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Das Vermögen der Stiftung 2024

Fusion statt Schmelze: Kooperationen als Lösung für Stiftungen

Thumb Stiftungsvermögens-Report 2024 © Collage: Verlag Fuchsbriefe, Bild: envato elements
Stiftungen und ihre Arbeit gehören schon seit Jahrhunderten zu Deutschland. Ca. 250 Stiftungen können eine Historie von mehr als 500 Jahren an engagierter Arbeit vorweisen. Sie haben sich den veränderten Gegebenheiten erfolgreich gestellt, Kriege, Hyperinflation, gesellschaftliche Umbrüche, Diktaturen, Ent-eignungen überstanden. Doch nicht jede Stiftung ist in der Lage ihrem Auftrag dauerhaft nachzukommen. Der Beitrag von Jens Güldner befasst sich damit, was zu tun ist, um dem entgegenzuwirken.

Stiftungen in Deutschland (geschätztes Vermögen > 110 Mrd. EUR, davon aktuell ca. 95 % gemeinnützig), sind mittlerweile ein bedeutender, aktiver Player in unserer Zivilgesellschaft. Mit ihrem Wirken sind sie Impulsgeber und tragen somit entscheidend zum gesellschaftlichen Wandel bei.

Sie unterstützen praktische Verbesserungen im Lebensalltag, bringen dringende Lösungen für Reformen ein, stellen sich den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen unserer sich dynamisch entwickelnden Zivilgesellschaft. Stiftungen stehen mit ihrem Wirken somit in einer besonderen Verantwortung.

Langfristige Grundausrichtung

Stiftungen sind darauf ausgerichtet, langfristig zu handeln und zu agieren. Die Vermögensanlage spielt dabei eine wichtige Rolle. Sie muss die anvertrauten Stiftungsmittel langfristig und satzungsgemäß verwalten, um zum Erfolg der Stiftung beizutragen.

Die letzten Jahre im extremen Niedrigzinsumfeld haben die Vermögensanlage für Stiftungen erschwert. Während Altbestände noch Kursgewinne verzeichnen konnten, waren die Zinsen für Neuanlagen kaum noch rentabel. Andere Anlageklassen wie Aktien oder Immobilien konnten zwar positive Erträge erzielen, aber mit hoher Volatilität. Die Corona-Pandemie und der Krieg in der Ukraine haben die Situation weiter erschwert. Die Kapitalmärkte veränderten sich dynamisch. Das hatte zum Teil negative Auswirkungen auf das Stiftungsportfolio.

Zeitenwende(n) an den Kapitalmärkten

Auch 2024 stehen die Zeichen auf Veränderung an den Kapitalmärkten. Die Chancen und Risiken der Kapitalanlage müssen neu bewertet werden, um den langfristigen Erfolg der Stiftung sicherzustellen.

Bei der Anlage in Anleihen sollten die höheren erzielbaren Kupons genutzt werden, um die Rendite des Stiftungsportfolios zu steigern. Bestandsanleihen sollten kosteneffizient gegen Anleihen mit höheren Kupons ausgetauscht werden.

Zinsen sichern vor der Wende von Fed und EZB

Die schöne, neue Zins-Welt könnte nicht nur für Stiftungen schon bald enden. So wird erwartet, dass die Zentralbanken 2024 die Leitzinsen senken werden, damit die Kreditzinsen bald sinken können. Wer das derzeit hohe Niveau noch länger nutzen möchte, sollte sich intensiv mit dem Anleihemarkt beschäftigen. Es geht darum, Anlagemöglichkeiten Risiko adjustiert auszuwählen und ins Stiftungsportfolio einzubauen. So lässt sich die Ertragsseite der Stiftung stabilisieren.

Die Asset klasse Aktien hat in den letzten Jahren gute Erträge erzielt, sowohl bei der Performance als auch bei den ausgeschütteten Dividenden. Auch passive Strategien mit ETFs haben gute Ergebnisse geliefert und ethische und nachhaltige Investmentstrategien unterstützt.

Stetig und dauerhaft Substanzstärke ausweisen

Um die Substanzstärke und Leistungsfähigkeit langfristig zu erhalten, müssen Stiftungen nachhaltig handeln und ihre Ziele mit hoher Qualität erreichen. Die Implementierung der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der UN fördert diesen ganzheitlichen Ansatz.

Kapitalanlagen und Stiftungstätigkeit

"49,4 % der Einnahmen von Stiftungen stammen laut Bundesverband Deutscher Stiftungen aus der Vermögensverwaltung." Gelder, die Stiftungen mit einem Zweckbetrieb oder einem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb einnehmen, spielen für die meisten Stiftungen eine untergeordnete Rolle.

Die Kapitalanlagen sind somit die Hauptertragsquelle von Stiftungen und ein entscheidender Baustein für den langfristigen Erfolg. Falsch strukturiert, bzw. im Zeitverlauf nicht Risiko adjustiert gemanagt, können Kapitalanlagen den (realen) Substanzerhalt gefährden, dem Stiftungszweck zuwiderlaufen und damit die Stiftungsarbeit und deren Leistungsfähigkeit behindern. Schlimmer noch: Die durch eine sehr gute Fördertätigkeit jahrelang aufgebaute Reputation in der Öffentlichkeit, kann durch schlechte Ergebnisse in der Kapitalanlage innerhalb kürzester Zeit geschädigt werden.

Hauptertragsquelle Kapitalanlagen

Die Optimierung der Portfoliostruktur und das aktive Risikomanagement sind entscheidend für den Erfolg des Stiftungsportfolios. Die Einschätzung der zukünftigen Renditen und Risiken sollte sowohl die nominalen als auch die realen Zinsen berücksichtigen. Die Marktzinsentwicklung und die Zinsentscheidungen der Zentralbanken spielen dabei eine wichtige Rolle.

