Gegen Preis-Risiken absichern
Die finanziellen Schwierigkeiten der Meyer-Werft zeigen Unternehmen, wie existenziell wichtig es ist, sich gegen Preisrisiken abzusichern. Die Werft (Papenburg, Rostock, Turku) ist als weltweit führender Hersteller von Kreuzfahrtschiffen der Stolz Niedersachsens. Aber trotz voller Auftragsbücher ist die Meyer-Werft in argen Schwierigkeiten. Sie hat eine Finanzierungslücke von 2,7 Mrd. Euro.
Die Versäumnisse liegen tief im Unternehmen begründet. Hauptproblem sind Altverträge, die keine Anpassung an die drastisch gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise enthalten. Warum die in dieser Branche üblichen Preisgleitklauseln nicht in den Verträgen der Werft enthalten sind, bleibt für uns offen. Hinzu kommt, dass die Werft den Bau der Schiffe mit Krediten zwischenfinanzieren muss. Die stark gestiegenen kurzfristigen Zinsen schlagen hier negativ zu Buche.
Einkaufspreise absichern, Preisgleitklauseln nutzen
Preisschwankungen können in kurzer Zeit erheblich sein. Das zeigt die Kostenentwicklung von Warmbreitband. Im Sommer 2020 kostete der Stahl pro Tonne 400 Euro. Ein Jahr später lag der Preis bei 1.200 Euro und bei 1.450 Euro nach dem russischen Überfall auf die Ukraine. Diese Preisentwicklung ist den Werft-Managern hart auf die Füße gefallen.
Das Beispiel sollte Unternehmen zur Vorsicht mahnen. Der Einkauf in material- und energieintensiven Branchen muss immer klären, wann und wie Preise für wichtige Vorprodukte langfristig abgesichert werden können. Zudem sollten Preisgleitklauseln in Verträgen genutzt werden. Die sind keine neue Erfindung. Es gibt Preisindizes für Stahl, die als eine Bezugsgröße für Preisanpassungen in der Baubranche gelten. Tarife im Transport (Lkw) lassen sich an Preisentwicklung wichtiger Kostenbestandteile wie die Erzeugerpreise für Lkw und Diesel koppeln. Ist z.B. Sicherheitsglas ein relevanter Bestandteil eines Produktes, könnte es sinnvoll sein, den Erzeugerpreisindex für Sicherheitsglas für eine Preisgleitklausel heranzuziehen.
Komplexe Mathe-Formeln und Hilfsangebote
Das Thema ist mathematisch-methodisch durchaus komplex. Hilfe gibt Ihnen das Statistische Bundesamt mit allgemeinen fachlichen und methodische Beratungsleistungen. Ein Rat ist z.B., Verträge nicht auf Indexpunkte, sondern auf prozentuale Veränderungsraten abzustellen. Destatis spricht allerdings keine Empfehlungen aus, welcher Index bestimmten Vertragsverhältnissen zugrunde zu legen ist.
Fazit: Versuchen Sie, sich gegen Preisrisiken im Einkauf abzusichern und halten Sie sich Optionen offen, Preisentwicklungen im Einkauf weitergeben zu können. Das kostet zwar Geld, verschafft aber Planungssicherheit. Helfen können Ihnen externe spezialisierte Einkaufsdienstleiter.
Infos zu Preisgleitklauseln