Globale Handelsbeziehungen vor Neuausrichtung
Die angedrohten US-Zölle haben das Potenzial, die Weltwirtschaft und Handelsbeziehungen grundlegend zu verändern. Denn die USA verfolgen damit drei Ziele. Sie wollen die technologische Aufholjagd und das wirtschaftliche Wachstum Chinas verlangsamen, sie wollen geplante Steuersenkungen mit Zolleinnahmen gegenfinanzieren und eine Reindustrialisierung der USA erreichen.
China könnte die globalen Handelsbeziehungen verändern
China könnte infolge der US-Zölle zum Ausgangspunkt für eine Veränderung der globalen Handelsbeziehungen werden. Das Reich der Mitte würde erheblich unter den US-Zöllen leiden. Die Exporte aus China in die USA würden im ersten Jahr der Zollerhebung um fast 11% sinken. Das BIP Chinas könnte um fast 1% geringer ausfallen. Die chinesischen Exporte in die USA würden zu einem hohen Anteil durch Exporte aus Südostasien (Vietnam, Philippinen, Thailand) ersetzt.
Die EU wird sehr wahrscheinlich Gegenzölle erheben (FB vom 14.11.24). Bei Dienstleistungen (besonders Software, Internetdienste und Finanzdienstleistungen) haben die USA und die EU eine ausgeglichene Handelsbilanz. Bei Dienstleistungen könnte die EU daher sehr effektiv und besser als bei Waren-Exporten die US-Wirtschaft mit Zöllen treffen.
Länder werden Exporte umleiten
Als Folge von US-Zöllen werden chinesische Unternehmen einen Teil ihrer US-Exporte nach Europa lenken. Das könnte ein erhebliches Volumen sein. 2023 flossen Waren im Wert von 427 Mrd. Euro nach Europa. Die EU könnte dann Zölle auf chinesische Waren erheben, um die eigene Industrie zu schützen.
Die globalen Handelsströme könnten sich gravierend ändern. Pharmaprodukte, Maschinen und vor allem Autos sind die wichtigsten deutschen Exportprodukte in die USA. Sie haben einen Anteil von 60% an den Exporten in die USA in Höhe von 220 Mrd. Euro 2023. Die Autoexporte in die USA würden um 32% (weltweit 4,9%), die Pharmaexporte um 35% (Welt: -4,7%) zurückgehen. Viele Exporte würden dann in andere Länder umgeleitet werden. Neue Zielländer dürften in der EU, vor allem bei Ländern gesucht werden, die eng mit dem USA verbunden sind.
Zerbricht die WTO?
Ein eskalierender Zollstreit zwischen China und der EU könnte sogar zum Zerfall der WTO führen. Die Welthandelsorganisation besteht derzeit aus einigen Ländern, die sich in der ersten Amtszeit Trumps, als sich die USA von der WTO abwandten (deren Mitglied sie aber immer noch sind), weiterhin auf generelle Handelsregeln einigen konnten. Scheitert die WTO, muss China mit dauerhaften weltweiten Exportrückgängen von 11,5% und einem dauerhaftem Rückgang des BIP um 2% rechnen.