich ab – ein Minus von fast elf Punkten gegenüber dem Vorjahr (75,9 Punkte). Das Rating bleibt auf „Lehrling“, wurde jedoch explizit abgestuft, der Ausblick ist negativ.

Damit entfernt sich das Institut vom Mittelfeld und verliert Anschluss an besser bewertete Häuser wie BW-Bank (75 Punkte), Bank für Sozialwirtschaft AG (73 Punkte) oder Weberbank Actiengesellschaft (87,5 Punkte). Auch andere Institute mit ähnlicher Ausgangslage konnten ihr Niveau halten oder sogar verbessern.

Stärken vorhanden – aber kein Durchbruch

Trotz einer grundsätzlich ambitionierten Strategie gelingt es der RLB Steiermark aktuell nicht, ihre Potenziale voll auszuschöpfen oder neue Standards zu setzen. Viele Maßnahmen wirken solide, aber wenig innovativ. Entscheidende Impulse fehlen ebenso wie eine konsequente Umsetzung über regulatorische Mindestanforderungen hinaus.

Das Engagement in Mitarbeiterschulungen sowie die Offenheit gegenüber neuen Partnerschaften sind positive Signale – doch sie reichen nicht aus, um den Negativtrend zu stoppen oder gar umzukehren.

Ausblick und Handlungsempfehlungen

Für die kommenden zwölf Monate plant die Bank weitere Schritte zur Ausweitung ihrer nachhaltigen Produktpalette sowie verstärkte Kooperationen mit externen Partnern. Auch sollen neue grüne Kreditprodukte eingeführt werden, flankierend dazu setzt man weiterhin auf regelmäßige Weiterbildung des Personals sowie gezielte Kundenveranstaltungen zur grünen Transformation.

Ob diese Maßnahmen ausreichen werden, um wieder Anschluss an das Mittelfeld zu finden oder gar eine Vorreiterrolle einzunehmen, bleibt abzuwarten. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, Transparenz zu erhöhen, Innovationen voranzutreiben und eine konsequente ESG-Integration in allen Bereichen sicherzustellen.

Die Raiffeisen-Landesbank Steiermark bekennt sich klar zur nachhaltigen Transformation ihres Private Banking-Geschäfts und verfügt über solide Strukturen sowie eine breite Produktpalette. Dennoch spiegelt das aktuelle Ranking einen deutlichen Rückschritt wider: Mit einem Punktverlust von fast elf Zählern rutscht das Institut ab und verliert Anschluss an führende Wettbewerber. Um wieder aufzuschließen, muss die Bank ihre Innovationskraft stärken, Transparenz erhöhen und konsequentere Maßnahmen jenseits regulatorischer Vorgaben ergreifen.

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