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Sal. Oppenheim jr. & Cie. | TOPs 2017 - Vermögensstrategie & Portfolioqualität

Sal. Oppenheim jr. & Cie.: Zielkonflikt herausgearbeitet

Sal. Oppenheim überzeugt über weite Strecken mit einem anschaulichen, gut gemachten und die Kundenziele im Blick behaltenden Anlagevorschlag. Doch dann unterläuft dem Haus ein Patzer.

Sal. Oppenheim jr. & Cie. AG & Co. KGaA Jägerstraße 51, D-10117 Berlin
www.oppenheim.de

Das Protokoll der Kölner Privatbank beruht auf der Datenerfassung, die das Wertpapierhandelsgesetz vorschreibt. Ein Formblatt, handschriftlich ergänzt. Die sonst typischen Gesprächsdokumentationen finden wir bei Sal. Oppenheim nicht. Schade. Dafür bekommen wir eine “Diskussionsgrundlage” für unsere private Vermögensverwaltung ausgehändigt. Aber diese hat zunächst wenig mit dem Kunden zu tun. Wir lesen seitenweise etwas über die Bank, den Investmentprozess und dass sich das Verhältnis von Aktien und Renten zueinander verändert hat. Dann erst wird’s persönlich: Als Renditeerwartung des Kunden sind 4,25% vor Steuern und Kosten angegeben. Dies entspricht nach Kosten (von 0,99% zzgl. Umsatzsteuer) sowie der Abgeltungssteuer den vom Kunden gewünschten 2% nach Steuern und Kosten. Prima! Damit sehen wir, dass die Bank gut zugehört hat.
Wertungsübersicht
Beratungs­gesprächVermögens­strategiePortfolio­qualitätTransparenzGesamt
37,5
18,0
7,6
11,5
74,6

max. 45 Punkte

max. 30 Punktemax. 9 Punktemax. 16 Punktevon 100

Oppenheim bietet drei Alternativen

Drei Alternativen bietet Sal. Oppenheim an. Es variieren jeweils die Aktienquoten: 15, 30 oder 45%. Wir sehen dann eine Fülle von Kennzahlen für jede Alternative. Gut zu sehen ist: Die Bank beschäftigt sich intensiv mit dem Risiko und den Schwankungbreiten und präsentiert anschauliche Stresstests. Gut ist: Der Kunde wird auf einen Zielkonflikt hingewiesen. Mit einer “konservativen” Strategie (15% Aktien) ist sein Renditeziel nicht zu erreichen. Nur die Variante 3 mit 45% Aktien, 40% Renten und 15% Alternative Investments / Absolute Return passt gut zu seinen Zielen. Das haben wir in einem nachträglichen Telefonat mit der Bank noch klären können. Wir kommen dann auf einen maximalen Verlust von 18,7%, den wir ertragen würden. Im Portfolio befinden sich viele aktiv gemanagte Fonds mit Schwerpunkt Europa. Der Anleihebereich setzt stärker auf Einzelanleihen und ETFs. Einige aktive Fonds sind aber auch dabei. Die Alternativen Investments sind eine Mischung aus verschiedenen Hedgefonds-Strategien wie z. B. “Aktien long / short”, bei denen sowohl auf steigende und auf fallende Kurse gesetzt werden kann. Damit schafft es die Bank, das Risiko zu dämpfen, insbesondere in Phasen der Zinssteigerung.

Weg zum Ziel transparent gemacht

Mit dieser Vermögensstruktur schaffen wir es dennoch nicht, alle unsere Ziele zu erreichen. Das macht die Bank in einer anschaulichen Übersicht sehr deutlich. Das ist vorbildlich. Unsere Renditeerwartung werden wir wohl knapp erreichen können. Die Abweichung von 0,15% ist sicher tolerabel. Das Risiko wird klar benannt: 5,2% Verlust, der mit einer Wahrscheinlichkeit von 5% unterschritten wird. Doch das macht uns stutzig. Offensichtlich hat die Bank hier einen falschen Wert eingetragen, nämlich den, des viel risikoärmeren Portfolios. Richtig wäre – nach den eigenen Angaben der Bank – 18,7% Verlust. Hier fehlt es an Sorgfalt bei einer so wichtigen Angabe! Dafür sehen wir im Anhang gut gemachte Stresstests für Extremphasen auf den Märkten. Minus 20% waren in 2008 zu verkraften, während 2009 ein Plus von 17,6% ergab. Auch finden wir eine Stressanalyse für unser bestehendes Depot – allerdings wäre hier eine Kommentierung hilfreich. Zu den einzelnen Fonds in unserem bisherigen Depot erhalten wir keinerlei Rückmeldung. Die Bank bietet ein “Staffelhonorar” an. Die ersten 3 Mio. Euro werden mit 1,15% angegeben. Zusätzlich finden wir noch einen Wert für 2,5% Mio., nämlich 0,99%. Hinzu kommt noch die Umsatzsteuer. Da die Bank bei der Renditeerwartung mit 0,99% rechnet, scheint dies unser Angebot zu sein. Ganz eindeutig ist es aber nicht. Die anfallenden Kickbacks werden jährlich ausgezahlt.

Fazit Vermögensstrategie: Ein Vorschlag mit viel Licht und etwas Schatten. Die Bank setzt sich intensiv mit unserer Renditeerwartung und den damit verbundenen Optionen auseinander. Zielkonflikte zeigt sie klar auf und gibt auch ein eindeutiges Votum ab. Prima! Etwas mehr Rückmeldung zum bisherigen Depot wäre wünschenswert gewesen und ein Fehler an einer sehr markanten Stelle zeugt von zu wenig Sorgfalt. Die fachliche Kompetenz ist im Vorschlag gut erkennbar, die Individualität bleibt aber im schriftlichen Teil im Marktvergleich auf der Strecke.

Fazit Portfolioqualität: Hier setzt Oppenheim noch einmal ein Glanzlicht. Das neue Depot ist recht unempfindlich gegen einen Zinsschock und lässt gleichzeitig eine relativ hohe Rendite erwarten, ohne dass der maximale Verlust einen Schrecken einjagen würde. Klasse gemacht!

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