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Bankhaus Carl Spängler & Co. AG | TOPs 2017 – Beratungsgespräch

Spängler: Kühl und kompetent

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Obwohl das Private Banking des Bankhauses Carl Spängler auf seiner Website eine familiäre Atmosphäre verspricht, erleben wir Berater, die sich zueinander und auch zu uns als Kunde etwas formal und distanziert geben. Wir sind gespannt, ob wenigstens die ebenfalls angepriesene „Handschlagqualität“ das hält, was sie verspricht.
„Die Kaivilla an der Salzach ist das Kompetenzzentrum für Privatvermögen in Salzburg. Das Gebäude wurde 1869/70 von Jacob Götz erbaut. Ihr Äußeres folgt dem Rundbogenstil, einer relativ schlichten Mischung aus Neo-Romantik und Neo-Renaissance mit charakteristischen „Augenbrauen“ über den Fenstern. 2015 wurde der Schalter- und Privatkundenbereich im Erdgeschoss neu gestaltet. Es erwartet Sie eine großzügige Empfangslobby, in der wir Sie herzlich willkommen heißen.“ Mit diesen interessanten Informationen wird der Kunde auf der Website des Salzburger Standortes des Bankhauses Spängler begrüßt. Schön, dass es nicht gleich ums harte Banking geht, sondern erst einmal das hübsche Bankgebäude ein wenig vorgestellt wird. Das ist sympathisch. Gleichzeitig finden wir auf der Seite alle Informationen wie Öffnungszeiten und Kontaktdaten sowie Parkmöglichkeiten auf einen Blick.

Spängler: Schwerpunkt Familienunternehmen

Salzburg ist zugleich Stammsitz der traditionsreichen und ältesten Privatbank Österreichs. Gegründet wird das Bankhaus Spängler 1828 und befindet sich nach wie vor in Familieneigentum. Mittlerweile ist bereits die siebte Generation der Familie Spängler in der Bank tätig. Als gesundes und solides Familienunternehmen, erfahren wir weiter, pflegt sie eine „sicherheitsorientierte Geschäftspolitik“. Bei den Schwerpunktthemen Privatvermögen und Familienunternehmen legt sie großen Wert auf eine hohe Expertise in der Beratung. Dabei steht der persönliche Kontakt stets im Vordergrund. Das ist eine gute Ausgangsposition für erfreuliche Gespräche, hoffen wir. Positiv: Die Bank gibt sich modern und bietet ein neues TAN-Verfahren per App gleich auf der Startseite an. Ähnlich wie bei der mobileTAN können damit Zahlungsaufträge gezeichnet bzw. freigegeben werden. Das Zeichnungsverfahren mittels tresorTAN werde dabei höheren Sicherheitskriterien gerecht. Auch die Anforderungen, die das Private Banking von Spängler an sich selbst stellt, sind hoch. Hier heißt es: „Handschlagqualität, Flexibilität, kurze Entscheidungswege und eine familiäre Atmosphäre zeichnen unser Haus und die Beratungsleistungen unseres Private Bankings aus.“ Ob die Atmosphäre tatsächlich so familiär ist, wird sich ja im folgenden Gespräch zeigen.

