Bitte registrieren Sie sich neu, um alle nicht kostenpflichtigen Inhalte auf fuchsrichter.de einsehen zu können.
0,00 €
2522
ODDO BHF im Beauty Contest der Wilhelm Weidemann Jugendstiftung

Bei ODDO BHF bleibt der Elefant im Raum

Zweiter Versuch, zweites Glück. ODDO BHF war bislang der Vermögensverwalter der Wilhelm Weidemann Jugendstiftung und tritt an, das Mandat zu verteidigen. Der bisherige Berater ist nicht mehr im Team, er hatte die Stiftung nicht wirklich glücklich gemacht. Sie hätte sich über ein neues Angebot gefreut, doch bislang kam da nichts … Dies ist der Elefant im Raum. Nun hat ein anderes, frisches Team die Möglichkeit, verloren gegangenes Terrain zurückzuerobern. Ob das gelingt?

Man merkt den Sprechern – Niederlassungsleiter Berlin, Stiftungsexpertin und Portfoliomanager – die Aufregung an – was nicht stört, denn es ist nur allzu menschlich. Doch um gleich zum Punkt zu kommen: Der Elefant steht von Beginn an im Raum und wird nicht weggeführt, sondern nimmt den Sprechern wie Zuhörern Luft zum Atmen und die unbefangene Möglichkeit, sich auf das Neue einzulassen. Eine proaktive Herangehensweise hätte hier Wunder wirken können. Doch keine Silbe zur Vergangenheit, so als könnte sie im Nirwana vergehen. Auch keine Frage im Vorfeld, warum die Stiftung überhaupt erwägt, sich von ODDO zu verabschieden. Das alles muss somit zum Schluss, in der Fragerunde, auf den Tisch …

Strukturiert und eingeübt vorgetragen

Der Vortrag ist augenscheinlich eingeübt und strukturiert, die Rollen klar verteilt, die Redeanteile nicht ganz, der Portfoliomanager hat ein deutliches Übergewicht. Am Anfang steht ein „Vorwort“, eine etwas zu lang geratene Vorstellung des eigenen Hauses, mit dem die Stiftung längst zusammenarbeitet. Muss das sein? Hat man das nicht beachtet, nicht bedacht? Jedenfalls ist schon ein Fünftel der Redezeit vorüber. Und die Stiftungsvertreter warten ein wenig ungeduldig darauf, dass auch sie langsam ins Spiel gebracht werden.

Um keinen falschen Eindruck zu erwecken. Die Bank, bzw. das „neue“ Team hinterlässt keinen schlechten Eindruck mit der Präsentation ihres Konzepts. Die Zielrendite von brutto 4,6% wird gleich am Anfang sauber abgeleitet präsentiert und ist somit der Dreh- und Angelpunkt des Vortrags. Der Investmentprozess ist ausgesprochen durchdacht und wird auch so „rübergebracht“.

Übergewicht Europa im Portfolio

Nur das stark europalastige Portfolio wirft Fragen auf, die nur bedingt zufriedenstellend beantwortet werden. Die Hintergründe für die flache Zinsstruktur werden eingängig erläutert, beim Publikum bleiben keine Fragen zurück. Die vielen Finanzwerte im Portfolio benötige man, um das Ertragsziel der Stiftung zu erreichen. Die erwarteten Erträge nach Kosten sind sauber und transparent hergleitet, prima. Auch die Qualitätsselektion im Investmentprozess leuchtet sofort ein. Die Renditezahlen von Vergleichsportfolien, auch aus Vorjahren, hat der Portfoliomanager parat und kann sie erläutern – sehr gut. Dass das Investmentteam die ausreichende Stärke hat, um eigene Analysen durchzuführen, bleibt ohne Zweifel.

Die niedrige Inflationsannahme von 2% wirkt sehr optimistisch. „Wir nehmen die 2%, weil wir keine Prognose anstellen können über die nächsten 10 bis 15 Jahre und beziehen uns auf die Erwartungen der Notenbank“, ist kein überzeugendes Argument, zumal der Chief-Investment-Officer des Hauses eine durchaus dezidierte und – zumindest für die nächste Zeit – davon abweichende Meinung zum Thema vertritt. Sollte die Annahme nicht eintreten, wäre jedenfalls auch der Werterhalt mit dem vorgestellten Portfolio gefährdet. Dann würde man den Renten Anteil verringern und den Aktienanteil erhöhen, heißt es. Außerdem werde man dann „einen anderen Zinsmarkt sehen und die mittlere Duration verändern.“