Um die ausschüttungsfähigen Erträge zu stabilisieren, sollten Anleihen mit höheren Kupons und Aktien mit höheren Dividendenrenditen genutzt werden. Die Differenz zwischen nominalen und realen Renditen kann durch eine Beimischung von Substanzwerten ausgeglichen werden.

Stiftungswesen in Zahlen

Eine gute Portfoliostruktur zu bauen, reicht jedoch nicht aus. Viele Stiftungen sind einfach zu klein, um nachhaltig wirken zu können.

Stiftungserrichtungen und Vermögen

  • So wurde vom Bundesverband Deutscher Stiftungen ermittelt, dass 83 % der Stiftungen, und damit die deutliche Mehrheit, mit bis zu unter 1 Mio. EUR und lediglich 2,9 % mit einem Anfangskapital ab 10 Mio. EUR errichtet wurden.
  • Gemäß Bundesverband verfügen 16,7 % der bestehenden Stiftungen über weniger als 100.000 EUR Grundstockvermögen, lediglich 7,8 % über mehr als 10 Mio. EUR.
  • Die Mehrheit, d.h. gut 60 % der bestehenden Stiftungen in Deutschland und sogar gut 80 % der Neuerrichtungen, arbeiten mit einem Grundstockvermögen von unter 1 Mio. EUR. In diesen Stiftungen engagieren sich die Mitglieder der Gremien ehrenamtlich. Vor allem sie stehen vor sehr vielen Zukunftsherausforderungen.
  • Lediglich 30,6 % der Stiftungen besitzen die Möglichkeit, jährlich Gesamtausgaben über 100.000 EUR und mehr tätigen zu können. Nur jede achte Stiftung besitzt das wirtschaftliche Potential, mehr als 1 Mio. EUR pro Jahr ausgeben zu können.
  • Kooperationen als Schlüssel zum Erfolg des Stiftungswesens in Deutschland
  • Kooperationen und Zusammenarbeit sind ein positiver Trend in der Stiftungslandschaft. Kleine Stiftungen kooperieren jedoch seltener als große. Die Zusammenarbeit erfolgt vor allem bei der Erarbeitung gemeinsamer Projekte und Programme, finanzieller Unterstützung und dem Austausch von Informationen. Das neue Stiftungsrecht ermöglicht Fusionen und Zusammenschlüsse, die Effizienz heben und langfristigen Erfolg sichern können.
  • Diese Aufgaben gilt es dringend zu lösen. Die Lösungswege werden über die weitere Leistungsfähigkeit und den zukünftigen Stand dieser Stiftungen entscheiden.

Alte Zöpfe abschneiden

Um dieser Verantwortung gerecht zu werden, müssen sich Stiftungen den alltäglichen und neuen Herausforderungen stellen, auch wenn sie dabei „alte Zöpfe“ abschneiden und neue Wege gehen müssen.

Um die Substanzstärke und Leistungsfähigkeit „über Generationen“ zu erhalten, bedarf es für viele Stiftungen verstärkter Anstrengungen bei Kooperationen, Zusammenarbeit, Professionalisierung des Stiftungsgeschäfts bis hin zu Zusammenschlüssen, um der Verantwortung vollumfassend gerecht zu werden.

(Zu) klein ist nicht oho

Das neue Stiftungsgesetz begünstigt die Entwicklung hin zu leistungsfähigeren Stiftungen. Fusionen auf Stiftungsebene, der Anschluss kleiner Stiftungen an größere, wird mit der neuen Rechtsgrundlage ermöglicht. Viele kleinere Stiftungen sollten sich dem Prozess der Überlegungen in Bezug auf den Zusammenschluss mit anderen Stiftungen stellen. Sie sollten sich diesbezüglich beraten lassen.

Was Verbände und Medien leisten sollten

Eine bedeutsame Rolle im Transmissionsprozess kommt auch Verbänden zu, wie dem Bundesverband Deutscher Stiftungen, in denen Stiftungen aktiv organisiert sind.

Auch die Fachpresse kann einen aktiven Beitrag in der Analyse und im Aufzeigen von Lösungsansätzen in diesem Prozess leisten.

Der Autor

Jens Güldner ist Diplom-Ökonom und Leiter Treasury am Evangelischen Johannesstift, Berlin und Mitglied des Beirats Stiftungsmanagement der FUCHS | RICHTER Prüfinstanz. Jens Güldner war nach seinem Studium Wirtschaft und Recht bei der Berliner Commerzbank, Abteilung Privatkunden, danach Firmenkunden beschäftigt, danach bei der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" stv. Leiter Finanzen / Controlling bevor er 2008 zum Johannesstift wechselte. Güldner hat mehrfach Preise für sein Stiftungsportfolio, vor allem für dessen nachhaltige Ausrichtung, erhalten. Seit 2015 engagiert er sich ehrenamtlich im Vorstand bei der Werner und Maren Otto Stiftung, zunächst als Finanzvorstand, ab 2018 als Vorsitzender des Vorstands. Jens Güldner arbeitet zudem in verschiedenen Verbänden und Arbeitskreisen, wie zum Beispiel dem Bundesverband Deutscher Stiftungen, Forum nachhaltiger Geldanlagen und CRIC.

Fazit: Die Zusammenarbeit von Stiftungen und die Professionalisierung des Stiftungsmanagements sind wichtige Schritte, um den langfristigen Erfolg und die Leistungsfähigkeit der Stiftungen zu sichern.

Lesen Sie weitere Berichte in den Rating-News der FUCHS|RICHTER Prüfinstanz zum Stiftungsmanagement.

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