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HSH Nordbank, Stiftungsmanagement 2018: Qualifikation

Die privatisierte Landesbank

Die HSH Nordbank hat es nicht in die Endauswahl geschafft.
Die HSH Nordbank ist die erste in Deutschland privatisierte Landesbank. Nach einem spektakulären Absturz nach der Finanzkrise, hat sie ein US-Investor aufgekauft. Hübsch gemacht durch Steuergelder, besteht die Chance auf einen Neuanfang. Wird sie genutzt?

Spektakulärer Zusammenbruch

Als sich 2003 die Landesbanken Hamburgs und Schleswig Holstein zur Hamburgisch-Schleswig-Holsteinischen Nordbank zusammenschlossen, konnte noch niemand die Folgen der Finanzkrise von 2008 absehen. „Besoffen von der Idee, als Global Player" zu agieren, so die ehemalige Ministerpräsidentin Schleswig Holsteins 2009, Peter Harry Carstensen, schlitterte die HSH in den letzten zehn Jahre immer weiter dem Abgrund entgegen. Sie wurde von öffentlichen Geldern gestützt, ihr gesamter Vorstand kam 2013 wegen Veruntreuung vor Gericht, sie war in die Cum-Ex-Steuerhinterziehungsdeals verwickelt und die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung hat ihr Falschbilanzierungen diagnostiziert.

Frischer Start?

Im Zuge ihrer zahlreichen Krisen ist der Mitarbeiterstand der Bank von anfangs 4.500 auf knappe 2.000 gesunken. Die Bilanzsumme verringerte sich im gleichen Zeitraum von 180 Mrd. auf 76 Mrd. Euro.

2018 muss die HSH auf Druck der EU-Kommission privatisiert werden. Käufer war der US-Finanzinvestor Cerberus. Die Bank ist zu diesem Zeitpunkt durch Steuergelder in Höhe von 13 Mrd. € „ausgemistet" und mit viel Eigenkapital ausgestattet sowie fast aller Risiken entledigt. Beste Bedingungen für einen Neustart.

Stiftungskompetenz kann die HSH seit 1995 vorweisen. Derzeit haben ihr 325 Stiftungen ein Vermögen von 350 Mio. € anvertraut. Zwei Mitarbeiter haben sich auf Stiftungsthemen spezialisiert.

Äußerst knapper Anlagevorschlag

Der äußerst knapp gehaltene Anlagevorschlag umfasst gerade einmal sieben Seiten. Um 2,5% Rendite zu erreichen, möchte die HSH 50% des Vermögens der Stiftung in Aktien und 47% in Anleihen investieren. Dazu sind 3% Liquidität vorgesehen. Die erwartete Rendite von 2,52% soll erreicht werden durch 4,74% Ausschüttungen aus Aktien, 2,13% aus Fonds und 3,5% aus Zertifikaten.

Die Präsentationen der Aktien, Fonds und Zertifikate der folgenden Seiten bestehen ausschließlich aus Graphen und Tabellen. Zusammenfassende Stichpunkte, geschweige denn erklärende Texte, fehlen völlig.

Die Aktien sollen zu 100% in Euro erworben werden, die größten Teile hierbei aus Frankreich, Italien und Deutschland. Auch die Fonds belaufen sich ausschließlich auf Euro und sind aufgeteilt in die Assetklassen Fixed Income (46%), Equity (38%), Mixed Allocation (10%) und Real Estate (6%). Das einzige Zertifikat ist der Fix Kupon Express.

Ohne Zusammenfassung ist die siebenseitige Präsentation an dieser Stelle auch schon zu Ende. Track Record? Fehlanzeige. Kommentar zu unserem Anlagevorschlag von 4 Mio. Euro? Nicht vorhanden. Persönlicher Bezug? Fehlt.

Allgemeine, unpersönliche Präsentationen

Mitgeliefert sind immerhin einige allgemeine Hinweise zum Haus und zu Anlagerichtlinien, die teilweise den Hinweis „Werbemitteilung" auf der ersten Seite enthalten.

Darin findet sich unter anderem das Leistungsversprechen der HSH für Stiftungen: Von Gründung einer Stiftung über Optimierung, Spenden und Netzwerke bis zur Vermögensstrategie möchte die Bank begleitend und unterstützend tätig sein.

Die Anlagephilosophie hat zunächst Kapitalerhalt und Erwirtschaftung eines positiven Ertrags zum Ziel. Kerninvestitionen sollen in Euro-Direktanlagen erfolgen mit Schwerpunkt auf Aktien, Anleihen und Investmentfonds. Als Opportunitäten dienen Investitionen in andere Anlagen wie Rohstoffe oder Immobilien.

