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Fuchsrichter Logo ZKB im Test: Viel Routine, wenig Nähe

Wie kundenorientiert ist die größte Schweizer Kantonalbank?

Erstellt mit Canva
Die Zürcher Kantonalbank versteht sich als führendes Institut für nachhaltiges und modernes Private Banking. Doch der Besuch eines vermögenden Interessenten an der Bahnhofstrasse zeigt sich: Trotz fachlicher Solidität bleibt die Beratung distanziert, Individualisierung und Nachbetreuung überzeugen nicht. Der Anlagevorschlag wirkt standardisiert, zentrale Fragen zu Risiko und Rendite bleiben offen.

Was der Kunde sich wünscht

Der Anlass für die Beratung ist ein hoher Spekulationsgewinn aus dem Handel mit Bitcoin. Der Einstieg erfolgte im Februar 2015 bei einem Kurs von 255 US-Dollar pro Bitcoin. Verkauft wurden die Bitcoins in zwei Tranchen: einmal nach dem Einstieg von Elon Musk im September 2021 zu 65.000 US-Dollar und erneut im August 2024 zu 63.000 US-Dollar. Mit insgesamt 50 Bitcoins hätte man so einen Gewinn von rund 3.187.250 US-Dollar erzielt. Da Bitcoin nach einer Haltedauer von über einem Jahr steuerfrei ist, bleibt dieser Betrag vollständig steuerfrei.

Der Kunde möchte seine bisher eher glücksgetriebenen Investments in eine professionelle, strukturierte Vermögensverwaltung überführen. Von seinem Gesamtvermögen von rund 4–5 Mio. EUR sollen 2,5 Mio. EUR professionell gemanagt werden, während ein kleineres Depot von 500.000 EUR für eigene Investments bleibt. Ziel ist eine nachhaltige Realrendite nach Steuern bei klar definiertem Risiko, transparenter Kommunikation und nachvollziehbaren Prozessen. Besondere Bedeutung haben für ihn eine präzise Risikoeinschätzung, Einblick in den Investmentprozess sowie die Option, Nachhaltigkeitsaspekte zu berücksichtigen.

Beratungsprozess im Private Banking

Schon beim digitalen Erstkontakt zuvor, entsteht ein zwiespältiger Eindruck: Die Website erscheint zwar modern, ist aber überladen und wenig intuitiv strukturiert. Ansprechpartner sind schwer auszumachen, der Kontakt läuft ausschließlich über eine allgemeine E-Mail-Adresse.

Das anschließende Beratungsgespräch erfolgt telefonisch und dauert rund 30 Minuten. Die Kontaktaufnahme verläuft unkompliziert, doch ein persönliches Treffen wird nicht angeboten. Das Gespräch selbst bleibt sachlich, aber ohne spürbare Empathie oder echtes Interesse an individuellen Wünschen. Der Berater reagiert auf den angegebenen, nicht mehr bestehenden US-Bezug des Kunden mit deutlicher Zurückhaltung – ein regulatorisch nachvollziehbarer Schritt, aber die individuelle Situation könnte dennoch sorgfältiger geklärt werden.

Nachhaltigkeit prominent, Individualisierung schwach

Unmittelbar nach dem Gespräch erhält der potenzielle Kunde einen Anlagevorschlag per E-Mail. Die Präsentation überzeugt durch Übersichtlichkeit und einen transparenten Fokus auf Nachhaltigkeit: ESG-Kennzahlen wie MSCI-Ratings, CO₂-Intensität und Ausschlüsse kontroverser Geschäftsfelder werden detailliert ausgewiesen. Die Bank betont damit ihre nachhaltige Ausrichtung im Rahmen des Mandats „Vermögensverwaltung Premium International“.

Allerdings orientiert sich die vorgeschlagene Portfolio-Struktur klar am Standard: Rund 51 Prozent Aktien und 39 Prozent Obligationen bilden das Rückgrat, ergänzt um kleinere Anteile an Liquidität und weiteren Anlagen. Individuelle Anpassungen an die persönliche Situation fehlen ebenso wie eine differenzierte Darstellung von Unterschieden zu einem klassischen Portfolio ohne ESG-Fokus.

Kostenstruktur transparent – aber hoch

Die Kosten werden offen kommuniziert: Für das Premium-Mandat liegt das Gebührenmodell bei etwa 2 Prozent pro Jahr (je nach Strategie zwischen 1,97 und 2,16 Prozent). Dieser Wert umfasst Pauschalpreis, Produkt- und Fremdkosten. Weitere Gebühren wie Börsenabgaben oder FX-Spreads sind jedoch nicht immer enthalten. Direktanlagen sind nicht vorgesehen, stattdessen wird überwiegend über Fonds und strukturierte Produkte investiert.