Spängler: Blickwinkel eines europäischen Investors

Wir interessieren uns im Vorfeld des Gesprächs noch für die Investmentphilosphie des Hauses und erfahren, dass das Kundenportfolio ausgehend von einer kundenindividuellen strategischen Asset Allocation und den spezifischen Anlagerestriktionen eines Kunden im Rahmen der taktischen Asset Allocation regelmäßig an die Marktgegebenheiten angepasst wird. Die Entscheidung, in welche Anlagekategorien welcher Teil eines Vermögens investiert werden soll, wird aus dem Blickwinkel eines europäischen Investors getroffen. Anhand fundamentaler Analysen, quantitativer Schätzungen, aktueller Erkenntnisse aus der Behavioral Finance und technischer Modelle legt die Bank Über- und Untergewichtungen der einzelnen Anlagekategorien (Cash, Anleihen, Aktien, Alternative Investments) relativ zur strategischen Asset Allocation fest. In einem strukturierten und – wie es heißt – jederzeit nachvollziehbaren Prozess bereitet sie marktrelevante Informationen auf und verwertet sie. Das Investment-Team trifft sich wöchentlich – im Bedarfsfall ad hoc – um die aktuellen Marktgegebenheiten, Researchergebnisse und -analysen sowie die taktische Positionierung zu besprechen. Die vom Investment-Team getroffenen Entscheidungen hinsichtlich der taktischen Asset Allocation werden – unter Berücksichtigung der individuellen Kundenvorgaben – direkt in den diskretionär verwalteten Mandaten umgesetzt.

Spängler: einstelliges Milliardenvermögen in der Verwaltung

Das Bankhaus Spängler verwaltet Ende 2915 im Private Banking Kundenvermögen in Höhe von rund 3,7 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Zwei Jahre vorher sind es 3,2 Milliarden Euro, Ende 2014 3,5 Milliarden Euro. Also kann man von einem stetigen Wachstum ausgehen. Das betrifft auch die Kundenzahl, die Ende vergangenen Jahres gut 1.850 beträgt. Die Bank ist gegenwärtig an sechs Standorten mit 260 Mitarbeitern vertreten. Neben dem Stammhaus in Salzburg gibt es hier eine zweite Niederlassung sowie eine in Wien, Linz, Kitzbühel sowie Zell am See. Entsprechend sieht sie sich als nationaler Anbieter. Laut Spängler gibt es mehrere Gründe, warum Kunden aus Deutschland sich für das Bankhaus entscheiden: Das seien die Qualität von Investmentansatz und Investmentphilosophie sowie die Tatsache, dass es sich um eine der wenigen noch existierenden, echten und in Familienhand befindlichen Privatbanken handele. Zudem verfolgten viele vermögende Deutsche eine Drei-Länder-Anlagestrategie, bei der sie Gelder auf verschiedene deutschsprachige Rechtsräume verteilen. Deutsche Kunden mit einem Anknüpfungspunkt zu Österreich, wie Wohnort in Grenznähe, Zweitwohnsitz oder hier beheimateter Ehegatte –  haben häufig auch eine österreichische Bankverbindung.

Zehn Prozent deutsche Kunden

Entsprechend stammen gut 85 Prozent der Kunden aus Österreich und zehn Prozent aus Deutschland. Weitere nennenswerte Kundenverbindungen gibt es nicht. Ab 300.000 Euro kommen Kunden in den Genuss des individuellen Private Bankings, ab etwa einer Million auch in den der ganzheitlichen Betreuung durch das Wealth Management. Es gebe aber einen individuellen Spielraum. In Abhängigkeit von der Struktur und der Komplexität des jeweiligen Kundenvermögens wird der Beratungsumfang – nur liquides Vermögen oder Gesamtvermögen betreffend – mit dem Kunden gemeinsam festgelegt. Was die Anlagehöhe betrifft, dominieren eindeutig und mit gut 56 Prozent Kunden mit einem Vermögen oberhalb der Fünf-Millionen-Linie. Danach folgen anteilmäßig eine bis 2,5 Millionen Euro (gut 14 Prozent), 2,5 bis fünf Millionen Euro (11,5 Prozent) sowie 500.000 bis eine Million Euro (11 Prozent). Also kann man von einer guten Mischung mit Ausschlag zu großen Vermögen sprechen. Im Private Banking betreut ein Berater im Schnitt 80, im Wealth Management etwa 20 Kunden, was ein sehr guter Beratungsschlüssel ist. Das Bankhaus Spängler steht im Wesentlichen im Eigentum von vier Familienstiftungen (89,5 Prozent). 18,3 Prozent Richard Spängler Privatstiftung; 42,3 Prozent Heinrich Spängler Privatstiftung; 18,5 Prozent Wiesmüller Privatstiftung; 10,4 Prozent Familie Welt Privatstiftung. Die restlichen 10,5 Prozent verteilen sich auf die elf Begünstigten dieser vier Stiftungen.

