Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
0,00 €
1348
Russland hält das Geld zusammen

Kapitalkontrollen sollen verschärft werden

Russland will den Kapitalabfluss begrenzen. Copyright: Pexels
Russland leidet unter dem kontinuierlichen Abfluss von Vermögen ins Ausland. Notenbank und Justizministerium arbeiten offenbar an einer schärferen Regulierung. Die dürfte allerdings mehr Schaden als Nutzen bringen.

Russisches Justizministerium und die Notenbank arbeiten an einem neuen Gesetz, mit dem die Kapitalflucht aus Russland gebremst werden soll. Das berichten der Moskauer Regierung nahestehende russische Medien (RT, Russia Business Today). Kernpunkt: Ansprüche ausländischer Gläubiger sollen in Zukunft nicht mehr durch einen Geldtransfer auf Konten bei Instituten im Ausland befriedigt werden können. Stattdessen dürfen russische Schuldner nur noch auf Konten bei Instituten einzahlen, die der russischen Aufsicht unterliegen. Das läuft darauf hinaus, dass ausländische Gläubiger Zahlungen nur auf Konten bei russischen Banken erhalten und nur von dort aus darüber verfügen können.

Immer neue Kanäle für die illegalen Abflüsse

Anlass sind Berichte über illegale Transfers, bei denen ein ausländischer Partner eine Forderung fingiert, die von den Beteiligten als streitig dargestellt wird. Durch den Streit wird ein formelles Verfahren im Ausland angestoßen, welches zu einer gerichtlichen Zahlungsverfügung führt. Damit sind bisher Transfers jederzeit möglich. Mit dem neuen Verfahren – wenn es denn so kommt – würden auch die ausländischen Geldempfänger unter die Kontrolle der russischen Behörden gestellt.

Hintergrund sind die unverändert hohen Abflüsse aus Russland. Kürzlich von der Notenbank CBR veröffentlichten Daten zufolge ist der Saldo der ein- und ausgehenden Direktinvestitionen Russlands 2020 auf 1,4 Mrd. Dollar auf einen Tiefststand gefallen. Für das Vorjahr weist die CBR netto 29 Mrd. Dollar Direktinvestitionen aus. Allerdings sind diese Zahlen mit Vorsicht zu betrachten: Die Statistik der UNCTAD weist für 2019 Nettozuflüsse nach Russland von nur rund 9,5 Mrd. US-Dollar aus. Der Bestandsvergleich 2010 mit 2019 zeigt, dass in dieser Zeit rund 50 Mrd Dollar netto abgeflossen sein müssen.

Russische Mittel werden als ausländische Direktinvestitionen getarnt

Die Zurechnung der Flüsse ist in Russland allerdings schwierig. Denn gerade wirtschaftlich erfolgreiche Bürger bunkern große Teile ihrer Vermögen im Ausland in Holdings oder Fonds. Sie entziehen die Mittel damit dem Zugriff der russischen Behörden. Aus diesen Auslandsstützpunkten heraus wird dann ein beachtlicher Teil der Investitionen in Russland finanziert. Sie sind dann geschützt durch das Etikett „ausländische Direktinvestition“. Einer IWF-Schätzung zufolge entsprechen etwa 60% aller Auslandsinvestitionen in Russland diesem Muster. Das Verfahren erklärt auch, warum das EU-Land Zypern eine der wichtigsten Quellen für Direktinvestitionen in Russland ist. 

Fazit: Die neuen Beschränkungen werden Russlands Wachstum zusätzlich behindern. Denn Russland hat trotz der Kapitalflucht kein Finanzierungsproblem. Das zeigt der Leistungsbilanzüberschuss. Es fehlt an ausländischen Partnern, die moderne Technologien und Verfahrensweisen nach Russland bringen. Die werden so erst recht abgeschreckt.

Hier FUCHS-DEVISEN abonnieren

Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • Japans Notenbank steigt im Dezember in die grüne Finanzierung ein

Nippons Geldhüter überraschen den Yen nicht

Japans Notenbank steigt im Dezember in die grüne Finanzierung ein. Copyright: Pexels
Nach zweitägiger Beratung verkündeten die Geldhüter Japans – für die Märkte wenig überraschend – dass sie an ihrer Geldpolitik festhalten. Sorgen machen sollten allerdings die dahinter liegenden Gründe. Dennoch gibt es gute Nachrichten – auch für Anleger.
  • Fuchs plus
  • Optimistische Weizen-Prognosen aus Down Under

Angeknackster Preistrend

Optimistische Weizen-Prognosen aus Down Under. Copyright: Pixabay
Das Bauern Freud' ist des Investors Leid: Das gilt auch bei Agrarrohstoffen. Aktuell ist Weizen betroffen. Noch vor einem Monat sah es hier mit den Ernten düster aus. Doch es hat sich etwas geändert.
  • Fuchs plus
  • Kündigung eines Prämiensparvertrages

Sparkasse kündigt Sparverträge, weil sie ihr zu teuer sind

Sparkasse kündigt Sparverträge, weil sie ihr zu teuer sind. Copyright: Pixabay
Prämienspar­verträge waren lange ein Sparkassen-Bestseller. Zusätzlich zum Zins erhält der Sparer eine jähr­liche Prämie, die mit der Lauf­zeit ansteigt. In Niedrigzins-Zeiten wird diese Prämie aber zur Belastung. Die Sparkassen kündigen nun alte Spar­verträge. Ist das zulässig?
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • EuGH verhängt finanzielle Sanktionen gegen Polen

Der Zloty unter Druck: Bleibt Polen in der EU?

Der Zloty unter Druck: Bleibt Polen in der EU? Copyright: Pixabay
Polens Regierung muss nun erstmals vom EuGH verhängte finanzielle Sanktionen hinnehmen. Der Anlass: Ein vom Nachbarn Tschechien betriebenes Verfahren um den Braunkohletagebau Turow. Das dürfte nur ein Testlauf sein für weitere Sanktionen im Streit um die Justizreform. Offenbar werden nun auch die Finanzmärkte davon beeinflusst.
  • Fuchs plus
  • Japans Notenbank steigt im Dezember in die grüne Finanzierung ein

Nippons Geldhüter überraschen den Yen nicht

Japans Notenbank steigt im Dezember in die grüne Finanzierung ein. Copyright: Pexels
Nach zweitägiger Beratung verkündeten die Geldhüter Japans – für die Märkte wenig überraschend – dass sie an ihrer Geldpolitik festhalten. Sorgen machen sollten allerdings die dahinter liegenden Gründe. Dennoch gibt es gute Nachrichten – auch für Anleger.
  • Fuchs plus
  • China will ausufernden Immobilien(preis-)boom stoppen

Evergrande erschüttert Rohstoff-Lieferanten – Renminbi bleibt unberührt

China will ausufernden Immobilien(preis-)boom stoppen. Copyright: Pexels
Seit Tagen ist die drohende Pleite des chinesischen Bauträgers Evergrande Marktgespräch. Es geht darum, die Schieflage und ihre Folgen möglichst treffsicher einzuschätzen. Die Devisenmärkte haben das (wie die Aktienmärkte auch) bereits getan.
Zum Seitenanfang