Kunst-Nachfrage verschiebt sich
Der Kunstmarkt wird auch im zweiten Halbjahr unter Druck stehen. Damit wird sich die Entwicklung des ersten Halbjahres fortsetzen. Das zeigen die Entwicklungen bei den Auktionshäusern. Ketterer baut seine in den vergangenen Jahren etablierte Marktführerschaft aus. Beleg: Der Evening Sale ging am 7. Juni mit 70 Losen über die Bühne. Davon lagen acht Lose im Millionen-Bereich. Für 8,3 Mio. Euro gingen Jawlenskys "Spanische Tänzerin" und für 6,9 Mio. Euro Kirchners "Tanz im Varieté" über den Tisch.
In der Marktbreite zeigt sich, dass die großen Auktionshäuser zunehmend Probleme haben, hochpreisige Lose zu versteigern. Das Auktionshaus Grisebach konnte in seinem Evening Sale der ausgewählten Werke am 30. Mai in Berlin nur 19 von 36 Objekten vermitteln. Selbst vermeintlich sichere Werke von Corinth, Kandinsky, Heckel und Caspar David Friedrich blieben liegen.
Nachfrage verschiebt sich
Im Gegenzug verlagert sich die Nachfrage auf kleinere Werke. Zwei kleine Ölstudien (Nelke und Blätterzweig) eines unbekannten Künstlers waren bei Grisebachs Auktion des 19. Jahrhunderts mit einer Schätzung von 1.000 bis 1.500 Euro angesetzt. Der Hammer fiel schließlich bei 146.050 Euro (inkl. Aufgeld). Ähnlich war der Verlauf einer Auktion einer kleinen Bleistiftzeichnung im Auktionshaus Lempertz. Das "Porträt eines Marokkaners" des Berliner Malers Adolph von Menzel startete mit einer Schätzung von 6.000 bis 8.000 Euro. Der Zuschlag lag bei 201.600 Euro (inkl. Aufgeld).
In der Rubrik Fine Art beim Auktionshaus van Ham avisierte das Gemälde "Kampf arabischer Reiter mit Löwen" zum Favoriten. Zum wiederholten Male erzielten die Kölner mit Werken des Malers Saleh Ben Jaggia Spitzenpreise (726.000 Euro). Generell sind Sujets der Orientmalerei in den vergangenen 15 Jahren in der Beliebtheit gestiegen.
Kulturschutzbehörden lassen Kauf platzen
Beachtlich war die Entwicklung nach der Versteigerung eines Skizzenbuches von C. D. Friedrich. Das war zum Spitzenpreis von über 1,5 Millionen Euro verkauft worden. Dem Erwerber haben nun aber die Kulturgutschutzbehörden mit der Eintragung des Werkes in die Liste wichtiger nationaler Kulturgüter einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Die Einstufung hat zur Folge, dass eine Verbringung des Werkes ins Ausland untersagt ist. Es wird gemunkelt, dass ein großes ausländisches Museum der Erwerber gewesen war. Mittlerweile gilt der Kauf als geplatzt. Egal, wie man zu der Entscheidung der Behörden steht: Ein Schaden für den deutschen Kunsthandelsstandort ist zu befürchten. Künftige Einlieferer wertiger Kunstgüter könnten öfter einen Handelsplatz außerhalb der Landesgrenzen bevorzugen.
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