Das Bankhaus Carl Spängler scheut weder Wettbewerb noch Öffentlichkeit. Es nimmt am FUCHS Performance-Projekt von Dr. Jörg Richter und Verlag Fuchsbriefe, einem Wettbewerb der Vermögensverwalter, teil und dies seit diesem Jahr auch namentlich.

Spängler: Selbstbewusster Auftritt einer Traditionsbank

Nach ihrem Alleinstellungsmerkmal gefragt, gibt sich die Bank selbstbewusst. Man sei nicht nur das älteste Bankhaus Österreichs, sondern sehe als führende Beratungsbank für Privatvermögen und Familienunternehmen die wesentlichen Abgrenzungsmerkmale in der überschaubaren Größe als traditionsreiches österreichisches Familienunternehmen, in der Unabhängigkeit der Aktionärsstruktur, der Produktwahl und der Dienstleistungsgestaltung sowie dem besonderen Investmentansatz mit Fokus auf Transparenz, Risikomanagement und Kosteneffizienz. Vermögensberatung und Vermögensverwaltung sind die Kerndienstleistungen des Hauses, lässt sich die Bank weiter vernehmen. Daneben bietet der Bereich Family Management zahlreiche Zusatzdienstleistungen an für die „großen“ Kunden im Haus, verbindet Familienvermögen und Familienunternehmen und entwickelt dafür individuelle Lösungen.

Günstige Gebühren

Konkret werden folgende Dienstleistungen angeboten: Vermögens- und Depotanalysen sowie Vermögensstrukturierung, Entwicklung einer Gesamtvermögensstrategie, Erarbeiten von Anlagerichtlinien, Begleiten von Ausschreibungen, Gesamtvermögensreporting, Cash-Management, Stiftungsberatung, Immobilienberatung, Beteiligungsprüfung, Vermögens- und Unternehmensnachfolgeberatung, Eigentümerstrategie/Familienleitbild, Strategieberatung, M&A-Beratung sowie Numismatik. Was die Produkte betrifft, verwendet die Vermögensverwaltung Direktinvestments für alle Anlageklassen, für die es sinnvoll erscheint und wo eine entsprechende Diversifikation sichergestellt werden kann. Es handelt sich dabei um Anleihen sowie Aktien Europa und Nordamerika. Ist eine Direktabbildung nicht sinnvoll bzw. möglich, präferiert die Bank ETFs gegenüber aktiv gemanagten Fonds, da sie geringere Kosten und eine höhere Flexibilität aufweisen (z.B. Aktien Emerging Markets). Nur wenn keine sinnvolle ETF-Abbildung möglich ist, setzt sie aktiv gemanagte Fonds ein (z.B. High-Yield-Anleihen). Bei der Auswahl der Produkte ist sie an keinen Anbieter gebunden. Vom Vorstand sei eine offene Architektur vorgegeben, die auch konsequent gelebt wird. Die ausgewiesenen Gebühren scheinen ausgesprochen günstig und reichen von 0,55 Prozent bei Anlagehöhen von 5,1 Millionen Euro über 0,65 Prozent bei 3,1 und 0,75 bei 1,1 Millionen Euro.

Die Private Banking Prüfinstanz beobachtet in ihrem Monitoring bislang nur Häuser mit Sitz in Deutschland zu ihrem Kundenverhalten. Spengler berichtet aber, man sei aktuell in keine Rechtsstreitigkeiten mit Kunden verwickelt und sehr an einem partnerschaftlichen Umgang mit den Kunden interessiert.

Der Kunde und sein Anliegen

Die Testkunden der Private Banking Prüfinstanz sind vermögend und Multimillionäre. Sie suchen einen neuen Vermögensverwalter für Ihr bestehendes Depot über 2,5 Mio. Euro. Ihr persönlicher Hintergrund ist sehr unterschiedlich. Sie sind in verschiedenen Branchen unternehmerisch oder als leitende Angestellte tätig oder bereits im Ruhestand. Hier geht es zur ausführlichen Schilderung des Testfalls.

