Generationenwechsel auf dem Kunstmarkt
Die aktuell schlechte Stimmung der Wirtschaft schlägt zunehmend auf den Handel mit Kunst durch. Ein Blick auf die aktuellen Messe- und Auktionen untermauert das. Recht zugeknöpft haben die Kunsthändler, Galeristen und Messeveranstalter auf Nachfragen zu Umsätzen reagiert.
Beim Rundgang bei einem der wichtigsten Kunstereignissen Deutschlands, der Berlin Art Week, frequentierten die Besucher reichlich die teilnehmenden Galerien und Messekojen. Trotz viel Prosecco waren erfolgreiche Verkäufe eher die Ausnahme. Über das Wieviel schwiegen sich Händler und auch Künstler aus.
Nachfrage auf dem Kunstmarkt sinkt
Insider bestätigen uns, dass auch der bisher hohe Anteil ausländischer Besucher merklich zurückgegangen ist. Liegt dies etwa an der zunehmend sinkenden Anzahl der Flugverbindungen nach Berlin oder hat es auch inhaltliche Gründe? Das mit reichlich staatlichem Geld unterstützte Messeevent verliert zusehends an Attraktivität.
Nach mehrtätigen Besichtigungstouren zu den über 100 Akteuren stellte sich auch ein fader Geschmack zum Erlebten ein. Wirklich Kreatives war rar. Junge Leute haben sich zwar am Event ergötzt, aber nur bedingtes Interesse an Kunst gezeigt. Die wohlsituierte Mittelschicht der mittleren Jahre wurde nicht wirklich begeistert. Die Best-Ager haben zu den Offerten der jungen Künstlergeneration nur bedingten Zugang und tummeln sich eher bei den Anbietern von Kunst bewährter Namen, wie Baselitz, Liebermann, Roa Loy oder Hanne Darboven.
Junge Künstler mit zu hohen Preisen
Vor dem Hintergrund, der auch den Kunstmarkt betreffenden Tendenz der Sachwerteinflation, ist eine gewisse Zurückhaltung bei Kunstkäufen zu verstehen. Verwunderlich ist, wie für Werke von ambitionierten jungen Künstlern, die oftmals gerade die Kunsthochschulen hinter sich lassen und zumeist keine relevanten Ausstellungen vorweisen können, Preise von mehreren tausend Euro aufgerufen werden. Das ist oft nicht angemessen und wird auch auf lange Sicht nicht mit einem Wertzuwachs für den Käufer verbunden sein.
Auf dem Auktionsmarkt hat sich die Anzahl der durchgeführten Auktionen deutlich erhöht. Insbesondere angelsächsische und italienische Auktionshäuser drängen via der Auktionsplattformen stärker in den deutschen Markt vor. Die modernen Auktionsplattformen ermöglichen heute eine schnellere und effektivere Abwicklung des Auktionsgeschäftes. Damit einhergehend können die Auktionshäuser kleine Spezialsegmente (Uhren, Militaria, Vintageobjekte etc.) zielgenauer ihren Kunden offerieren. Ebenso hat sich der Markt für reine Onlineauktionen gut etabliert.
Wandel auf dem Auktionsmarkt
In Bezug auf Zuschlagsquoten und Höhe der Zuschläge gibt es jedoch Unterschiede. So haben viele Auktionshäuser ihr kleinpreisiges Geschäft ins reine Onlineformat verlegt. Die Mindestaufrufpreise bei Präsenzauktionen wurden merklich erhöht. Je nach Auktionshaus ist der Anteil des Online-Bietens auch bei Präsenzauktionen rasant gestiegen. Tendenziell löst das Online-Bieten das Telefongebot ab.