Handelskrieg ohne Wirkung? Chinas US-Exporte wachsen
Die US-Zölle bremsen Chinas Export derzeit kaum. Darauf lassen erste Zahlen schließen, z. B. der Containerumschlagindex des RWI Leibnitz-Institut für Wirtschaftsforschung. Das ermittelte im Juli einen starken Zuwachs des Containerumschlags in den Häfen an der US-Westküste. Dort kommen die Importe aus China an. Parallel dazu nach auch in den chinesischen Häfen der Umschlag deutlich zu. In europäischen Häfen ist der Umschlag nur leicht gestiegen. Die Importe aus China haben aber ebenfalls zugenommen.
Die US-Zölle liegen für die meisten Waren derzeit bei etwa 50%. 20% betrugen sie vor Trumps zweitem Amtsantritt. Zwischenzeitlich wollte Trump die Zölle auf 145% erhöhen. Aber Chinas Ausfuhrstopp für seltenen Erden und ein Aufschrei der US-Industrie, die Zulieferteile aus China nutzt, hat das verhindert. Die angedrohten höheren Zölle sind nun bis zum 10. November ausgesetzt. Eine weitere Verlängerung des Zollmoratoriums ist nicht ausgeschlossen. Etliche US-Unternehmen dürften aber das bestehende Zeitfenster für einen Lageraufbau nutzen.
Konkurrenzfähig durch Subventionen und Währungsmanipulation?
Dass chinesische Unternehmen trotz der hohen Zölle mit anderen Anbietern konkurrieren können, liege vor allem an Subventionen und Währungsmanipulationen. Das meint der Wirtschaftsforscher Jürgen Matthes vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW, Köln). Matthes kommt nach eigenen Berechnungen auf eine Unterbewertung des Yuan von etwa 30% gegenüber dem Euro. Die US-Wirtschaftsforscher des Brookings-Institut sehen die Unterbewertung des CNY gegenüber dem US-Dollar bei mindestens 10%.
Der Vorwurf der Währungsmanipulation wird von vielen Experten aber so nicht mehr erhoben. Ganz im Gegenteil: Aktuell sehen viele Beobachter eher eine Stabilisierungspolitik in Peking, weil China auch hohe Kapitalabflüsse fürchtet und strategisch eher darauf abzielt, das internationale Vertrauen in den Yuan zu erhöheh. Der Internationale Währungsfonds bescheinigt dem Reich der Mitte, dass "der Yuan nicht mehr deutlich unterbewertet" ist. Die USA beobachten China regelmäßig im "Currency Monitoring" und haben das Land zuletzt nicht mehr als Währungsmanipulator eingestuft.
Fazit: Der bekannte Vorwurf, China schwäche den Yuan massiv zur Exportförderung, greift inzwischen zu kurz. Chinas Währungspolitik ist vielschichtiger geworden. Der aktuell stark anziehende Export aus dem Reich der Mitte in die USA könnte ein Vorzieh-Effekt aufgrund der angedrohten Zölle sein. Das bleibt abzuwarten.
Hinweis: In der kommenden Ausgabe wird unsere Asien-Korrespondentin die neue Währungspolitik Chinas beleuchten.