Das Beratungserlebnis

Wir rufen beim Bankhaus Spängler an und erreichen einen Mitarbeiter in der Zentrale. Er erkundigt sich danach, ob wir bereits Kunde sind und worin unser spezielles Anliegen besteht. Er bedauert, uns nicht unmittelbar zum zuständigen Berater durchstellen zu können, sichert uns aber zu, dass sich dieser zeitnah bei uns meldet. Der Berater ruft dann auch kurze Zeit später an und fragt uns detailliert nach unserem Wunsch sowie nach dem aktuellen Depotstand und kündigt zudem an, dass bei dem Gespräch ein zweiter Berater anwesend sein wird. Mündlich wird ein Termin vereinbart, der umgehend per Mail bestätigt wird. Das Gespräch empfinden wir als vollkommen in Ordnung. Allerdings beinhaltet die Bestätigungs-Mail keine inhaltliche Zusammenfassung des telefonischen Erstgesprächs.

Das Gespräch vor Ort

Wir erreichen die Bank, die in guter, zentraler Lage an der Salzach liegt und genügend Parkmöglichkeiten vorhält. Das Gebäude wirkt von außen sehr stilvoll und repräsentativ. Wir warten eine kurze Zeit vor verschlossener Eingangstür, weil die Bankmitarbeiter Mittagspause haben. Und das, obwohl wir pünktlich sind, also nicht zu früh kommen. Da wurde der Termin wohl etwas zu knapp ans Ende der Mittagspause gelegt. Doch die Wartezeit ist kurz. Mit uns zusammen harrt ein weiterer Kunde vor der Tür aus, was uns nicht so gefällt, weil damit die erwartete Diskretion nicht wirklich gegeben ist. Relativ schnell öffnet dann ein Mitarbeiter die Tür und führt uns direkt in einen Besprechungsraum. Was wir dort vorfinden, ist wirklich beeindruckend! Der Raum ist sehr groß und hoch, etwa 30 Quadratmeter in der Fläche. Ausgestattet ist mit einem rechteckigen Tisch und insgesamt sieben giftgrünen Sesseln, einem großen Monitor an der Wand, Sideboard, zwei Wandbildern sowie großen Fenstern mit Blick auf die Salzach. Insgesamt vermitteln Gebäude, Raum und Ausstattung eine sehr gute Private Banking-Atmosphäre.

Es geht ohne große Vorrede los

Beide Berater bleiben während des Gesprächs im Raum, es gibt keinerlei Störungen. Die Berater haben sich ihren Job offenbar aufgeteilt: der Vorgesetzte leitet die Diskussion, der andere Berater füttert sie mit seinem finanztechnischen Wissen. Beide stellten sich allerdings nicht noch einmal explizit vor, so dass sich uns die Zuständigkeiten und Kompetenzen erst im Gesprächsverlauf erschließen. Auf die Frage, warum wir ihre Bank ausgewählt haben, antworten wir den Beratern, dass wir Empfehlung aus dem Bekanntenkreis haben und den Internetauftritt gut finden. Einer der Berater beginnt ohne große Vorrede eine vorbereitete Informationsmappe zu präsentieren. Nachdem er etwa die Hälfte vorgestellt hat, hält er inne und übergibt an seinen Kollegen, der auf die finanztechnischen Aspekte eingeht. Der hebt etwa die steuerliche Kompetenz der Bank gegenüber Deutschen als Kunden hervor. Wir erfahren, dass die Bank als Universalbank arbeitet, ihre Geschäfte sich hälftig auf Wertpapierhandel und Spareinlagen aufteilen und kein Wertpapier-Eigenhandel betrieben wird. Uns fällt auf, dass in der Bank offenbar eine hierarchische Arbeitsweise herrscht. Wir spüren einen gewissen Abstand zwischen beiden Beratern, der sich darin zeigt, dass sie sich nicht duzen und nicht locker miteinander umgehen. Auch uns gegenüber bleibt die Atmosphäre während des gesamten Gesprächs zwar freundlich, aber irgendwie distanziert und formal. Auch die spätere Verabschiedung wirkt reserviert, was vielleicht damit zusammenhängt, dass wir auf viele Informationen der Berater auf eine für sie sicher ungewohnt intensive Art und Weise nachfragen.

