Japan: Wahlen entscheiden über Geopolitik und Yen
Die vorgezogene Wahl in Japan (8.2.) wird zum Stresstest für für Japan. Dabei geht es um die Fiskalpolitik, die Stabilität des Yen und die geopolitische Positionierung Japans in Asien. Sie wissen: Japans Premierministerin Sanae Takaichi hat das Unterhaus aufgelöst und Neuwahlen für den 8. Februar angesetzt. Mit diesem Schritt geht Japans Premierministerin nur wenige Monate nach Amtsantritt in die Offensive.
Bei der vorgezogenen Parlamentswahl geht es um mehr als nur ein Mandat für Takaichis Politik. "Sie stellt grundsätzliche Richtungsfragen und setzt auch ihre Zukunft aufs Spiel.“ Diese Einschätzung hört unsere Japan-Korrespondentin aus Takaichis Umfeld. Takaichi wolle sich ein Mandat für ihre Politik sichern, bevor die wirtschaftlichen und geopolitischen Spannungen weiter zunehmen. Sie agiert aus einer Position der Stärke. In den jüngsten Umfragen erreichte Takaichi Spitzenwerte von 67% bis 75%. Ihre Vorgänger scheiterten oft an der Marke von 30%.
Bedeutung für die Finanzmärkte
Für die Finanzmärkte bedeutet die Wahl kurzfristige Unsicherheit, mittelfristig aber Klarheit über den künftigen Kurs. Japan steht mit einer Schuldenquote von über 250% des BIP unter Beobachtung. Takaichi setzt dennoch auf hohe Staatsausgaben, Industriepolitik und Aufrüstung.
Die Wahl entscheidet im Kern darüber, ob dieser Kurs fortgesetzt wird. Erhält Takaichi ein starkes Mandat, bedeutet das weiterhin expansive Fiskalpolitik, höhere Defizite, aber auch politische Stabilität. Ein schwaches Mandat würde zu verstärktem Druck in Richtung Haushaltsdisziplin führen und könnte Unsicherheit über die Finanzierung großer Programme zur Folge haben.
Wohin läuft Japan, wenn Takaichi gewinnt?
Wir erwarten, dass Takaichi ein starkes Mandat bekommt. Das dürfte die Bank of Japan unter Druck setzen. Die versucht seit Monaten vorsichtig, ihre Geldpolitik zu normalisieren, die Zinsen anzuheben. Die Wahl entscheidet auch darüber, ob Japan sein schuldenfinanziertes Modell grundsätzlich infrage stellt oder eine Konsolidierungsdebatte beginnt. Gewinnt Takaichi souverän, dürfte die BoJ ihre geldpolitische Normalisierung weiter hinauszögern. Das wird den Yen schwächen.
Geopolitisch wird die Wahl darüber entscheiden, wie geschlossen Japan im US-Bündnis bleibt und wie hart die Linie gegenüber China ausfällt. Takaichi steht für eine enge Zusammenarbeit mit den USA und Distanz gegenüber China. Das könnte künftig Lieferketten, die Sicherheitsarchitektur und Standortentscheidungen beeinflussen.