Imerys: Europas Grundstoffriese kämpft gegen internationalen Druck
Die französische Imerys S.A liefert einen harten Beleg dafür, wie groß der strukturelle Wettbewerbsverlust der europäischen Grundstoffindustrie ist. Das Unternehmen ist Europas größter Hersteller für die Schleifmittel- und Feuerfestindustrie und für viele Branchen ein zentraler Lieferant.
Imerys: Europäische Grundstoffindustrie unter Druck
Imerys hat ein umfassendes Restrukturierungsprogramm unter dem Namen Horizon aufgelegt. Das erfahren FUCHSBRIEFE von Insidern aus dem Unternehmen. Der börsennotierte Rohstoffkonzern will bis Ende des kommenden Jahres 50 bis 60 Millionen Euro einsparen. Ziel ist, die Wettbewerbsfähigkeit und Profitabilität zu verbessern.
Die Maßnahmen sind umfassend. Es wird ein Personalabbau auf allen Managementebenen geprüft, unter anderem in der Deutschlandzentrale in Laufenburg an der schweizerischen Grenze, aber auch Werksschließungen an europäischen Standorten. Zudem verschlankt der Konzern sein Portfolio und stellt Produktionen in verlustreichen Geschäftsfeldern ein.
Scharfe Konkurrenz, steigende Kosten
Das Restrukturierungsprogramm sei nötig, um auf den massiv wachsenden Konkurrenzdruck aus dem Ausland zu reagieren. Der treffe auf eine veränderte Marktlage sowie gestiegenen Kosten (Personal Rohstoffe). Im Vergleich zur Konkurrenz seien unter anderem die Personalkosten pro Tonne Absatz der Mineralien zu hoch. Der Kurs der Aktie (WKN 851 898) ist in den vergangenen zehn Jahren von Höchstständen von über 80 Euro auf derzeit um die 25 Euro gefallen.
Imerys ist bereits seit Jahren erheblich unter Druck. Dem Konzern, der weltweit aktiv ist, setzen vor allem an seinen europäischen Stadtorten neben den Personalkosten hohe Energiepreise zu. Besonders macht dem Unternehmen der wachsende Konkurrenzduck subventionierter chinesischer Hersteller sowie auf den Markt drängenden indischen Unternehmen zu schaffen. Das Management in Paris rechnet damit, dass lateinamerikanische Hersteller durch das Mercosur-Abkommen angesichts ihrer geringen Produktionskosten die Wettbewerbssituation zusätzlich verschärfen.
Anti-Dumping-Verfahren der EU wirkungslos
CEO Jean-Alessandro Dazza hatte bereits im November 2024 bei der EU ein Anti-Dumping-Verfahren gegen Einfuhren von künstlichem Korund aus China angestoßen. Brüssel prüfte, ob Zölle zum Schutz der heimischen Produktion notwendig sind und entschied, die zollfreien Einfuhren aus Fernost auf 60.000 Tonnen pro Jahr zu deckeln. Das hat dem französischen Konzern allerdings keine nennenswerte Entlastung verschafft.
Große Erwartungen dagegen hat Dazza in ein Lithium-Bergbauprojekt im zentralfranzösischen Département Allier, an dem sich der französiche Staat mit einer Anschubfinanzierung in Höhe von 50 Millionen Euro beteiligt. Dort sollen am Standort Beauvoir jährlich 34 Tsd. Tonnen von dem Rohstoff abgebaut werden, womit Imerys zum führenden europäischen Anbieter von Lithium aufsteigen würde. Über das Projekt mit dem Namen Emili hat Dazza mit Staatspräsident Manuel Macron persönlich verhandelt. Eine Machbarkeitsstudie steht allerdings noch aus.
Fazit: Imerys zeigt, wie stark europäische Rohstoff- und Grundstoffunternehmen unter Druck geraten sind. Hohe Energie- und Personalkosten treffen auf aggressive Konkurrenz aus China, Indien und künftig auch aus Lateinamerika.
Hinweis: Imerys ist wichtiger Zulieferer für viele Industrien. Gelingt dem Unternehmen der Turnaround nicht, wird die Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten z. B. für indsutrieelle Schleifmittel steigen.