Marktdiskussion fällt aus

Eine Marktdiskussion wie geplant kommt nicht auf, weil einer der Berater wie erwähnt gleich nach dem Start die vorbereitete Präsentation zur Bankorganisation und Geschäftsphilosophie vorträgt. Auch im weiteren Gesprächsverlauf werden allgemeine finanzpolitische und marktwirtschaftliche Aspekte nur gestreift. Schwerpunkt der Diskussion liegt darin, die Bank und deren strategische Ausrichtung darzustellen. Das gleiche gilt für die Risiken im Anleihenbereich. Auch hierzu werden nur spärliche Statements abgegeben. Etwas ausführlicher wird es nach unserer Frage zu Möglichkeiten der Risikominimierung. Man könne sich dank unterschiedlicher Anlagemodelle an die Kundenerwartung anpassen, erfahren wir. In unseren Fall halten die Berater zunächst das Modell „Ertrag“ mit einem Aktienanteil von 30 Prozent als zielführend. Gegen Ende des Gesprächs kommen ihnen dann allerdings aufgrund unserer Renditeerwartungen Bedenken, so dass sie die Variante „Ertrag/Wachstum“ mit einem Aktienanteil 35 bis 60 Prozent wohl für besser geeignet halten.

Vorgaben werden als umsetzbar eingeschätzt

Wie erwartet empfehlen sie mit Blick auf unseren unbedingten Wunsch nach Kapitalerhalt eine breite Streuung der Anlagen. Das empfohlene Anlagemodell „Ertrag/Wachstum“ würde sich durch Diversifikation auszeichnen und neben den erwähnten 35 bis 60 Prozent Aktien auch Anleihen im Umfang von 20 bis 65 Prozent beinhalten. Diese und alternative Varianten werden in der ausgehändigten Präsentation anschaulich erläutert. Aufschlussreich für uns ist auch das Infoblatt über einen historischen Stresstest des avisierten Depots. Aufgezeigt werden dabei auch der maximale Drawdown und Renditen in kritischen Marktphasen. Allerdings wird diese Unterlage erst nach unserem hartnäckigen und wiederholten Nachfragen nach dem Verlustrisiko vorgelegt. Als Renditeerwartungen beziffert die Bank im Aktienbereich zwischen sechs und 6,5 Prozent, für Anleihen maximal ein Prozent. An Gebühren werden für unser mögliches Depot grob 0,8 bis ein Prozent veranschlagt, so dass die Berater nach Gebühren und Steuern unsere Vorgabe von zwei Prozent mit der Portfolio-Variante „Ertrag/Wachstum“ als umsetzbar ansehen.

