Handelskrieg eskaliert: EU und China im Konflikt um Rohstoffe und Halbleiter
Die staatlichen Eingriffe der Niederlande bei Nexperia sind eine neue Qualität bei der wirtschaftlichen Trennung der EU von China. Nexperia gehört seit 2018 mehrheitlich dem chinesischen Halbleiterhersteller Wingtech Technology. Durch die staatliche Verwaltung darf Nexperia ein Jahr lang keine Betriebsteile in andere Länder übertragen, Führungskräfte ersetzen, oder andere wichtige Unternehmensentscheidungen ohne die Regierung fällen.
Unklar ist die Ursache für das Verfahren. Wingtech gab in einer Pressemitteilung den USA die Schuld für die Verstaatlichung. Medien berichteten, dass die USA Nexperia auf ihre schwarze Liste setzen wollten, was es US-Unternehmen unmöglich gemacht hätte, Maschinen und Anlagen bei Nexperia zu warten. Die niederländische Regierung argumentiert für die Verstaatlichung jedoch mit dem drohenden Verlust wirtschaftlicher Sicherheit für das Land und Europa und erwähnt die USA nicht.
Eskalation
Das ist eine neue Eskalation in dem Handelskrieg um Rohstoffe und Halbleiter. Nachdem China mit den starken Exporteinschränkungen für seltene Erden auf die US-Zölle reagierte und damit dem Westen schadet, reagiert der Westen mit immer stärkeren Restriktionen bei Halbleitern. Denn in diesem Bereich ist China immer noch schwächer, als der Westen.
Westliche Staaten werden sich wohl gezwungen sehen, mit hohen Investitionen eine von China unabhängige Rohstoffbasis aufzubauen. Vorbild dafür ist Japan (fb vom 16.10.25). Das Reich der Mitte unterscheidet bei seinen Exportbeschränkungen für Rohstoffe kaum zwischen den USA, zu dem die Beziehungen schon seit Jahren sehr schlecht sind und der EU, mit der sie eigentlich bessere Beziehungen hat.
Rohstoffe und Halbleiter im Zentrum des Konflikts
China und die EU werden versuchen, den Konflikt auf Rohstoffe und Halbleiter zu beschränken. Denn beide haben große wirtschaftliche Interessen an einer Zusammenarbeit. China hat in der EU einen wichtigen Exportmarkt, in dem chinesische Produkte wesentlich bessere Preise erzielen können, als in den Schwellenländern, in denen China in den letzten Jahren schnell Marktanteile erobern konnte. Und viele europäische Unternehmen haben große Auslandsgesellschaften in China. Aber der Konflikt wird das Auseinanderdriften von China und der EU beschleunigen.
EU will China mit Zöllen treffen
Aber generell wendet sich die EU dem Schutz des Binnenmarktes zu. Sie hat kaum eine andere Wahl. Jahrelange Versuche, mit China Abkommen über eine Verringerung von Stahlexporten oder eine Verbesserung der Bedingungen europäischer Unternehmen in China zu erzielen, waren erfolglos.
Die Pläne der EU, ihre Zölle auf Stahl auf 50% zu erhöhen, treffen vor allem China als mit Abstand größtem Stahlexporteur weltweit. Die EU könnte bald wieder den Automarkt ins Visier nehmen. Bei Hybriden und Verbrennern, die keinen Einfuhrzöllen unterliegen, gewinnen chinesische Hersteller schnell Marktanteile.