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Gas-Riese kehrt Europa den Rücken

Gazprom wird deutsche Gesellschaft zeitnah schließen

Logo von Gazprom. (c) picture alliance / ZUMAPRESS.com | Maksim Konstantinov
Der russische Gaskonzern Gazprom kehrt Europa den Rücken. Das Unternehmen wird die Gesellschaft Gazprom Germania zeitnah abwickeln. Davon betroffen sind sieben Tochtergesellschaften. Damit werden alle engeren Verbindungen vor Ort zu Europa gekappt.

Gazprom Germania wird bald die Segel streichen und die Gesellschaft auflösen. Das hören wir aus engsten Insiderkreisen des Unternehmens. Der Rückzug von Shell und der Rauswurf als Sponsor von Schalke 04 beschleunigen den Exit aus Deutschland jetzt noch. 

Für Gazprom gibt es immer weniger Gründe, eine eigene deutsche Gesellschaft zu unterhalten. Aus politischen und steuerlichen Gründen wurde ohnehin schon überlegt, die deutsche Gesellschaft zu schließen und das Gasliefergeschäft nur über die russische Muttergesellschaft abzuwickeln (FB vom 4.11.21). Die finale Entscheidung dazu war aber noch nicht getroffen worden.

Gazprom bereitet Exit aus Deutschland vor

Innerhalb von Gazprom Deutschland sollen schon konkrete Vorbereitungen für die Schließung laufen. Wir hören aus hoch angesiedelten Mitarbeiterkreisen, dass die „Bereinigung von Daten“ und das „Aufräumen von Papieren und Unterlagen“ als akut vorrangige Aufgaben festgelegt wurde.

Dem Vernehmen nach ist das Unternehmen auch bereits damit beschäftigt, seine „Finanzen zu sortieren“. Konkret geht es dabei darum, so viel Geld wie möglich so schnell wie möglich nach Russland zu transferieren. Das soll dem SWIFT-Ausschluss vorgreifen. Angeblich verbleibt nur noch so viel Kapital vor Ort wie nötig, um die Angestellten über „eine gewisse Zeit“ zu bezahlen. Viele Mitarbeiter wissen davon noch nichts, ahnen das Ende aber bereits. Das Unternehmen wolle derzeit noch keine Schließung kommunizieren, damit die Beschäftigten nicht vorzeitig „von der Fahne“ gehen oder sich krankmelden.

Abschied aus Europa: Sieben Tochtergesellschaften betroffen

Von einer Schließung von Gazprom Germania wären sieben Tochterfirmen betroffen, darunter Gazprom Schweiz, Gazprom Marketing & Trading (London), Wingas, Astoria). Ein Hauptstandort diverser Tochterfirmen ist Kassel. Ein Rückzug aus Deutschland würde sich auch auf die Bereiche Kunst und Kultur auswirken, in denen der Konzern in etlichen Feldern Sponsor und Unterstützer ist.

Zusätzlich forciert wird diese Bewegung aus London. Von dort berichtet unser Korrespondent heute morgen (Donnerstag), dass Gazprom die Büros der Tochter Marketing & Trading gekündigt wurden. Der Vermieter British Land hat mitgeteilt, dass die Gazprom-Büroetagen am Regent´s Park angesichts des Überfalls Russlands auf die Ukraine "so schnell wie möglich geräumt" werden sollen. 

Fazit: Bei Gazprom Deutschland laufen die Vorbereitungen für die Schließung der Gesellschaft auf Hochtouren. Gazprom wird voraussichtlich zwar auch künftig weiter Gas nach Deutschland liefern (über Nordstream 1). Bezahlt wird über die Gazprom-Bank, die vom SWIFT-Ausschluss ausgenommen ist. Ein Lieferstopp durch Russland ist ebenfalls unwahrscheinlich. Allerdings wird Deutschland dann direkt von der russischen Mutter kaufen müssen.
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