Wir sollen Hausaufgaben machen

Etwas zäh gestaltet sich die Diskussion zum Depotrisiko. In der ausgehändigten Präsentation werden die Verluste nur immer aufs Jahr bezogen angegeben. Auf unsere Rückfrage erklären die Berater, dass man nur die jährlichen Erträge beginnend mit dem Verlustjahr aufaddieren muss und somit selbst den Zeitraum ausrechnen kann, in dem der Verlust wieder ausgeglichen ist. Diese Hausaufgabe ist für einen 2,5-Millionen-Euro-Anleger schon ein wenig dreist, wie wir finden. Zum Verlustrisiko und Drawdown zieht sich die Diskussionen in die Länge, da uns die vorbereitete Präsentation nicht ausreicht, weil sie hierzu keine klare Aussage macht. Erst nachgereichte Informationen schaffen mehr Klarheit, so dass sich einer der Berater am Ende dazu hinreißen lässt zu sagen, dass man wohl unter zehn Prozent liegen werde. Die Frage nach unserer konkreten Verlustbereitschaft reichen wir mit Hinweis auf die von uns erwartete Nettorendite von zwei Prozent an den Berater zurück, da sich die Vorgaben gegenseitig bedingen. Wegen dem Verlustrisiko wird das alternative Spängler-Portfolio mit Wertuntergrenze nicht empfohlen. Im Vorgriff auf den gewünschten Anlagevorschlag äußern wir den Wunsch gerne einen Alternativvorschlag zu bekommen, falls entgegen der geäußerten Erwartung das Verlustrisiko doch über 15 Prozent ausfallen sollte. Was unser vorhandenes Depot betrifft, bietet einer der Berater eine kostenlose Depotanalyse durch die hauseigene Vermögensverwaltung noch im gleichen Monat an. Persönlich äußern sich beide Berater nicht weiter zum Depot. Einer merkt allerdings an, dass mit dem Depot alles in Ordnung sei. Insgesamt wird also auf unsere Wünsche eingegangen, die wir allerdings manchmal mit etwas Nachdruck äußern müssen.

Berater arbeiten sehr zuverlässig

Hervorzuheben ist die Zuverlässigkeit der Berater mit Blick auf Absprachen. Sowohl das Gesprächsprotokoll als auch der Anlagevorschlag erreichen uns schnell und pünktlich. Erfreulich ist auch, dass wir nicht mit einem WpHG-Bogen drangsaliert werden. Gleichwohl wird natürlich nach persönlichen Erfahrungen und finanziellen Rahmenbedingungen gefragt, aber sehr zurückhaltend. Unsere Vorgaben nach zwei Prozent Nettorendite und begrenztem Verlustrisiko müssen wir mehrfach ansprechen. Danach greifen die Berater diese aber auf. Was die Begriffswelt und Erklärungen der Berater betrifft, müssen wir hin und wieder etwas nachfragen, zum Teil auch ausdauernd. Doch am Ende verstehen wir alles Wesentliche. In den Erläuterungen wünschen wir uns zudem ein paar Ideen abseits der Anlagemodelle der Bank. Zum weiteren Ablauf wird vereinbart, dass die Depotanalyse noch im selben Monat erfolgt. Das gleiche Ziel wird für das Gesprächsprotokoll und den Anlagevorschlag gesetzt.

Die Nachbetreuung

Das avisierte Gesprächsprotokoll kommt pünktlich und fasst das Gespräch sehr gut zusammen. Wir korrigieren einige Kleinigkeiten und sind mit dem wenig später eintreffenden zweiten Protokoll vollkommen einverstanden. Es wird deutlich, dass die manchmal etwas schleppende und anstrengende Diskussion sinnvoll ist und zum Erfolg führt. Wenige Tage später ruft einer der Berater zurück und erkundigt sich, ob es noch Fragen gibt. Auch der Anlagevorschlag kommt im vereinbarten Zeitrahmen und gefällt uns gut. Er geht aus unserer Sicht auf alle wesentlichen Kundenanforderungen ein und erklärt plausibel die Strategie. Alles wirkt sehr anschaulich und professionell. Besonders gefällt uns das gute Preis-Leistungsverhältnis. Die Bruttogebühren von 0,84 Prozent sind schon sehr ordentlich.  Außerdem fließen alle Bestandsprovisionen dem Kundenkonto zu.

