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Widersprüchliche Einschätzungen Insolvenz

Insolvenzen: Modellrechnungen gegen Praxiseinschätzungen

Ein starker Anstieg der Insolvenzen wird vermutlich ausbleiben. Copyright: Pixabay
Aktuelle Zahlen von Creditreform zeigen, dass derzeit nicht mit einem Anstieg der Insolvenzen zu rechnen ist. Sowohl die Eigenkapitalausstattung als auch die Zahlungsmoral der Unternehmen sind gut. Demgegenüber beruht die Warnung der Bundesbank vor steigenden Insolvenzen auf Modellrechnungen. Wer hat am Ende recht?

Was wird denn nun, kommt die Insolvenzwelle oder nicht? Widersprüchlicher könnten die Aussagen renommierter Quellen kaum sein. Aktuelle Zahlen der Vereine Creditreform zeigen: 33% der Mittelständler verfügen immer noch über eine Eigenkapitaldecke von 33%. Vor einem Jahr war es mit 33,6% nur geringfügig mehr. Der Anteil der eigenkapitalschwachen Unternehmen ist mit 27,3% sogar etwas geringer als vor einem Jahr (29,3%).

Keine Liquiditätsprobleme erkennbar

Auch die Zahlungsmoral bleibt (unerwartet) gut. Sie ist ein Zeichen für Liquiditätsprobleme. Denn wenn Unternehmen über geringe flüssige Mittel verfügen, zahlen sie Rechnungen nur mit Verzögerungen. Aber die Zahlungsziele werden eingehalten. Daher gibt es keine Anzeichen von größeren Liquiditätsproblemen. Ursache ist, dass sich die Unternehmen bereits am Anfang der Krise Ende Februar März mit Liquidität vollgesogen haben, also etwa Kreditrahmen vergrößert. 

Warnung der Bundesbank beruht auf Vergleichen mit früheren Rezessionen und Modellrechnungen

Die Bundesbank warnt dennoch vor (rapide) steigenden Insolvenzzahlen. Ihre Auffassung beruht auf mathematischen Modellen aus vergangenen Rezessionen. Zwar versucht die Bundesbank die staatlichen Hilfen in ihre Modelle einzubeziehen. Aber sie erklärt selbst in ihrem Finanzstabilitätsbericht 2020, aus dem die aktuelle Warnung stammt, dass die Stützungsmaßnahmen der Politik nur teilweise in die Simulation einfließen. Besonders die großzügigen Kurzarbeiterregelungen haben die Unternehmen aber viel stärker entlastet, als in früheren Krisen.

Bundesbank erwartet scharfe Rezession

Außerdem geht die Bundesbank von einem Konjunkturrückgang in diesem Jahr von 7% aus. Sehr wahrscheinlich wird der aber durch die starke Aufholkonjunktur im Juli und August geringer ausfallen. Das spricht alles dafür, dass die Creditreform-Zahlen näher an der Realität sind. Es wird also nicht zu stark steigenden Insolvenzzahlen kommen. Allerdings bleibt die Lage auf längere Sicht unsicher. Weitere Lockdowns, eine Rezession in Europa als wichtigstem Exportmarkt für deutsche Unternehmen, und andere Faktoren könnten längerfristig die Insolvenzzahlen hochtreiben.

Bundesbank-Szenario: Insolvenzen nicht Ursache für erneute Rezession

Selbst die Bundesbank erwartet aber nicht, dass der von ihr prognostizierte Insolvenzanstieg zu einer Rückkehr in die Rezession führt. Sie geht in ihren Prognosen davon aus, dass es im ersten Quartal 2021 zu etwa 6.200 Insolvenzen kommt, nach etwa 5.000 in den letzten Quartalen. Dieser Anstieg ist undramatisch und wird die Konjunktur kaum beeinflussen. Zwischen 1997 und 2013 wurden wesentlich höhere Insolvenzzahlen erreicht.

Fazit: Ein starker Anstieg der Insolvenzzahlen 2021 wird ausbleiben. Die Modellrechnungen der Bundesbank bilden die unternehmerische Realität dieser Wirtschaftskrise nur unzureichend ab.

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