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Im Trend: Die Degenerierten gegen die Institutionellen

Kein Gamestop

Wir wagen einen Blick auf den aktuellen Short Squeeze Trend an den US-Börsen und aus diesem Anlass einen kurzen Rückblick ins Depot. Seit dem 1. Oktober wurden mit 40% Aktienquote 15 % Rendite erwirtschaftet. Wir fragen uns, ob der positive Markttrend kippt und welche Anlässe es dafür geben könnte?

Junge Anleger und frisch Geschiedene stellen in der Clubhouse App Fragen an versiertere Anleger und Journalisten, wie sie anlegen, vorsorgen oder einfach Erspartes verzehnfachen können. Derweil artikuliert weltweit eine Art Mob der sich als „Tendies“ oder die „Degenerierten“ beschreibt seine Marktmacht mit den eigenen Dollars. Man kommuniziert in Reddit und Discord, handelt Optionen auf der Plattform wie RobinHood.

Vielen Hobby Tradern geht es ums Spiel, das schnelle Geld. Ein neuer Trend in einer Aktie beginnt mit Short-Selling, Veröffentlichungen über vom Markt mehr oder minder abgeschriebene Firmen mit sehr schlechten Zahlen, wie AMC Entertainment, Blackberry, Gamestop. Durch Käufe zumeist von Optionen zwingen die Short-Seller, so manchen gestandenen Hedge Fonds in die Knie, wenn sie im short Selling aktiv sind. Denn nicht selten sind durch mehrfach verkettete Verleihgeschäfte deren Shortpositionen gar nicht mehr eindeckbar und der Kurs geht in ungeahnte Höhen. Im Oktober 2008 haben wir mitten in der Finanzkrise so einen Effekt bei VW gesehen, als die Eigentümerfamilien mehr Anrechte auf Aktien erworben zu haben schienen, als tatsächlich im sog. Freefloat verfügbar waren.

Ein Rückblick ins Depot Kapitalerhalt

Anfang Oktober hat Quanvest das Management der zwei Non-Profit im Plus Depots NiP Kapitalerhalt und NiP Ausschüttung übernommen. D.h. zusätzlich zur Überwachung der eigenen Risiko-Budget Marken selektiert Quanvest auch die Titel und führt die Transaktionen aus. Darüber hinaus kommentieren wir an dieser Stelle von Woche zu Woche die Kauf- und Verkauf Transaktionen.

Unser Risikobudget-Modell und Ampelsystem (Maximum Drawdown max. 3.500 €) ist hier ausführlich beschrieben - in aller Kürze: Wenig Investition bei hohem Risiko und absolute Verlustbegrenzung mit Highwatermark. Neu hinzu kam im Laufe des Oktobers das Quanvest-Empfehlungsmanagement, also die Anlageklassen übergreifende Selektion von Best-in-class Aktien und Fonds. Das haben wir hier in den letzten Wochen ausführlich beschrieben und schauen nun auf die Ergebnisse - seit dem 1. Oktober 2020 immerhin 15% Plus mit ca. 40% Aktienquote.

Seit Oktober alle Konzepte auf dem Dauer-Prüfstand

Zunächst war wegen Verlustbegrenzungen die Aktienquote bis Oktober unter 30% gerutscht und es musste überlegt werden, wie das freie Kapital sinnvoll investiert wird. Eine nicht unbedeutende Form der Streuung erreichten wir durch Zerstreuung, d.h. Woche für Woche neue Trends zu beobachten und vorherige Ideen immer wieder zu überprüfen - so als müsste Ihr Auto jede Woche zum TÜV:

  • Einige Alt-Engagements wurden verkauft, die lange Gewinne erwirtschaftet hatten, aber aktuell nicht mit dem Markttrend mithalten konnten: Nestle, Verizon, Roche, Cisco, RWE und einige mehr. Die in der Tabelle gezeigten Verluste beziehen sich nur auf den Zeitraum vom 1. Oktober bis zum Zeitpunkt des Verkaufs.
  • Gehalten wurden zum Beispiel die Münchener Rück Aktie, der Sentix Fonds oder der Greiff Special Situations.
  • Neu hinzu kamen spannende Titel oder Konzepte, wie der Multi-Axxion Concept, dessen Asset Manager, die Capsensixx. Mit großer Spannung werden wir weiterhin die Entwicklung des DWS Vermögensbildungsfonds, im Austausch für den Akkumula beobachten. Die zwei ETF ishares Automation & Robotics und den Global Dividend Aristocrats ETF stehen für Konzepte, wie „Value“ die anscheinend bessere Zeiten vor sich haben und die wir anders nicht im Depot umsetzen können.
  • Ordentliche Gewinne brachten aber auch die Neuzugänge bei Einzelaktien, wie BYD, Elring Klinger, Encavis, Bang & Olufsen, Zalando, Bilfinger, Home24, Logitech und Hermes. 
  • Zahlreiche, neue Engagements wurden schnell wieder verkauft, in der Regel wegen hoher Gewinne oder verschlechterter Aussichten, bzw. besserer Alternativen: Fuchs Petrolub, Henkel, Progressive, Paypal, Gopro, CureVac und zuletzt Gamestop.

Stop the game ?

Wie es dazu kam? Gamestop wurde vom Empfehlungsmanagement, ein risiko-orientierter Auswahlprozess im Oktober und auch wegen einer Kooperationsnachricht mit Microsoft favorisiert. Im Dezember wurde eine gelbe Ampel bei Gamestop überprüft, aber dem Papier mehr Zeit gegeben - das Signal war zu schwach.

Offenbar gingen einige Hedge Fonds wegen wirklich schlechter Geschäftsaussichten short. Am  Montag verfolgte ich eine Diskussion über Short Squeezes auf Clubhouse - das ist eine iPhone App für Voice-over-IP Foren.  Betroffen waren Titel, wie AMC Entertainment, Blackberry, Gamestop.  Die Rede war von schlechten Zahlen und „short-squeezes“, welche die Kurse steigen liessen. Im Depot hatte Gamestop an diesem Tag bereits 300% Gewinn, zwischenzeitlich sogar 600%. Rebalancing kam  gar nicht in Frage - erst einmal wurde die ganze Position verkauft. Dass sich Gamestop nach zwei weiteren Tagen bis gestern nochmal vervierfachte - geschenkt!

Stocks als Slot Machines - Katz und Maus an der Börse

Der Broker RobinHood hat hohe Marktanteile bei jungen Leuten nicht nur wegen sehr geringer Handelskosten, sondern sehr niedriger Eintrittsbarrieren für hoch gehebelte Optionsgeschäfte. Für Neulinge an der Börse ist „Wealth Management“ eher „the quickest way to wealth“ und es wird offen die Frage gestellt, mit welchen Titeln man schnell eine Verzehnfachung in kurzer Zeit erreichen kann. Geht nicht ? Geht doch! Der Bitcoin und die Tesla Story waren nur der Anfang, der erste Beweis für die „Realität irrer Bewertungen“. Der Markt schaut ungläubig zu uns resümiert resigniert: „The mob is the truth“. Auf Reddit  und Discord (dort: „r/wallstreetbets“) verfolgen Sie das in Voice-over-IP Chatrooms zu Handelszeiten wie auf einem 80er Jahre Trading Floor: Einer ruft „Gamestop“ und die Masse ruft durcheinander „BUY, „BUY“, „BUY“!

Nach LBOs, Hedge Fonds, Aktivisten entsteht durch Echtzeit Kommunikation und neue Broker eine neue, aktivistische „Macht“ am Kapitalmarkt. Der Mob ist frustriert von der Wall Street und vom Establishment, wie es Trump-Wähler noch sind und wählt nicht mehr mit seiner Stimme an der Urne, sondern mit seinen wenigen Dollars an der Börse. Man findet dort ein „Opfer“, wie die Katz zur Maus kommt und treibt die Kurse hoch, bis dem eigentlich technisch insolventen Unternehmen nur noch ein logischer Ausweg bleibt. AMC Entertainment wagt es mit knapp 1 Mrd. $ Kapitalerhöhung und wendet nach Aussagen des Managements die Insolvenz vollständig ab – die Kellerkinder gewinnen die Schlacht oder das Spiel ohne dessen Regel zu verändern und die Wallstreet staunt.

Das ist nun schon das dritte oder vierte Mal in 20 Jahren, dass wir zu der schmerzhaften Erkenntnis einer „silly Money“- Hausse gelangen, wenn auch derzeit nur im Reagenzglas ! Aber auch die Antworten der Tech-Experten wiederholen sich: „Wake up - the Internet changes everything“. Christian Libor, Quanvest GmbH
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