Durch Renten erhofft sich die HSH Basiserträge bei geringer Volatilität. Sie beinhalten Staatsanleihen, Pfandbriefe, Investmentfonds und ETFs (Exchange Traded Fund). Aktien sollen Kursgewinne und Seitwärtsrenditen erwirtschaften und sind auf maximal drei Titel je Branche beschränkt. Andere Anlagen dienen der Diversifikation und als Zusatzanträge.

Die Diversifikation soll der HSH bei der Minimierung von Risiken helfen und Ertragspotenziale erschließen. In der Portfoliosteuerung würden fundamentale sowie technische Analysen zum Einsatz kommen. Aktives Management und „konsequentes Risikomanagement" sollen zur ständigen Anpassung an schwankende Marktbedingungen und zur Einhaltung der vereinbarten Verlust- und Anlagegrenzen dienen. Die Portfolien werden nach festgelegten Kriterien gesteuert und überwacht.

Die all-in Vergütung beträgt 0,75 % (inkl. MwSt. 0,8925% p.a.). Das ist im Marktvergleich eher happig.

Bewertung

Die HSH liefert mehrere Präsentationen, u. a. zu ihrem Haus, für Investoren und allgemeine Anlagerichtlinien. Unter ihnen findet sich jedoch nichts, was die Stiftungsverantwortlichen persönlich anspricht oder auf deren Ausschreibung Bezug nimmt. Auch der Anlagevorschlag über 4 Mio. Euro bleibt unkommentiert. Alles ist wenig ansprechend, wirkt lieblos und ohne echtes Bemühen.

Stiftungsservices und Transparenz


Zum Service der HSH gehört, ihre Kunden bei der Gestaltung der stiftungsspezifischen Anlagerichtlinien und dem Aufbau einer Fundraisingstruktur zu beraten. Auch unterstützt wird die strategische Besetzung von Stiftungsgremien und deren Nachfolge sowie die Markenpositionierung der Stiftung.

Auf Wunsch bietet die HSH Mitarbeit in Stiftungsgremien und Unterstützung der Geschäftsführung an. Zum weiteren Angebot gehören Sparringspartner zu aktuellen Themen, die im Fokus der Stiftungen stehen wie z.B. neutrale Risikoeinschätzung, Ertragsoptimierung, Steuerungsthemen in der Stiftung. Treuhandstiftungen werden nicht angeboten.

Kooperationspartner im Bereich Stiftungsberatung sind das Institut für Markt-Umwelt-Gesellschaft (imug) sowie Schomerus und Partner, Hamburg und Berlin.

Diskussionsrunden für Stiftungskunden

Neben der reinen Vermögensverwaltung bietet die HSH ebenso Seminare, Vorträge und Diskussionsrunden an. So sollen Kunden mehr über die methodischen Grundlagen einer Stiftungsgründung sowie eines erfolgreichen Stiftungsmanagements lernen können, so die Bank.

Über die Netzwerke bleiben die Stifter auch nach Stiftungsgründung in Verbindung mit dem Hause und haben die Möglichkeit zur Gründung neuer Stifterkooperationen untereinander.

Des Weiteren zählt die Beantwortung von Fragen zur steuerlichen Gestaltung, Errichtung und Umsetzung passender Strukturen unter Einbindung der steuerlichen und rechtlichen Berater zum Service.

Gute Beratung ausschlaggebend

Gerade weil Stiftungen immer wichtigere gesellschaftliche Funktionen übernähmen, sieht die HSH gute Beratung als ausschlaggebend bei der Stiftungsgründung. Hier fühlen wir uns beinahe auf den Arm genommen. Die Erfolgsfaktoren für Stiftungen seien die strategische Ausrichtung von Anfang an, ein klares Modell gesellschaftlicher Veränderungswirkung sowie Erfolgsmessungen an definierten Kriterien.

Voraussetzung für effektive Stiftungsarbeit seien Motivation, Information sowie Vernetzung der Stifter. Dabei würden zahlreiche Studien zeigen, dass Stifter aus Erfahrung, von ihresgleichen und in der Praxis anhand konkreter Projekte lernen. Bei Erfolg würde das gemeinnützige Engagement oftmals ausgeweitet und diversifiziert; Stiftungen würden dann aufgestockt, wenn konkrete Erfolge sichtbar sind.


Adresse

HSH Nordbank AG, Gerhart-Hauptmann-Platz 50, 20095 Hamburg

 

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Fazit

Die HSH Nordbank bleibt mit ihrem Vorschlag weit hinter den Spitzenleistungen zurück. Die Präsentation wirkt unpersönlich und lieblos und nimmt wenig Bezug auf die Ausschreibung der Stiftung. Aber wie sagt man heute in solchen Fällen? Wir sehen da noch viel Potenzial!

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