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Cash-to-Cash: Steigende Kapitalbindung belastet Liquidität deutscher Unternehmen

Lieferkette: Lagerhaltung optimieren

(c) Harald Richter/ Panthermedia
Deutsche Unternehmen binden zunehmend Kapital in höheren Lagerbeständen und längeren Forderungslaufzeiten. Der Cash-to-Cash-Zyklus verlängert sich teilweise erhelblich. Höhere Lagerbestände schützen zwar vor Lieferunsicherheiten, sind aber oft teuer - besonders für kleine Unternehmen. FUCHSBRIEFE zeigen Ihnen Handlungsalternativen auf.

Deutsche Unternehmen binden zunehmend Kapital – vor allem in höheren Lagerbeständen und in Forderungen mit längeren Laufzeiten. Das zeigt eine Studie des Wirtschaftsprüfers Deloitte. Die Konsequenz: Der sogenannte Cash-to-Cash-Zyklus, also die Zeitspanne zwischen dem Einkauf von Vorprodukten und dem Eingang der Verkaufserlöse, hat sich weiter verlängert. Im Durchschnitt dauerte es zuletzt 65 Tage, bis Unternehmen ihre Ausgaben wieder in Einnahmen verwandeln konnten – zwei Tage mehr als im Vorjahr.

Der Trend ist nicht einheitlich. Einzelne Branchen haben ihre Kapitalbindung reduziert. Autozulieferer, Maschinenbauer und Konsumgüterproduzenten verkürzten ihren Cash-to-Cash-Zyklus, indem sie Bestände abbauten und Forderungslaufzeiten verkürzten. Demgegenüber haben Chemie, Pharma sowie die Elektronik- und Elektrotechnikindustrie ihre Kapitalbindung deutlich ausgeweitet. Treiber sind hier stark erhöhte Lagerbestände, mit denen sich Unternehmen gegen Lieferunsicherheiten absichern.

Lieferketten absichern – aber gezielt

Höhere Lagerbestände sind nicht falsch - gerade angesichts der geopolitischen Unsicherheiten. Sie sind sinnvoll bei Produkten, bei denen es eine strukturelle Abhängigkeit von wenigen Lieferanten gibt oder bei denen ein Lieferantenwechsel hohe Kosten verursachen würde. Das gilt insbesondere für spezialisierte Vorprodukte wie Halbleiter, bei denen ein Wechsel oft eine Neukonstruktion des Endprodukts erfordert. In solchen Fällen kann eine höhere Lagerhaltung Produktionsstopps vermeiden und Unternehmen vor plötzlichen Preis- oder Lieferschocks schützen.

Anders ist die Lage bei standardisierten Vorprodukten ohne enge Lieferantenbindung. Hier ist eine Ausweitung der Lagerhaltung meist die teuerste Lösung. Stattdessen empfiehlt es sich, zusätzliche Lieferanten aufzubauen. Zweit- oder Drittlieferanten, die nur einen Teil der Zuliefermengen abdecken (etwa 20% bis 40%), erhöhen die Resilienz der Lieferkette, aber ohne unnötig Kapital zu binden. Große Unternehmen nutzen dieses Modell bereits systematisch und kommen dadurch mit vergleichsweise schlanken Lagern aus.

Innenfinanzierung gewinnt an Bedeutung

Für kleine und mittlere Unternehmen ist das Thema besonders kritisch. Denn hohe Lagerbestände binden Liquidität und können Finanzierungsprobleme verschärfen – gerade in einem Umfeld, in dem Banken bei der Kreditvergabe seit Jahren restriktiv agieren. Die Fähigkeit zur Innenfinanzierung wird damit zum strategischen Erfolgsfaktor. Wer Bestände optimiert und Forderungslaufzeiten verkürzt, setzt Kapital frei, das für Investitionen, Innovationen oder den Aufbau robuster Lieferketten genutzt werden kann.

Fazit: Effizientes Working-Capital-Management ist kein reines Finanzthema mehr, sondern ein zentraler Hebel für Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit. Unternehmen, die Lagerhaltung und Lieferantenstrategie differenziert steuern, sichern nicht nur ihre Liquidität, sondern stärken ihre strategische Handlungsfähigkeit.

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