Fazit:
Das Gebäude und die Räumlichkeiten machen einen sehr repräsentativen Eindruck. Leider kommt im Gespräch keine persönliche Atmosphäre auf, die beiden Berater wirken ziemlich förmlich, auch im Umgang miteinander. Grundsätzlich aber sind die Ausführungen und vorgelegten Unterlagen – teilweise erst auf Rückfrage –doch sehr anschaulich und informativ, auch wenn die Präsentation nur teilweise vorgestellt wird.
Als weniger angenehm empfinden wir, dass erst gegen Ende des Gesprächs von der davor ausführlich diskutierten Depotvariante „Ertrag“ auf „Ertrag/Wachstum“ umgeschwenkt wird, weil offenbar klar wird, dass sonst die Renditeerwartungen nicht erfüllbar sind. Der positive Aspekt dabei ist, dass sich die zum Teil mühevolle Diskussion gelohnt hat und die Berater unsere Wünsche verstehen und umsetzen.
Ausführlichere Angaben wünschen wir uns zum mehrfach von uns hinterfragten maximalen Verlustrisiko sowie zum Thema eigene Fonds und Fremdfonds. Am Ende weist einer der Berater nochmals auf die vielfältigen internen Beratungsmöglichkeiten zu grundsätzlichen Vermögensthemen, Nachfolgeplanung, Steuerrechtliche Aspekte etc. hin, was die Beratung abrundet. Insgesamt machen die beiden Berater trotz der aufgezeigten kleinen Mängel einen kompetenten Eindruck und zeigen sich sehr kundenorientiert. Unterm Strich kein überragendes Gespräch, aber ein immer noch überdurchschnittliches. Die Qualifizierungsampel stellt sich auf Grün.

Hinweis: Die erreichte Gesamtpunktezahl sowie den Vergleich mit rund 100 weiteren Anbietern lesen Sie im November in „TOPs 2017“.

Fakten

Angaben des Hauses, Stand: 31.12.2015

Bankhaus Carl Spängler & Co. AG
Schwarzstr. 1, A-5020 Salzburg
www.spaengler.at

Gesellschafter: Das Bankhaus Spängler steht im Wesentlichen im Eigentum von vier Familienstiftungen (89,5 Prozent). 18,3 Prozent Richard Spängler Privatstiftung; 42,3 Prozent Heinrich Spängler Privatstiftung; 18,5 Prozent Wiesmüller Privatstiftung; 10,4 Prozent Familie Welt Privatstiftung. Die restlichen 10,5 Prozent verteilen sich auf die elf Begünstigten dieser vier Stiftungen wie folgt: Carl-Philipp Spängler (1 Prozent;) Eva Maria Spängler (1 Prozent); Heinrich Spängler (0,5 Prozent;) Theresa von Wackerbart (1 Prozent); Florian Welt (1 Prozent;) Franz Welt (1 Prozent); Heinrich Wiesmüller (1 Prozent); Johanna Wiesmüller (1 Prozent); Maria Wiesmüller (1 Prozent); Markus Wiesmüller (1 Prozent); Katharina Zach-Welt (1 Prozent)

Zentrale Geschäftsfelder: nachhaltige und unabhängige Vermögensberatung und -verwaltung

Dienstleistungsangebot: ganzheitliche Vermögensberatung, Vermögensverwaltung, Stiftungsmanagement, Family Office, Custody Services, Nachfolgeplanung, Immobilienberatung, M&A-Beratung, Cross Border-Vermögensberatung, Kunstberatung
Alleinstellungsmerkmal/Versprechen an den Kunden: Das Bankhaus Spängler ist das älteste Bankhaus Österreichs. Als führende Beratungsbank für Privatvermögen und Familienunternehmen sieht sie die wesentlichen Abgrenzungsmerkmale in der überschaubaren Größe als traditionsreiches österreichisches Familienunternehmen, in der Unabhängigkeit der Aktionärsstruktur, der Produktwahl und der Dienstleistungsgestaltung sowie dem besonderen Investmentansatz mit Fokus auf Transparenz, Risikomanagement und Kosteneffizienz.
Verwaltete Kundenvermögen: 3,742 Milliarden Euro (ab einer Einlagenhöhe von 300.000 Euro)

Kundenzahl: 1.853 (ab einer Einlagenhöhe von 300.000 Euro)

