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Datenprobleme bei Nachhaltigkeits-Abfrage

Es droht ein ESG-Chaos

Globus aus Glas und grüne Blätter einer Pflanze. © suken / Getty Images / iStock
Am 2. August treten im Rahmen der MiFID II Verordnung neue Pflichten für Berater in Finanzberatungen in Kraft. Die Auswirkungen gehen jedoch weit über das Beratungsgespräch hinaus. Erfahren Sie im nachfolgenden Beitrag, warum in einigen Portfolios bald das große "Stühlerücken" angesagt ist.
Ab morgen (2. August) droht ein Nachhaltigkeits-Chaos bei Vermögensverwaltungsmandaten. Denn dann tritt die ESG-Verschärfung der MiFID II Verordnung in Kraft. Finanzberater werden dazu verpflichtet, die Nachhaltigkeitspräferenzen ihrer Kunden abzufragen und ihnen nur noch entsprechende Anlagelösungen zu präsentieren. Zum 1. Januar 2023 tritt dann nochmal eine weitere Verschärfung in Kraft.

Das Problem: Um zu wissen, inwieweit entsprechende Investmentfonds nachhaltig sind, fehlen in massenhaft Fällen die ESG-Daten. Knacknuss ist das European ESG Template (EET). Das ist ein gigantischer Fragebogen mit 580 Eintragungsspalten und ca. 20.000 Feldern, der von den Fondsgesellschaften ausgefüllt werden muss. Gemäß Erhebungen des Analysehauses FE fundinfo, hätten bisher aber weniger als die Hälfte der Häuser das EET getan.

Lieber gar keine Informationen, als falsche Informationen

Die Zurückhaltung bei der Eintragung lässt sich laut Brancheninsidern vor allem auf die Unsicherheit der Fondsgesellschaften zurückführen. Die (internationalen) Unternehmen liefern den Fondsgesellschaften in vielen Fällen nur wenig verwertbare Daten. Angst vor Greenwashing-Vorwürfen bei ungenauen Eintragungen ins EET beschäftigen die Anbieter. Daher liefern sie entweder gar keine Daten oder bescheinigen sich selbst vorsichtshalber nur geringe Nachhaltigkeits-Werte.

Das Anlageuniversum dürfte insbesondere für Kunden mit einem dezidiert "dunkelgrünen" Nachhaltigkeitswunsch erstmal stark eingeschränkt sein. Betroffen werden vor allem Fonds sein, die einen hohen Investmentanteil in Unternehmen außerhalb der EU (USA, Japan, Schwellenländer) aufweisen. Auch Fondsprodukte, die sich auf kleine Unternehmen (Mid- und Small-Caps) spezialisiert haben, dürften Schwierigkeiten haben, da diese Unternehmen oftmals nicht das nötige "Kleingeld" haben, um sich entsprechende Ratings zu leisten.  

Stühlerücken im Portfolio

Betroffen sind nicht nur die Anlagevorschläge von Neukunden, sondern auch die Portfolios von Bestandskunden. Denn viele Banken und Vermögensverwalter setzen mittlerweile auf modulare Portfoliobausteine, die sie je nach Kundenpräferenz zu einem Portfolio zusammenbauen. Um den Nachhaltigkeitsanforderungen gerecht zu werden, wird es in diesen Modulen ein großes "Stühlerücken" geben. 

Fazit: Die schlechte Datenlage wird zum Problem der Banken und Vermögensverwalter. Sie können ihren Kunden nur ein abgespecktes Angebot präsentieren. Das wird zulasten der Diversifikation gehen und die Portfolios immer „ähnlicher“ machen. Damit steigen die Risiken in der Vermögensanlage.
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