Nachhaltigkeitsansatz sehr bankbezogen

Der integrierte Nachhaltigkeitsansatz wird nachvollziehbar erklärt. Vor allem gefällt die transparente Klarstellung, wo die Bank nicht mit den Empfehlungen der EKD übereinstimmt, nämlich bei 5% Kohleverstromung; bei BHF komme man erst bei 25% zum Ausschluss eines Unternehmens. Auch Tierversuche innerhalb eines Unternehmens „können wir nicht sehen“. Man stütze sich auf die Expertise des US-Anbieters MSCI, fraglos ein renommiertes Unternehmen auf dem Gebiet. Hier wird offen und „proaktiv“ kommuniziert, fein.

Doch so ganz will das Nachhaltigkeitskonzept der BHF die Stiftung nicht zufrieden stellen. Denn die Betonung liegt auf dem eigenen Nachhaltigkeitsverständnis der Bank, aber nicht dem der Stiftung. Vom hauseigenen Ansatz könne und wolle man nicht abweichen, heißt es. Das ist unbefriedigend …

Zum Schluss noch ein Stolperer

Ins Stolpern geraten die Vortragenden noch einmal, als sie von einem Stiftungsvorstand darauf angesprochen werden, wie lange denn der Nachhaltigkeitsansatz bereits implementiert sei und warum der Ex-Berater gesagt habe: „Rendite geht bei uns über alles“. Das sei jedenfalls heute nicht mehr so, lautet die ein lahme Erwiderung.

Den Elefanten glaubte man allein mit dem „Blick nach vorn“ beiseite geräumt zu haben und mit dem neuen Honorarmodell, das ohne Performance-Fee auskommt, sowie mit Kosten von 0,83% inkl. USt. Das ist günstig im Marktvergleich. Hier hätte die Bank jedoch direkter den Punkt ansprechen müssen und ein „Highlight“ platzieren.

Fazit: Ganz gut, aber gut genug? Die Stiftungsverantwortlichen haben nach dem Vortrag einiges zu diskutieren. Es gibt Licht, aber auch manchen Schatten und einen Elefanten, der ihn viel zu lange wirft.

Lesen Sie weitere Berichte in den Rating-News der FUCHS|RICHTER Prüfinstanz zum Stiftungsmanagement

Neueste Artikel
  • Wochenbericht zu Projekt VIII in KW 48: Performance, Gewinner und Verlierer

FV Frankfurter Vermögen und INVIOS vorne

Erstellt mir Canva
In KW 49 rutschen viele Teilnehmer von Projekt 8 ins Minus. Das Benchmarkdepot (ID 609) verliert 1.777,65 Euro und sein Maximal‑Drawdown steigt auf 0,7634 Prozent (0,7634 %). Gleichzeitig setzen FV Frankfurter Vermögen und INVIOS positive Akzente; CSR Beratungsgesellschaft und Steiermärkische Sparkasse fallen klar zurück. Handelsaktivitäten gab es in Projekt 8 keine.
  • Wochenbericht zu Projekt VII: Benchmarkdepot bleibt Maßstab

FV Frankfurter Vermögen und Fürst Fugger vorn

Erstellt mit Canva
In KW 49 legt das Benchmarkdepot um 1.795,03 Euro zu. Fünf Häuser schlagen die Referenz, angeführt von FV Frankfurter Vermögen AG und Fürst Fugger Privatbank AG. Am Ende der Skala: DGK & Co. und Bankhaus Carl Spängler & Co. AG. Parallel sinkt der Benchmark‑Drawdown auf 0,614 Prozent. In Projekt 7 (Private Banking Depot) wurden drei Transaktionen getätigt – die Benchmark handelte nicht.
  • Fuchs plus
  • Strategisch statt spekulativ: Die Weberbank inszeniert eine Reise zur Vermögenssicherheit

Die Tauchreise zur Strategie

Erstellt mit Canva
Die Weberbank präsentiert ihren Anlagevorschlag als persönliche Reise vom Glück zur Strategie. Drei Vertreter des Hauses greifen die Lebenssituation des Kunden auf, inszenieren eine klare Story – und stoßen auf Lob und Widerspruch. Der Auftritt überzeugt durch Nähe, verliert jedoch am Ende durch Floskeln und Rollenkonflikte.
Zum Seitenanfang