Wenn der erste Eindruck entscheidet: Ein Bitcoin-Gewinner bei Bergos
Im Februar 2025 sucht ein vermögender Neukunde mit klaren Vorstellungen den Weg zur Zürcher Privatbank Bergos. Nach einem erfolgreichen Bitcoin-Exit will er sein Kapital sicher anlegen, setzt auf eine konservative Strategie und legt Wert auf laufende Realrendite sowie höchste Transparenz. Die Kontaktaufnahme verläuft jedoch überraschend zäh: Erst nach dem dritten Versuch reagiert die Bank und lädt schließlich zum Gespräch ein. Schon im Vorfeld fordert Bergos einen Lebenslauf – ein Schritt, der zwar Professionalität verspricht, aber auch den Verdacht einer selektiven Zugangspolitik nährt.
Starker Auftakt im Beratungsgespräch
Das Beratungsgespräch am 20. Februar 2025 entfaltet von Beginn an eine besondere Dynamik. Neben dem Hauptberater nehmen auch ein Asset Manager und ein Relationship Manager Platz – ein deutliches Signal für das ernsthafte Interesse der Bank am potenziellen Neukunden. Der Besucher bringt seine Ziele offen auf den Tisch: Kapitalerhalt, stetige Erträge, möglichst geringe Schwankungen und auf Wunsch eine Integration von ESG-Kriterien.
Die Berater hören aufmerksam zu, erläutern verschiedene Strategien und präsentieren zwei Modellportfolios: Das „Core Defensive EUR“-Portfolio mit rund 65 Prozent Anleihen, 21 Prozent Aktien, 11 Prozent Alternative Investments und drei Prozent Liquidität sowie das „Core Balanced EUR“-Portfolio mit etwa 45 Prozent Anleihen, 43 Prozent Aktien, 11 Prozent Alternative Investments und einem Prozent Liquidität. Beide Vorschläge kombinieren Eigenfonds, ETFs, strukturierte Produkte und Gold. Für den sicherheitsorientierten Kunden erscheint die defensive Variante als passgenauer, die Balanced-Strategie wirkt hingegen zu Aktien-lastig.
Kompetenz trifft auf Distanz
Die Bank setzt auf persönliche Ansprache und bindet das Investment-Team aktiv ins Gespräch ein. Sie erklärt ihren Investmentprozess transparent, liefert historische Kennzahlen wie Rendite, Volatilität und maximale Verluste. Dennoch bleibt ein Wermutstropfen: Eine Offenlegung der Gebühren bleibt aus, ebenso fehlt eine Cashflow-Simulation oder eine explizite ESG-Strategie im Angebot. Die Anforderung des Lebenslaufs verstärkt beim Kunden das Gefühl selektiver Aufnahme – Exklusivität schwingt mit, aber auch Distanz.
Anlagevorschlag überzeugt strukturell – individuelle Note fehlt
Bereits am Folgetag erhält der Kunde die Unterlagen zum Anlagevorschlag. Die Präsentation ist klar gegliedert, bietet Performance-Historie und zeigt die geplante Währungsabsicherung. Im Balanced-Portfolio kalkuliert Bergos mit einer erwarteten Bruttorendite von etwa 6,3 Prozent jährlich, einer Volatilität von rund 7,7 Prozent und einem maximalen Drawdown von minus 12,6 Prozent. Das Defensive-Portfolio weist eine erwartete Bruttorendite von rund 3,8 Prozent pro Jahr aus, bei einer Volatilität von etwa 5,5 Prozent und einem maximalen Verlust von minus 10,8 Prozent.
Doch trotz dieser Transparenz bleiben einige Kritikpunkte bestehen: Der Vorschlag geht nicht individuell auf die Krypto-Vorgeschichte oder steuerliche Besonderheiten des Kunden ein. Eigenprodukte und strukturierte Produkte werden ohne detaillierte Kostentransparenz präsentiert. Nachhaltigkeit bleibt ein Randthema, eine gezielte ESG-Integration fehlt.
Nachbetreuung mit Licht und Schatten
Die Nachbetreuung erfolgt per E-Mail, Rückfragen werden zeitnah beantwortet – professionell, aber ohne spürbare persönliche Bindung aufzubauen. Dennoch bleibt beim Kunden ein Restzweifel zurück: Warum so wenig Transparenz bei Kostenstruktur und internen Abläufen? Die Website der Bank besticht durch einen modernen, fast künstlerischen Auftritt – Ansprechpartner sind allerdings schwer auffindbar. Zwar hat ESG eine eigene Rubrik erhalten, doch im konkreten Anlagevorschlag spiegelt sich das Thema nicht konsequent wider.
Selektive Exklusivität als Gratwanderung im Markt
Der Fall Bergos illustriert eindrucksvoll die Gratwanderung im modernen Private Banking: Selektive Aufnahmeverfahren können einerseits Exklusivität vermitteln und einen Hauch von Besonderheit schaffen – andererseits bauen sie unnötige Hürden für potenziell attraktive Neukunden auf. Wer wie Bergos auf individuelle Beratung setzt, muss diesen Anspruch auch in der Portfoliozusammenstellung sichtbar machen – nicht nur in der Gesprächsführung.
Bergos AG
Kreuzstrasse 5
8008 Zürich
Schweiz
Bergos überzeugt mit fachlicher Kompetenz und klaren Prozessen, schwächelt aber bei Personalisierung und Transparenz. Für konservative Anleger ist die Defensive-Strategie solide, Balanced dagegen zu offensiv. Wer Offenheit und maßgeschneiderte Lösungen erwartet, findet hier Luft nach oben.
Wichtiger Hinweis:
Diese Untersuchung wurde von qualifizierten und speziell geschulten Mitarbeitenden im Rahmen eines praxisnahen Mystery Shoppings durchgeführt. Grundlage waren realitätsnahe, sorgfältig konzipierte Kundenszenarien, die typische Anforderungen im Private Banking widerspiegeln.
Einordnung und Orientierung
Die Ergebnisse dienen der Einordnung und Orientierung: Sie geben potenziellen Kunden einen fundierten Eindruck davon, wie Banken in konkreten Beratungssituationen agieren – aus Kundensicht nachvollziehbar und vergleichbar aufbereitet. Ziel ist es, Transparenz zu schaffen und Entscheidungshilfen zu bieten.
Dabei handelt es sich nicht um eine Empfehlung zum Abschluss oder zur Ablehnung eines konkreten Angebots. Die Bewertungen beziehen sich ausschließlich auf die getesteten Gesprächssituationen und lassen keine Rückschlüsse auf das Gesamtangebot oder die generelle Leistungsfähigkeit eines Instituts zu.
Weiter informieren
Weitere Informationen finden Sie unter https://www.fuchsbriefe.de/fuchsrichter/private-banking/rating-news/