Einstiegsuntergrenze für Private Banking: 300.000 Euro

Einstiegsuntergrenze für Private Wealth Management: 3 Millionen Euro

Produkte in der Vermögensverwaltung: Aktien, Renten, ETFs

Hauseigene Produkte: Das Spektrum reicht von klassischen Spängler-Kassenobligationen (jederzeit verfügbare Schuldverschreibungen) über Anleihen bis hin zu Investmentfonds. Die Spängler IQAM Invest GmbH (Kapitalanlagegesellschaft, an der das Bankhaus Spängler zu 37,57 Prozent beteiligt ist) legt Investmentfonds auf. Diese Fonds werden teilweise selbst und teilweise von externen Fondsmanagern verwaltet. Im Rahmen der diskretionären Vermögensverwaltung setzt die Bank keine eigenen Produkte ein. Die Vermögensverwaltung kann auf zwei Arten umgesetzt werden: entweder direkt auf Depotebene, wobei alle Einzeltitel unmittelbar in den Kundendepots ge- bzw. verkauft werden, oder innerhalb von Fondshüllen, wobei die Investments im Rahmen dieser Hüllen erfolgen. Die Fondshüllen sind nicht als Eigenprodukte anzusehen, sondern als technische Lösung, die den Kunden Vorteile bietet (u.a. steuerliche Vorteile und hohe Effizienz, z.B. durch eine deutlich einfachere Erfassung in der Buchhaltung). Die Fondshüllen eignen sich insbesondere für geringere Anlagevolumen, bei denen eine direkte Umsetzung der Vermögensverwaltung auf Depotebene aufgrund der erforderlichen Diversifikation nicht möglich wäre.
Research: Fremdresearch
Für die taktische Asset Allocation wird fundamentales Research von BCA International Research (Montreal) und R&A Group (Zürich) zugekauft. Quantitative Prognosen für Anleihen, Aktien und Währungen werden von der Spängler IQAM Invest GmbH bezogen. Eigenresearch
Die Fonds- und Managerauswahl wird auf Basis von eigenem Research durchgeführt. Die Aktieneinzeltitelselektion für Europa und Nordamerika erfolgt auf Basis eigener Kriterien im Bankhaus Spängler. Zudem verfügt die Bank über eigene Sentiment-Indikatoren (Behavioral Finance). Standardkonditionen: Bei einer ausgewogenen Risikostruktur und einem Anlagevolumen von
  • 1,1 Mio. Euro: 0,75 Prozent
  • 3,1 Mio. Euro: 0,65 Prozent
  • 5,1 Mio. Euro: 0,55 Prozent
Etwaige anfallende fremde Spesen (Broker- und Lieferspesen) werden separat verrechnet. Im Rahmen der Vermögensverwaltung werden keine hauseigenen Produkte eingesetzt. Grundsätzlich wird angestrebt, stets institutionelle Tranchen von Fonds oder ETFs im Rahmen der Vermögensverwaltung zu verwenden. Diese zahlen keine Bestandprovisionen. Sollten Fonds oder ETFs Bestandsprovisionen zahlen, fließen diese zur Gänze dem Kundendepot zu.

Hinweis: Dieses Bankenporträt beruht auf den Eindrücken aus einem individuellen Erstberatungsgespräch, das ein zuvor geschulter Testkunde durchgeführt hat. Die wiedergegebenen Eindrücke wurden während des Gesprächs oder unmittelbar danach schriftlich protokolliert. Subjektive Wahrnehmungen lassen sich nicht ausschließen. Der Testkunde hat sich zur Neutralität gegenüber dem getesteten Institut verpflichtet. Die Bewertung wurde nach einem festen Schema vorgenommen, das die Private Banking Prüfinstanz erstellt hat. Es beruht auf der jahrelangen – wissenschaftlich untermauerten – Beschäftigung mit dem Thema Beratungsqualität im Private Banking durch die Private Banking Prüfinstanz, Dr. Richter | IQF und Ralf Vielhaber | Verlag FUCHSBRIEFE.

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