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Deutsche Start-Ups denken zu klein

Gründer ohne Zutrauen in den großen Wurf

Groß denken, groß verdienen? Eine Seltenheit bei deutschen Gründern. Bildquelle: Pixabay
Deutsche Startup-Gründer denken zu kleinteilig. Sie suchen sich häufig Nischenmärkte, die geringe Investitionen erfordern, aber dann auch nur ein geringes Wachstum ermöglichen. Die Investitionen liegen im einstelligen Millionenbereich. Dabei wollen internationale Geldgeber gerne größere Summen in deutsche Gründungen investieren. Es fehlt aber an Investmentzielen.
Die  "deutsche Denke" steht immer mehr Unternehmensgründern im Weg. Klein anfangen, Geld verdienen, dies in die Firma stecken. Das passt zum deutschen Mittelstand. Aber nicht unbedingt zu Start-Ups, die sich Geld am Kapitalmarkt besorgen wollen und müssen.

Der oft geschmähte Dax-Aufsteiger Delivery Hero ist ein gutes Beispiel wie man "groß denkt". 2011 gegründet, stieg das Unternehmen vor allen Dingen durch Übernahmen zu einem der weltweit führenden Unternehmen der Essens-Lieferbranche auf. Das führte dazu, dass 2019 bei 1,2 Mrd. Euro Umsatz ein Verlust von 431 Mio. Euro anfiel.

US-Kapitalgeber greifen tief in die Tasche

Börsenbeobachter aller Medien sind in derselben "deutschen Denke" gefangen. Sie kritisieren einseitig die Verluste, die anfallen. Und verweisen auf das Betrugsunternehmen Wirecard – das hierzulande weitgehend unkritisch begleitet wurde. Die erfolgreiche Markteroberungs-Strategie von Delivery Hero – das Unternehmen ist Marktführer in vielen Ländern des Nahen Ostens, Asiens und Südamerikas – wird kaum erwähnt. Dieselbe Strategie verfolgten schon Amazon und Facebook mit Erfolg.

Laut einer Umfrage des Technologie-Branchenverbands Bitkom benötigen knapp drei Viertel der deutschen Startups in den kommenden zwei Jahren im Schnitt 3,3 Mio. Euro. In den USA, wo diese Form der Finanzierung ihren Ursprung hat, sind andere Summen üblich. 2019 warb dort jede Neugründung pro Finanzierungsrunde im Schnitt etwa 12 Mio. USD ein.

Deutsche Start-ups erhalten nur ein Viertel der in USA üblichen Summen

Ähnlich sieht es an der Spitze aus. Selbst wenn man die größte US-Finanzierung 2020 als Ausreißer nicht mitrechnet, lagen die fünf nächstgrößten Finanzierungen im Schnitt bei je 610 Mio. USD. Die fünf größten deutschen Startups erhielten im Schnitt mit umgerechnet 152 Mio. USD weniger als ein Viertel.

Renommierte internationale Adressen sind bereit, in Deutschland zu investieren

Die US-Kapitalgeber sind durchaus bereit, in deutsche Startups zu investieren. Der bekannte Finanzier Kleiner, Perkins, Caulfield and Byers, der schon Amazon und Google groß gemacht hat, beteiligte sich an der deutschen Musikapp Soundcloud, dem I4.0-Startup Relayr oder aktuell dem Touristikunternehmen Getyourguide. Auch andere renommierte Risikokapital-Adressen wie Andreesen Horowitz, Accel oder Sequoia investierten hier. Hinzu kommen Großinvestoren aus anderen Ländern wie Temasek aus Singapur, Softbank aus Japan oder Naspers aus Südafrika, die in Deutschland aktiv sind.

Schnelles Wachstum und ein großer Markt sind Voraussetzung für ein Engagement

Voraussetzung für ein Investment ist, dass die Start-Ups schnelles Wachstum versprechen. So spricht Getyourguide mit Touren und Ausflügen für Touristen einen weltweiten Markt mit etwa 150 Mrd. Euro Umsatz jährlich an. Zumindest ohne die Corona-Reiseflaute, die erst nach dem Investment begann.

Bisher ist der Markt zersplittert. Es gibt noch keinen großen, internationalen Anbieter. Bei derartigen Marktgrößen werden die großen Finanziers hellhörig. Sie wollen Summen ab etwa 20 Millionen Euro aufwärts investieren. Darunter lohnt sich der Aufwand nicht, ein Unternehmen jenseits des Atlantiks zu betreuen.

Sie wählen Nischenprodukte für kleine Märkte. Dies durchaus mit Erfolg, wie etwa der 2013 gegründete Sexspielzeug-Versender Amorelie zeigt.

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