Risikodarstellung bleibt unvollständig

Im Beratungsgespräch fehlen konkrete Risikokennzahlen sowie Hinweise darauf, wie das Portfolio in Stressphasen performt hätte. Zwar stellt die Bank Leistungs- und Nachhaltigkeitsdaten zur Verfügung, doch individuelle Szenarien oder inflationsbereinigte Renditeerwartungen werden nicht thematisiert. Damit bleiben für Neukunden zentrale Aspekte der Risikoaufklärung offen.

Nachbetreuung ohne Initiative

Nach dem Versand des Anlagevorschlags bleibt die Bank passiv. Weder erfolgt eine Einladung zu einem Folgegespräch noch ein aktives Nachfassen. Die Kommunikation beschränkt sich auf das Nötigste, für Kunden mit Interesse an persönlicher Betreuung entsteht so kein nachhaltiger Eindruck von Servicebereitschaft oder Engagement.

Tradition trifft auf veränderte Erwartungen

Die Zürcher Kantonalbank positioniert sich als breit aufgestellte Universalbank mit klarer ESG-Integration in allen fünf Anlagestrategien. Mindestanteile nachhaltiger Anlagen und die Berücksichtigung von PAI-Indikatoren unterstreichen das Bestreben nach verantwortungsvoller Vermögensverwaltung. Dennoch gelingt es diese Mal nicht, diese Werte in eine persönliche Kundenerfahrung zu übersetzen.

Der Blick auf den Wettbewerb verdeutlicht die Dynamik im Markt: Andere große Institute setzen verstärkt auf digitale Angebote und individuelle Beratungskonzepte – insbesondere nach der Übernahme von Credit Suisse durch UBS wächst der Druck auf regionale Platzhirsche wie die ZKB, ihre Servicequalität neu zu definieren.

Solide Leistung ohne Begeisterung

Die Zürcher Kantonalbank überzeugt grundsätzlich durch handwerklich saubere Arbeit: Das Produktangebot ist transparent, die Kosten sind nachvollziehbar dargestellt und Nachhaltigkeit wird konsequent integriert. Was jedoch fehlt, ist die persönliche Note – echte Neugier auf den Kunden sowie eine maßgeschneiderte Übersetzung der Standardbausteine in individuelle Lebenssituationen bleiben aus.

Adresse:

Zürcher Kantonalbank

Bahnhofstrasse 9
8001 Zürich
Schweiz

www.zkb.ch

Fachlich solide, aber spürbar distanziert, kann man die Performance der Zürcher Kantonalbank zunächst beschreiben. Der Berater liefert rasch einen Vorschlag mit klar ausgewiesenen Nachhaltigkeitskennzahlen – doch Individualisierung und Nachbetreuung bleiben blass. Kosten und Allokation wirken standardisiert, offene Fragen zur Risikoaufklärung und Rendite bleiben bestehen. Summa summarum: Echte Empathie fehlt ebenso wie ein maßgeschneiderter Anlagevorschlag oder eine nachhaltige Nachbetreuung. Die ZKB verlässt sich zu sehr auf ihre Marktposition und verpasst es, moderne Service-Standards umzusetzen. Für anspruchsvolle Anleger bietet sie derzeit wenig Anreiz für eine langfristige Partnerschaft. 

Wichtiger Hinweis:

Diese Untersuchung wurde von qualifizierten und speziell geschulten Mitarbeitenden im Rahmen eines praxisnahen Mystery Shoppings durchgeführt. Grundlage waren realitätsnahe, sorgfältig konzipierte Kundenszenarien, die typische Anforderungen im Private Banking widerspiegeln.

Einordnung und Orientierung

Die Ergebnisse dienen der Einordnung und Orientierung: Sie geben potenziellen Kunden einen fundierten Eindruck davon, wie Banken in konkreten Beratungssituationen agieren – aus Kundensicht nachvollziehbar und vergleichbar aufbereitet. Ziel ist es, Transparenz zu schaffen und Entscheidungshilfen zu bieten.

Dabei handelt es sich nicht um eine Empfehlung zum Abschluss oder zur Ablehnung eines konkreten Angebots. Die Bewertungen beziehen sich ausschließlich auf die getesteten Gesprächssituationen und lassen keine Rückschlüsse auf das Gesamtangebot oder die generelle Leistungsfähigkeit eines Instituts zu.

Weiter informieren

Weitere Informationen finden Sie unter https://www.fuchsbriefe.de/fuchsrichter/private-banking/rating-news/

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